Unsterblich modisch

Karl Lagerfelds geheimnisvolle DNA entschlüsselt – Hamburger Modegott lebt jetzt ewig

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
    schließen

Zwar ist der Modeschöpfer Karl Lagerfeld seit über einem Jahr tot, doch reißen die Nachrichten um den Hamburger nicht ab. „Karl Legend“ heißt eine neue Mode-Kollektion, die ihn nun ehrt und feiert.

  • Karl Lagerfeld*: „Karl Legend“ feiert Modezar.
  • Modeschöpfer allgegenwärtig.
  • Lagerfeld hat „in der Zukunft gelebt“.

Hamburg/Amsterdam - Der Hamburger* Modeschöpfer Karl Lagerfeld ist seit nunmehr über 15 Monaten tot, hat jedoch ein gewaltiges „Erbe“ hinterlassen. Seine Ideen und Motive leben weiter, immer wieder zieren Fotos und Name des Modezaren die hiesigen Gazetten. Dies wird sich in nächster Zeit auch nicht ändern. Denn die „Micky Maus der Mode“, wie sich Lagerfeld zuweilen selbst genannt hat, wird mit einer ganz speziellen Kollektion geehrt.

Modeschöpfer:Karl Lagerfeld
Geboren:10. September 1933, Hamburg
Gestorben:19. Februar 2019, Amerikanisches Krankenhaus Paris, Neuilly-sur-Seine, Frankreich
Ausgestellt in:Röhsska Museum, Metropolitan Museum of Art, Museum of Fine Arts
Bestattet:22. Februar 2019, Nanterre, Frankreich
Bücher:Diet, Claudia Schiffer, Fotografie

Karl Lagerfeld: Hamburger Modeschöpfer wird mit „Karl Legend" gefeiert

Diese hört auf den Namen „Karl Legend“ und ist liebevolle und ehrfürchtige Erinnerung an Karl Lagerfeld zugleich. Ob Hemden, Lederjacken, T-Shirts, Jeans oder Accessoires - die Kollektion wartet mit ikonisch scharfen Zitaten vom Hamburger auf. Doch damit nicht genug. Ebenso sind die Kleidungsstücke von „Karl Legend“ mit verschiedenen Porträtbildern verziert, die Design Director Hun Kim per Hand selbst gezeichnet hat.

Kim wurde 2015 von Lagerfeld höchstpersönlich für diese Position ausgewählt. Seine Arbeit verrichtet er im Headquarter in Amsterdam, wo er Unterstützung von fünf Ready-to-wear- und sechs Accessoire-Designern erhält. Wie genau es dabei vorzugehen gilt und was er über Karl Lagerfeld zu berichten weiß, hat die deutsche „InStyle“ in Erfahrung gebracht.

Modeschöpfer, Zeichner und Legende: Der Hamburger Modezar Karl Lagerfeld mag zwar tot sein, mit „Karl Legend“ lebt der Geist der Kultfigur jedoch weiter.

„Karl Lagerfeld und ich haben uns sehr schnell gut verstanden. Ich habe ihm all meine Ideen und Entwürfe für die Marke als Zeichnungen präsentiert – das hat ihm sehr gefallen“, erzählt Hun Kim. „Wir beide drücken in Zeichnungen aus, was wir im Kopf haben“, berichtet der Design Director über den kreativen Prozess.

Karl Lagerfeld: Hamburger Modezar hinterlässt Archiv mit 60.000 Skizzen

Natürlich wird die rechte Hand Lagerfelds auch darauf angesprochen, wie sich seine Arbeit nach dem Tod des zuletzt in Paris lebenden Modeschöpfers verändert habe. Die Antwort Hun Kims: „Manche Designer verändern eine Marke, wenn sie ein Erbe antreten. Karl Lagerfeld aber hat ein so großes Archiv hinterlassen, dass wir fast wie vorher arbeiten". Vor dem Designprozess würde sich der ehemalige Creative Director von Tommy Hilfiger sogar immer noch dieselben Fragen stellen.

„Karl, was ist dein Lieblingsfilm? Was ist dein liebstes Reiseziel? Er ist physisch nicht mehr hier, antwortet mir aber durch sein Archiv. Für die Pre-Fall-Kollektion haben wir uns zum Beispiel von Biarritz inspirieren lassen, einem Ort, den Karl geliebt hat", gewährt Hun Kim tiefe Einblicke in sein Vorgehen. Da er jedoch über ein Archiv von 60.000 Skizzen und Fotografien verfügt, die Lagerfeld ihm hinterlassen hat, sei es nicht immer ganz leicht zu wissen, wo man anfangen soll.

„Es ist wie bei Liebesgeschichten – wo fängt man da an? Es gibt unterschiedliche Aspekte. Ich denke zuerst über die Saison nach, für die ich entwerfen werde. Dann setze ich mich mit meinem Designteam zusammen und wir entscheiden, was wir erkunden möchten“, gibt Hun Kim fast schon philosophisch zu. Wichtige Impulse würde das Team aber auch von Autorin Caroline Lebar und Lagerfelds „Zuarbeiterin“ Sophie de Langlade erhalten, die in den vergangenen 35 Jahren viel mit dem Modezar zu tun gehabt hätten.

Modische DNA von Hamburger Mode-Gott Karl Lagerfeld entschlüsselt

Doch wie genau ist eigentlich die Idee zu „Karl Legend“ entstanden? „Wissen Sie, Karl war nicht nur Designer, er war auch Fotograf und er war Model. Es gibt Selbstporträts oder Bilder, die andere berühmte Fotografen gemacht haben, die ich oft nachgezeichnet habe. Das sah so gut aus, dass wir dachten: Daraus machen wir eine Kollektion!“, erzählt Hun Kim der „InStyle“.

Da Lagerfeld jedoch in dieser Phase verstorben ist, verwandelte sich die Kollektion schnell „in etwas, mit dem wir sein Leben feiern möchten“, sagt der Design Director Lagerfelds. Es sei auch darum gegangen, die „modische DNA von Karl Lagerfeld“ zu erhalten. Damit dies gelingen konnte, „haben wir die ´Wall of Karl´ gestaltet, eine Wand voll mit Bildern von ihm. Denn ich möchte ihn mit all unseren Kollektionen porträtieren", spricht er über die konkrete Herangehensweise.

Bleiben noch zwei vermeintliche Geheimnisse, die es zu klären gilt. „Schwarz und Weiß sind die Essenzen des Stils von Karl Lagerfeld. In Ihren Kollektionen, auch in ´Karl Legend´, ergänzen Sie oftmals Akzente in Pink. Warum Pink?“, möchte die „InStyle" von Hun Kim wissen. Dieser zitiert zunächst den Hamburger Modeschöpfer, um dann einen Erklärungsansatz zu liefern.

„‚Think pink, aber trage kein Pink´. Ich liebe Pink! Ich wollte also ein bisschen gegen seinen Willen arbeiten, um die ruhigen Farben etwas aufzubrechen“, sagt der auch schon für Ralph Lauren und Converse tätige Designer. Ihm zufolge habe Lagerfeld die ersten Entwürfe auch gemocht. Soweit, so gut.

Karl Lagerfeld: Hamburger Modeschöpfer hat in der Zukunft gelebt und wird mit „Karl et Moi" geehrt

Abschließend soll Hun Kim aber noch die Frage beantworten, welches Karl Lagerfeld-Zitat denn sein Favorit sei. „Mich beeindruckt stets der folgende Satz: ´Es ist die Essenz des Lebens, sich selbst immer wieder neu zu erfinden´. Sich zu entwickeln und zu erneuern ist nicht leicht, aber nur so bleibt man in Bewegung“, erzählt der Design Director. Er ist der festen Überzeugung, dass man stets „in die Zukunft blicken“ muss. Und dass Karl Lagerfeld „immer schon in der Zukunft“ gelebt hätte. Wohl dem, der über solch prophetische Fähigkeiten verfügt.

Wie die Resonanz auf „Karl Legend“ ausfallen wird, steht noch in den Sternen. Gewiss ist aber bereits, dass die Huldigungen an Karl Lagerfeld aller Wahrscheinlichkeit noch längst nicht ihren Höhepunkt erreicht haben. Unlängst erschien „Karl et moi“, ein Buch von Lagerfeld-Muse Baptiste Giabiconi. In diesem werden pikante Details aus dem Leben des Hamburger Modeschöpfers* erzählt.

Quelle: 24hamburg.de-Stars

* 24hamburg.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa/dpa-Zentralbild/picture alliance

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare