Im Michel

Jan Fedder: Die Trauerfeier des Großstadtrevier-Lieblings

  • Annabel Schütt
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Jan Fedder ist in Hamburg geboren und groß geworden. Die Trauerfeier für das Hamburger-Urgestein und den „Großstadtrevier“-Stars fand natürlich im Michel statt.

Hamburg – Die Trauerfeier für Jan Fedder fand am Dienstag, 14. Januar 2020, in der Hamburger St. Michaelis Kirche statt, die den meisten Hamburgerinnen und Hamburgern als Michel bekannt ist. An diesem Tag hätte der Schauspieler seinen 65. Geburtstag gefeiert. Die 2000 Plätze in der Kirche waren geladenen Gästen vorbehalten, darunter Tim Mälzer, Olivia Jones und Udo Lindenberg. Fans konnten die Zeremonie im Fernsehen verfolgen. Der NDR übertrug die Trauerfeier für Jan Fedder.

Im Anschluss an die Trauerfeier gab es einen Konvoi über die Reeperbahn im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Auf der dortigen Davidwache, die dem „Großstadtrevier“ als Vorbild diente, lag ein Kondolenzbuch für Jan Fedder aus, in das sich viele Trauernde eingetragen haben. 

Name: Jan Fedder
Beruf: Schauspieler
Geburtstag: 14. Januar 1955
Geburtsort:Hamburg
Todestag: 30. Dezember 2019
Ehefrau: Marion Fedder

Jan Fedder tot: „Großstadtrevier“-Schauspieler litt an Krebs

Großstadtrevier-Liebling Jan Fedder starb am 30. Dezember 2019 in Hamburg. Er erlag seiner Krebs-Erkrankung, gegen die er seit 2012 ankämpfte. Der Krebs kostete ihn einen großen Teil der Zunge. Außerdem unterzog er sich einer intensiven Strahlentherapie. Für Jan Fedder war nach eigener Aussage es „die schlimmste Zeit meines Lebens“. Er sei kraftlos gewesen, konnte nicht mal den Telefonhörer abnehmen. Doch Fedder kämpfte gegen den Krebs und kehrte sogar ins Fernsehen zurück.

„Die Liebe zu meiner Marion hat mich am Leben gehalten“, erzählte der Schauspieler in der Sendung „Beckmann trifft...“. Fedder schien mit sich im Reinen zu sein, nachdem er nach eigenen Angaben dem Tod 14 Mal von der Schippe gesprungen sei. „Alle meine Träume und Wünsche sind erfüllt. Ich brauch nichts mehr. Ich bin glücklich und zufrieden.“

Nach der Trauerfeier wird der Sarg mit dem Leichnam von Großstadtrevier-Star Jan Fedder von Polizisten aus der dem Michel getragen.

Neben seiner Krebs-Erkrankung setzte Jan Fedder auch ein Sturz mächtig zu, bei dem er diverse Knochenbrüche erlitt. Seitdem nutzte er häufig einen Rollstuhl. Bereits im Jahr 2017 zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück. Der Tod von Jan Fedder überraschte seine Ehefrau Marion Fedder, die sich im Urlaub in Spanien befand. Sie hatte einen Freund in seine Wohnung geschickt, als sie nichts mehr von ihm hörte. Der fand Jan Fedder tot auf. Sein langjähriger Freund TV-Koch Tim Mälzer half, den Sarg mit dem Leichnam des Schauspielers aus der Wohnung zu tragen.

Jan Fedders Karriere: Das Boot, Büttenwarder und Großstadtrevier

Die erste große Filmproduktion, in der Jan Fedder als Schauspieler mitspielte, war der Kriegsfilm „Das Boot“. Der Film von Wolfgang Petersen gilt bis heute als legendär, obwohl er schon im Jahr 1981 in die Kinos kam. Es war ein internationaler Erfolg. Darauf folgten Rollen in Fernsehproduktionen: „Ich hab nur Drogenabhängige und Rocker gespielt“, so Jan Fedder. Das Millieu war ihm aus seinem Leben auf St. Pauli vertraut.

Doch mit dem „Großstadtrevier“ änderte sich das Image des Hamburgers. Obwohl er zunächst zögerte, die Rolle eines Polizisten zu spielen, nahm er letztlich an: „Man muss ich im Leben entscheiden, auf welcher Seite man steht: Entweder Bulle oder Bruch. Und ich hatte mich damals für Bruch entschieden. Dann kriegte ich aber damals dieses Angebot“. Der Schauspieler erzählte weiter: „Ich habe über vier Monate überlegt, ob ich nen Bullen spielen soll oder nicht, weil dann würde sich mein Leben ändern. Habe ich aber gemacht und es war eine der besten Entscheidungen.“ In der Rolle des Dirk Matthies im „Großstadtrevier“ errang er in ganz Deutschland Bekanntheit.

Jan Fedder, Otto Sander, Martin Semmelrogge und Günter Lamprecht erhalten die Goldene Kamera. Sie alle spielten in „Das Boot“ mit.

Auf das „Großstadtrevier“ folgten für Jan Fedder weitere Hauptrollen in Fernsehfilmen und -Serien. Er spielte unter anderem in der NDR-Produktion „Neues aus Büttenwarder“ für mehr als 22 Jahre mit. Sein Charakter, der Bauer Kurt Brakelmann, der im fiktiven norddeutschen Dorf Büttenwarder einen Hof mehr schlecht als recht bewirtschaftet und sich gerne mal einen „Lütt und Lütt“ genehmigt, hat mittlerweile Kultstatus erlangt.

Obendrauf schlüpfte Jan Fedder dreimal in die Titel gebende Rolle des „Hafenpastors“. Die Rolle war ihm wieder wie auf den Lieb geschnitten. Der Schauspieler aus Hamburg mimte einen Pastor auf dem Kiez, der mit großem Engagement versucht sich, um seine rotlichtige Gemeinde zu kümmern. Auch die Handlung der Sigfried-Lenz-Verfilmung „Der Mann im Strom“ spielte in Hamburg. Und Jan Fedder spielte einen arbeitslosen Bergungsinspektor, der einen Neuanfang als Taucher versucht.

Jan Fedder hatte eine klare Meinung zum Beruf „Schauspieler“: „Ich wollte für das Volk spielen. So, dass ich so spreche, wie das Volk und, dass ich so denke, wie das Volk“. Dabei zog er stets sein eigenes Ding durch. „Ich mach sowieso nur das, was ich will und nicht, was der Regisseur sagt und damit bin ich immer gut gefahren“, so Jan Fedder über seine Einstellung am Set. Halbe Sachen waren nie seins, im Job gab er alles. „Ehrgeiz kenne ich nicht, aber ich will schon und muss schon die Nummer eins sein, sonst ist scheiße“, ließ er in einer NDR-Dokumentation verlauten.

Jan Fedders Leben und seine Verbundenheit mit Hamburg

„Hauptberuflich bin ich Mensch und nebenberuflich Schauspieler“, sagte Jan Fedder mal. Er war ein echter norddeutscher Charakter und einem Millionenpublikum bekannt. Er starb am 30. Dezember 2019 in Hamburg, wo er auch geboren und aufgewachsen ist. Kein Wunder also, dass für dieses Hamburger Original auch die Trauerfeier in der Hauptkirche St. Michaelis stattfinden musste, wo er als Jugendlicher schon im Chor sang. Deutschland trauerte um den Jungen vom Kiez, der sich von den Straßen St. Paulis in die Herzen der Fernsehzuschauer gespielt hat.

Jan Fedder war ein echter Hamburger Jung. Geboren wurde der Schauspieler am 14. Januar 1955 in der Hansestadt. Seine Eltern waren Adolf und Gisela Fedder. Der Bruder von Jan Fedder heißt Oliver und ist sieben Jahre älter. Die Eltern von Jan Fedder hatten in Hamburg an den Landungsbrücken die Kneipe „Zur Überseebrücke“. Damit ihre Kinder nicht zu viel Umgang mit Betrunkenen pflegten, war die Gaststätte nur mittags und nachmittags geöffnet. Der junge Fedder machte im Gastraum der Kneipe seine Hausaufgaben. Kindheit und Jugend in Hamburg bezeichnete der verstorbene Schauspieler als „wunderbar“. „Ich hatte den größten Spielplatz der Welt. Nämlich den Hamburger Hafen“, so der Schauspieler in einer ARD-Dokumentation. 

Mit sieben Jahren begann Jan Fedder im Kirchenchor des Michel zu singen. Dort las er auch über 14 Jahre hinweg an Heiligabend die Weihnachtsgeschichte. Im Alter von zehn Jahren begann Jan Fedder zudem, Ballettunterricht zu nehmen. Er war der einzige Junge zwischen 15 Mädchen. Zu dieser Zeit kam er auch mit der Schauspielerei in Kontakt. Die ihm bekannte Schüler der Kunst und deren Lebensstil sagten ihm sehr zu. Er nahm sich vor, irgendwann diesen Beruf zu ergreifen.

Jan Fedders Vater bestand damals darauf, dass sein Sohn einen seriösen Beruf lernt. So absolvierte der Hamburger eine Lehre zum Speditionskaufmann. Als er 18 Jahre alt war, hatte Jan Fedder dann genug. Er kündigte und arbeitete nie wieder in seinem gelernten Beruf. Stattdessen schlug er für immer den Weg der Schauspielerei ein. Inspiriert hätten ihn Schauspieler des Ohnsorg-Theaters in Hamburg.

Jan Fedder privat: Das war über sein Glück mit Marion bekannt

„Ach so´ne Werbeschlampe. Die hab ich richtig gefressen“, dachte sich Jan Fedder, als er seine künftige Ehefrau Marion auf einer Gala in Hamburg das erste Mal traf. Nachdem der raubeinige Schauspieler sich als Friseur vorgestellt hatte, schienen sich die beiden besser zu verstehen, als Fedder anfangs annahm. Die Hochzeit von Jan Fedder und Marion Fedder erfolgte im Jahr 2000, natürlich auch im Michel. Nach der Trauung fuhr das frisch vermählte Paar in einer weißen Limousine durch die Hansestadt Hamburg. Dabei wurden sie sogar von einer Polizeieskorte begleitet. 

„Marion und ich sind eigentlich immer in den Flitterwochen. Wir haben zwei Wohnungen“, erzählte der Schauspieler im Interview mit Frau im Spiegel. „Wir verbringen unsere Zeit meist nur von Freitag bis Montag zusammen“, so Jan Fedder. Das halte ihre Liebe frisch, denn die Vorfreude auf den anderen und die Sehnsucht sei so umso größer, „als wenn man ewig zusammen abhängen würde“. Kinder hatte das Paar keine. „Ich wollte nie Kinder“, erzählte Jan Fedder. „Ich habe mit mir selbst genug zu tun. Da brauche ich nicht noch Kinder, um die ich mich kümmern soll.“

Die Worte der Witwe Marion nach dem Tod ihres Mannes Jan Fedder rührten die Welt: „Es ist nie der richtige Zeitpunkt. Es ist nie der richtige Tag. Es ist nie alles gesagt. Es ist immer zu früh. Mein geliebter Jan, Du bleibst für immer in meinem Herzen. In ewiger Liebe Deine Marion.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa

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