Biografie enthüllt dunkle Vergangenheit

Karl Lagerfeld: Eltern waren Nazis – Hamburger Mode-Papst ist NSDAP-Kind

Über ein Jahr nach seinem Tod enthüllt die Biografie von Karl Lagerfeld (†85), dass die Eltern des Modeschöpfers in der NSDAP waren. Mehr brisante Details aus dem Buch.

  • Karl Lagerfelds* Vater, Dosenmilch-Mogul Otto Lagerfeld, war Mitglied der NSDAP.
  • Karl Lagerfelds Mutter Elisabeth gehörte der Nazi-Partei an.
  • BiografieKarl Lagerfeld – ein Deutscher in Paris“ kommt am 17. September 2020 in den Handel.

HamburgKarl Lagerfeld selbst sprach nie besonders viel über sein Privatleben. Der Gegner der Jogginghose („Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“) wurde am 10. September 1933, also zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, in Bad Bramstedt (Schleswig-Holstein) geboren. Sein Vater, Otto Lagerfeld, war Gründer und Eigentümer einer der ersten deutschen Kondensmilch-HerstellerGlücksklee“.

Modeschöpfer:Karl Lagerfeld
Geboren: 10. September 1933, Hamburg
Gestorben: 19. Februar 2019, Paris, Neuilly-sur-Seine, Frankreich
Bestattet: 22. Februar 2019, Nanterre, Frankreich

Karl Lagerfelds Biografie zeigt Kindheits-Foto des Mode-Papstes vor Hakenkreuz-Flagge

Im Jahr 1930 heiratete Dosenmilch-Mogul Otto Lagerfeld die 16 Jahre jüngere Elisabeth Bahlmann, deren Vater Landrat in Beckum (Münsterland, NRW) war. Gemeinsam bekamen sie zwei Kinder: ChristianeChristel“ und Karl Otto Lagerfeld. 24hamburg.de/vip berichtet auch über das immer noch leer stehende Haus von Karl Lagerfeld* in Hamburg*.

Das Hakenkreuz spielte in Karl Lagerfelds Kindheit eine bedeutende Rolle. Es prangte etwa auf einer Flagge in seinem Vorgarten.

Bilder aus Karl Lagerfelds Biografie, die am Donnerstag, 17. September 2020, im Handel erscheint, zeigen das Leben der Lagerfelds in den 1930er Jahren: Die kleine Christel steht an der Hakenkreuzflagge vor dem opulenten Anwesen der Familie an der Elbe*. Der kleine Karl Otto Lagerfeld steht in Lederhosen auf der Wiese und blickt seiner Schwester entgegen. Auf der Rückseite des analogen Fotos ist eine Notiz von Mama Elisabeth: „Zur Erinnerung an dem 12. März 1938. Christel steht an der Fahnenstange (…) prüft die Flagge.“ Die Fotos aus der Biografie liegen auch der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (hinter Bezahlschranke) vor.

Karl Lagerfeld – ein Deutscher in Paris: neue Biografie enthüllt Nazi-Vergangenheit seiner Eltern

Familienoberhaupt Otto zog es in die NSDAP. Anfang Mai 1933 beantragte er die Aufnahme. Bis zum Ende der Diktatur im Jahr 1945 war er Mitglied der Partei. Ein besonderes Amt hatte der „Glücksklee“-Betreiber bei der NSDAP allerdings nicht inne. Er trat in Verbände wie die „Nationalsozialistische Volkswohlfahrt“ (NSV) oder die „Deutsche Arbeiterfront“ (DAF) ein, um sein Geschäft zu stärken. Und – wie der Berliner Historiker Horst Gies in Karl Lagerfelds Biografie zum Besten gibt – auch um es zu sichern.

Laut dem Wissenschaftler sei die Mitgliedschaft bei DAF und NSV „unumgänglich“ gewesen, um überhaupt im Geschäft der Milchwirtschaft zu bestehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg distanzierte Otto Lagerfeld sich dann von den Nazis: „Meine Beziehungen zur Partei waren äußerst gespannt als Vertreter der amerikanischen Interessen“, schrieb er am 24. Juli 1974 an die Entnazifizierungs-Kommission. Seine „Glücksklee“-Dosenmilch produzierte er für einen Amerikaner.

Karl Lagerfelds Biografie enthüllt: Mutter Elisabeth Lagerfeld war überzeugtes Mitglied der NSDAP

Karl Lagerfelds Mutter Elisabeth soll bereits in den frühen 1930er Jahren überzeugtes Mitglied der NSDAP gewesen sein. In einem Schreiben, das im Nachlass von Karls Tante Felicitas Ramstedt gefunden wurde, heißt es, sie sei in die Partei eingetreten, weil sie es für Deutschland am besten hielt. Sie schrieb: „Ja nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa.“

Elisabeth Lagerfeld hielt es „für absolut möglich, dass Hitler imstande war, die Zerrissenheit des deutschen Volkes zu steuern, es einer Idee unterzuordnen, allem Parteienhader ein Ende zu machen, Ordnung nach Innen und Außen zu schaffen. Gleichzeitig eine Gerechtigkeit auch vor allem in sozialer Beziehung bringen zu können. Ein gesundes Deutschland war nötig, Deutschland vor dem Bolschewismus zu bewahren.“ 24hamburg.de berichtet auch über den 50. Geburtstag von Claudia Schiffer und weiß auch, warum die 90er Jahre Ikone an diesem besonderen Tag an Karl Lagerfeld zurückdenken musste*.

Sie glaubte daran, die NSDAP sei fähig, „weltanschaulich und politisch idealen Zuständen den Weg zu bereiten“. Aktiv habe sie sich laut eigenem Bekunden allerdings nicht in der Partei beteiligt. Später machte auch Elisabeth, ähnlich wie ihr Mann Otto, einen Rückzieher als der Zweite Weltkrieg vorbei war. „Man konnte nicht ahnen, dass Hitler als die Macht sein war, es nicht verstand, mit dieser Macht umzugehen.“ Irgendwann habe man nicht mehr den Mut gehabt, aus der NSDAP auszutreten.

Karl Lagerfeld: Biografie enthüllt Nazi-Vergangenheit – wusste der Hamburger Designer von der NSDAP-Mitgliedschaft seiner Eltern?

Dennoch betonte Elisabeth Lagerfeld, „im guten Glauben“ gehandelt zu haben. Sie schrieb: „Qual genug, so enttäuscht worden zu sein.“ Ob der kleine Karl von den politischen Ansichten seiner Mutter wusste? Immerhin zierte die mächtige Hakenkreuz-Flagge den Vorgarten des prächtigen Anwesens Gut Bissenmoor. Allerdings gehörte es in Zeiten des Zweiten Weltkrieges „zum guten Ton“, eine solche Flagge am Haus zu präsentieren. Tat man es nicht, machte man sich verdächtig.

In seinem späteren Leben versuchte Karl Lagerfeld jedoch stets, das Nazi-Thema von seinen Eltern wegzulenken. Immer wieder erzählte er eine Anekdote, die von seiner Mutter handelte. Als er mit ihr zum Arzt ging, haben sie seinen Lehrer getroffen, der sie aufforderte, Karl die Haare abzuschneiden. Daraufhin soll sie den Lehrer am Schlips gepackt und gefragt haben: „Wieso? Sind Sie noch Nazi?“ * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.  

Rubriklistenbild: © Andres Perez Moreno/dpa & Caroline Seidel/dpa

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