„Alter weißer Mann“

Attacke von Jan Delay auf Thomas Gottschalk und Harald Schmidt

  • Susanne Kröber
    VonSusanne Kröber
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Jan Delay setzt nach Kritik an einem seiner Social-Media-Postings auf politische Korrektheit – und zeigt sich enttäuscht von seinen früheren TV-Idolen.

Hamburg – Jan Delay nimmt selten ein Blatt vor den Mund, dafür lieben die Fans den Hamburger Rapper mit der markanten Stimme. Zu hören ist das auch auf seinem gerade erschienenen neuen Album „Earth, Wind & Feiern“, seine beste Platte, wie er im Interview mit 24hamburg.de betont.

Musiker:Jan Delay
Geboren:20. Februar 1976 (Alter 45 Jahre), Eppendorf, Hamburg
Musikgruppen:Beginner, La Boom
Eltern:Theo Janßen, Dörte Eißfeldt
Titel:Oh Jonny, Eule, Spass, Grün-weiße Liebe, St. Pauli

Direkt will Jan Delay sein und bleiben, politische Unkorrektheit geht ihm allerdings gegen den Strich. Denn Jan Philipp Eißfeldt, wie Delay mit bürgerlichem Namen heißt, musste 2020 selbst sein Verhalten überdenken, nachdem ein Freund ihn für ein Social-Media-Foto mit Afro-Perücke kritisiert hatte.

Jan Delay: Sinneswandel nach rassistischem Post

„Ich habe im Lockdown, ohne darüber nachzudenken, ein lustiges Foto mit einer Afro-Perücke gepostet“, erinnert sich Jan Delay im Interview mit Die Zeit. „Ein Freund von mir hat sich beschwert und war sauer.“ Zunächst habe der Beginner-Sänger aus Hamburg nicht nachvollziehen können, was an seinem Posting rassistisch gewesen sein soll.

Jan Delay sieht das Verhalten seiner Idole Thomas Gottschalk und Harald Schmidt heute kritisch.

Aber die Kritik machte ihn nachdenklich, sein Freund habe ihm zu verstehen gegeben: „Das hast du gar nicht zu entscheiden, das entscheiden die, die von Rassismus betroffen sind.“ Ein Satz, der für einen Sinneswandel bei Jan Delay sorgte. „Ich hab immer gedacht: Ich bin doch kein Rassist, ich mach HipHop, und meine Freunde sind Afrodeutsche. Aber deshalb kann ich noch lange nicht sagen, was rassistisch ist und was nicht. Wer bin ich denn?“

Jan Delay: Kein Verständnis für „rumjammern“ über politische Korrektheit

Jan Delay stellte sein eigenes Verhalten infrage – eine Vorgehensweise, die er bei anderen vermisst. „Ich will nicht so ein Thomas Gottschalk oder Harald Schmidt sein, ein alter weißer Mann. Ich bin voll enttäuscht von denen, dass die jetzt so rumjammern, gerade bei Harald Schmidt, von dem war ich so ein Fan.“

Thomas Gottschalk war nach seinem Auftritt in der WDR-Talksendung „Die letzte Instanz“ in die Kritik geraten*. In der Folge mit dem Titel „Das Ende der Zigeunersauce: Ist das ein notwendiger Schritt?“, die im Januar 2021 ausgestrahlt wurde, hatte er unter anderem erklärt, er habe bei einer Kostümparty Los Angeles in Jimi-Hendrix-Verkleidung das erste Mal erlebt, „wie sich ein Schwarzer fühlt“. Was immer Gottschalk „erlebt“ haben will – vorgeworfen wurde ihm Blackfacing. Weiteren Unbill hat der Entertainer mit vermeintlich lustigen Witzen zum Thema Gender-Sprache, die Senatorin Katharina Fegebank in Hamburgs Behörden einführen will, sowie rassistischen Bemerkungen über die als „Zigeuner“ verunglimpften Roma und Sinti auf sich gezogen.

Harald Schmidt hatte sich in der Vergangenheit ebenfalls über das Thema politische Korrektheit aufgeregt. „Mit den heutigen Maßstäben, auch der Political Correctness, der Sprachpolizei und des linksliberalen Mainstreams, hätte ich meine Show nach einer Woche abgenommen bekommen“, erklärte er im Interview mit dem österreichischen TV-Sender ORF3. Nun haben Gottschalk und Schmidt offenbar einen prominenten Fan weniger. Wer spätestens jetzt allerdings Fan von dem Hamburger Hiphoper ist, sollte unbedingt in Jan Delays neues Album reinhören! * 24hamburg.de und msl24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Christian Charisius

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