Modezar im Porträt

Karl Lagerfeld: Stil-Ikone aus Hamburg der ohne Jogginghose die Welt eroberte

  • Johannes Rosenburg
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Karl Lagerfeld hat als Designer, Fotograf und Kunstfigur weltweite Berühmtheit erlangt und die Modewelt geprägt, wie kaum ein anderer. Ein Hamburger Jung der die Welt eroberte.

  • Karl Lagerfeld wurde in Hamburg geboren und verbrachte einen Großteil seines Lebens in Frankreich.
  • Der Modezar war für die wichtigsten Modelabels der Welt, wie Chanel, als Designer tätig.
  • Auch seine Hauskatze Choupette ist inzwischen eine kleine Berühmtheit.

Hamburg/ParisKarl Lagerfeld (85 Jahr alt, gestorben † im Jahr 2019) war als Designer bei den weltweit berühmtesten Modemarken tätig und hat sogar sein eigenes Label gegründet. Der aus Hamburg stammende Modezar war vor allem als schillernde Kunstfigur mit Sonnenbrille, schwarzem Anzug und Zopf bekannt und hat mit zahlreichen Zitaten für Furore gesorgt. Legendär bleibt sein Statement, wonach Leute, die eine Jogginghose tragen, die Kontrolle über ihr Leben verloren hätten. Über sein Privatleben verriet er nur wenig, mit Lebensgefährte Jacques de Bascher war er jahrelang liiert. Karl Lagerfeld verstarb am 19. Februar 2019 in Frankreich.

Karl Lagerfeld aus Hamburg: Beginn einer Mode-Legende

Karl Lagerfeld wird am 10. September 1933 in Hamburg geboren. Wie alt wurde Lagerfeld wirklich? Tatsächlich ranken sich um das Alter der Legende nach wie vor einige Mythen. Karl Lagerfeld selbst gab einmal öffentlich an, erst im Jahr 1938 geboren worden zu sein, und behauptete später, 1935 sei sein wahres Geburtsjahr. Obwohl schließlich Auszüge des Hamburger Taufregisters in verschiedenen Zeitungen veröffentlicht wurden, beharrte er weiterhin darauf, doch etwas jünger zu sein. Aber sei es drum – Alter war für den Modezaren mit Lederjacke und Brille ohnehin kaum mehr als eine Nummer. 

Seine Kindheit verbrachte er als Sohn eines Fabrikanten in wohlhabenden Verhältnissen. Er hatte noch eine ältere Schwester sowie eine Halbschwester. Schon im Jahr 1952 zog Karl Lagerfeld nach Paris, wo er neben elitären Privatschulen eine Zeichenschule besuchte. Schon früh stellte er seine außerordentliche Kreativität unter Beweis und absolvierte schließlich die Schneiderlehre bei Mode-Legende Pierre Balmain.

Karl Lagerfeld und seine Familie

Karl Lagerfeld pflegte eine enge Beziehung zu seinen Eltern. Nach dem Tod seines Vaters schenkte er seiner Mutter das Château de Penhoet in der Bretagne, wo sie im Jahre 2000 auch beigesetzt wurde. Zu seiner Schwester hatte er keinen Kontakt. Noch zu ihren Lebzeiten hatte Karl Reportern gegenüber gesagt, dass er keine Familie mehr habe. Später revidierte er in einem Interview diese Aussage und betonte, dass seine Schwester in den USA lebe, sie seit 40 Jahren aber keinen Kontakt gehabt hätten. Seine Schwester verstarb 2015 in den USA. Karl Lagerfeld selbst war nie verheiratet und hat auch keine Kinder. Spätere Liebschaften mit Models und Assistenten wurden nie von ihm bestätigt. Karl Lagerfeld selbst sagte, dass er nach dem Tod seines langjährigen Partners am liebsten allein wohne.

Karl Lagerfeld zwischen Privatsphäre und berühmten Liebhabern

Auch zu seinem Liebesleben hielt Karl sich äußerst bedeckt. Mit dem Franzosen Jacques de Bascher de Beaumarchais war Karl Lagerfeld von 1971 bis zum Tod Beaumarchais 1989 liiert. Während seiner Partnerschaft mit dem Modezaren war de Beaumarchais zeitweise auch der Geliebte einer weiteren Mode-Legende: Yves Saint Laurent! 1991 kaufte Karl Lagerfeld eine Villa in Hamburg-Blankensee und taufte sie als Hommage an seinen langjährigen Partner „Jako“.

Wie wichtig Karl Lagerfeld ein diskretes Privatleben war, zeigt vor allem seine Klage gegen die Autorin Alicia Drake. Drake hatte in ihrem Buch „The Beautiful Fall“ auch das Liebesleben des Modezaren beleuchtet und wurde daraufhin von ihm beschuldigt, einen Angriff auf seine Privatsphäre ausgeführt zu haben. Nachdem das Gericht die Klage abgewiesen hatte, ließ Karl Lagerfeld alle englischen Ausgaben des Buches in Paris aufkaufen, damit diese nicht in Umlauf kamen. Das Buch ist inzwischen jedoch durchaus noch online zu erwerben.

Chanel, Chloé, Balmain: Karl Lagerfeld bei großen Modemarken

Karl Lagerfeld hat in allen namhaften Modehäusern seine Spuren hinterlassen. Schon das Anfangsprojekt seiner Lehre – ein Wollmantel – wurde von seinem renommierten Meister Balmain in Produktion gegeben. Nach nur drei Jahren bei Balmain wurde Karl Lagerfeld künstlerischer Direktor bei Jean Patou und versuchte sich schließlich an einem Kunststudium, welches er jedoch nach einigen Semestern ohne Abschluss abbrach. 1963 wurde er künstlerischer Direktor bei Chloé und blieb dem renommierten Modehaus bis 1978 treu.

Inzwischen hatte er sich als Star der Fashion-Szene etabliert und war unter anderem für die legendäre Deco-Kollektion sowie das Design des weltberühmten Fendi-Logos verantwortlich. Auch der Aufstieg des Denim-Labels Tiziano Roma ist überwiegend dem Engagement des Modezaren zu verdanken. 1982 wurde Karl Lagerfeld schließlich Chefdesigner des Modegiganten Chanel. Er schaffte es, die hochpreisige Marke auch bei jungen Damen wieder beliebt zu machen, und ließ die einst stagnierenden Verkaufszahlen wieder in die Höhe schnellen. Seine akademische Laufbahn setzte er als Gastprofessor an der Universität für angewandte Kunst in Wien fort.

Karl Lagerfeld als Markennamen: Das eigene Mode-Label

Schon 1984 hatte Karl Lagerfeld seinen ersten Anlauf zum eigenen Label genommen. Allerdings scheiterte die Unternehmung an niedrigen Verkaufszahlen und so trat er die Rechte an dem Label nach nur drei Jahren ab. Auch spätere Versuche, eine Kollektion unter seinem Namen zu verwirklichen, scheiterten und konnten nicht an seine Erfolge unter Chloé, Chanel oder Balmain anknüpfen.

2015 gelang ihm schließlich doch der erneute Durchbruch. Das Geheimnis? Karl selbst! Eine Comic-Version des Modezaren wurde zum Aushängeschild des Labels. Zudem konnte Karl Lagerfeld den aktuellen Logomania-Trend für sich nutzen und verzierte Taschen, Schuhe und weitere Produkte seiner Marke mit einem extravaganten Branding. Auch nach dem Tod Karl Lagerfelds ist die Beliebtheit der Kollektionen ungebrochen. Erhältlich sind die Designerstücke auf seiner Website.

Karl Lagerfeld und seine umstrittenen Zitate und Aussagen

So respektabel seine Leistungen in der Modewelt waren, so kontrovers waren auch einige Aussagen des Modezaren. Unvergessen bleibt sein Zitat Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren”. Tatsächlich entwarf Karl Lagerfeld kurz vor seinem Tod allerdings doch noch selbst eine eigene Streetwear-Kollektion mit Jogginghosen und bequemer Alltagsbekleidung. Als eine seiner bekanntesten Musen galt jahrelang das deutsche Supermodel Claudia Schiffer. Auf die Frage, ob er zu ihrer Hochzeit gehen würde, antwortete Karl Lagerfeld, dass er Hochzeiten meide und lieber die Scheidungsfeier abwarte.

Karl Lagerfeld ist „Elle Fashion Star“.

Kritisiert wurde Karl Lagerfeld vor allem für abfällige Bemerkungen gegenüber Models, die den Magerwahn der Industrie kritisiert oder sich in der MeToo-Debatte über anmaßendes Verhalten gegenüber Newcomerinnen beschwert hatten.

Auch seine geliebte Katze Choupette ist Fans bestimmt nicht unbekannt. Die ist inzwischen sogar selbst ein Social Media Star und begehrtes Model. Der Hauptteil seines millionenschweren Erbes ging übrigens an Choupette, die nun von einer Haushälterin sowie einem Privatkoch verwöhnt wird. Zu den übrigen Begünstigten der Erbschaft zählen Karl Lagerfelds Assistent sowie sein Patenkind Hudson Korenig.

Karl Lagerfeld – Perfektionist auch nach dem Tod

Karl Lagerfeld starb im Alter von 85 Jahren und wurde im am 22. Februar 2019 in Nanterre bestattet. Laut Aussage seines Assistenten Sébastien Jondeau litt der Modezar seit dem Jahr 2015 an Bauchspeicheldrüsenkrebs, was er allerdings vor der Öffentlichkeit geheim gehalten hatte – Lagerfelds Assistent Sebastien Jondeau behauptete jedoch, dass Lagerfeld an Prostata-Krebs starb, wie tz.de berichtet.* Der für seinen Perfektionismus bekannte Star-Designer blieb seinem Ruf auch nach dem Ableben treu. So hatte er eine detaillierte Planung entworfen, die nicht nur seine eigene Feuerbestattung, sondern auch die auf seinen Tod folgenden Schaufenster-Designs der Chanel-Häuser genaustens regelte. Die Beisetzung fand im engsten Freundeskreis statt, wobei große Namen der Modeszene vertreten waren.

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