Hamburger Ehrenbürger

Helmut Schmidt: Neue Ausstellung macht den großen Hanseaten greifbar

  • Kevin Goonewardena
    VonKevin Goonewardena
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In Hamburg würdigt eine Dauerausstellung das Schaffen des Altkanzlers. Auf seinen Spuren kann man jedoch auch anderswo in der Hansestadt wandeln.

Hamburg – Helmut Waldemar Schmidt* bedarf eigentlich keiner Vorstellung mehr, nicht nur da der 2015 verstorbene Altkanzler eine jahrzehntelange politische Karriere hinter sich hat. Der Hamburger Ehrenbürger prägte den öffentlichen Diskurs der Bundesrepublik Zeit seine Lebens und bis weit nach Ende seiner politischen Laufbahn. Eine Ausstellung widmet sich nun ihm und dem wofür er kämpfte: der Demokratie. Aber auch an anderen Orten lässt sich in Hamburg auf seinen Spuren wandeln. Wir stellen sie vor.

Die Sturmflut in Hamburg von 1962 war eine Katastrophe, Helmut Schmidt ihr Held. (24hamburg.de-Montage)

Im Gedenken an Helmut Schmidt: Ausstellung Schmidt! Demokratie leben 

Schon der Ausstellungsort selbst ist einen Besuch wert, denn diese befindet sich in dem imposanten Chilehaus im Kontorhausviertel, unweit der Speicherstadt, das die UNESCO seit 2015 zum Weltkulturerbe zählt. Der bis zu zehnstöckige Bau, der in den 1920er Jahren im Stil der Backsteingotik und des Expressionismus errichtet wurde, watet nicht nur mit seiner imposanten Größe auf, sondern lässt die Herzen aller Architekturliebhaber aufgehen. Hier gibt es eine Fülle von Details zu entdecken, die sich, wie das Gebäude an sich, als hervorragende Fotomotive eigenen. In Nachbarschaft des Pressehauses der Wochenzeit Die Zeit befindet sich die 2017 gegründete Bundeskanzler Helmut Schmidt-Stiftung – die Ausstellung „Schmidt! Demokratie leben“ ist im dortigen Helmut Schmidt-Forum zu sehen.

Helmut Schmidt war zeitlebens ein Kämpfer für die Demokratie. Diese Ausstellung ehrt sein Schaffen

Die Arbeit der Stiftung und das Ziel der Ausstellung „Schmidt! Demokratie leben“ werden auf der offiziellen Webpräsenz eben selbiger wie folgt in Leitfragen formuliert

Was hält Europa (noch) zusammen? Was versöhnt Menschen und Märkte? Wie begegnet man dem Populismus von rechts und von links?

Website der Bundeskanzler Helmut Schmidt-Stiftung | www.helmut-schmidt.de

Auf 270 Quadratmetern erwarten die Gäste verschiedene Installationen, Gegenstände und Arbeitssachen des ehemaligen Bundeskanzlers. Doch es lassen sich nicht nur Exponate im klassischen Glaskasten bewundern. Auch zahlreiche interaktive Elemente laden zum Mitmachen ein. So kann beispielsweise ein Zeitstrahl mit weltpolitischen Daten um eigene Erlebnisse ergänzt werden. Auch Material zu Themen wie Demokratie und Protest sind hier zu bekommen. Mehr Informationen zur Ausstellung „Schmidt! Demokratie leben“, Helmut Schmidt selbst und der Stiftungsarbeit finden sich auf der offiziellen Seite der Bundeskanzler Helmut Schmidt-Stiftung.

Politische Karriere in Hamburg und der Bundesrepublik: Helmut Schmidt als Krisenmanager

Sein erstes wichtiges Amt erlangte Schmidt 1961, als er zum Polizeisenator seiner Heimatstadt Hamburg ernannt wurde. Schon kurz nach Beginn seiner Amtszeit erlangte Schmidt bundesweite Bekanntheit – als Krisenmanager musste er die verheerende Sturmflut am 16./17. Februar 1962 managen. Rund 350 Hamburger und Hamburgerinnen überlebten die Katastrophe nicht.

Helmut Schmidt war stets Kämpfer und Mahner.

Ab Mitte der 1960er Jahre bekleidete Schmidt den Fraktionsvorsitz seiner Partei im Bundestag und verschiedene Ministerämter, bevor er 1974 als Nachfolger von Willy Brandt zum fünften Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschlands gewählt wurde. Ins eine bis 1982 andauernde Amtszeit fielen unter anderem die Zeit der RAF und die Ölkrise.

Helmut Schmidt: Kämpfer für Demokratie, Publizist, Kettenraucher

Nicht nur während der Zeit seiner politischen Ämter, sondern auch nach dem Ende seiner politischen Karriere trat Helmut Schmidt in vielfältiger Weise für die Demokratie und deren Werte ein. Schmidt war gern gesehener Gesprächspartner, Gast politischer Talkshows und Podiumsdiskussionen, er mischte sich mit Beiträgen ins politische Geschehen ein und war nicht zuletzt jahrelang als Herausgeber und Verleger der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit tätig, die er maßgeblich mitprägte. Bis zu einem Tod setzte er sich mit großem Engagement für die Einigung Europas, das transnationale Verhältnis, allgemein internationale Beziehungen ein und suchte nach Lösungen für die Probleme unserer Zeit.

Wohnhaus des Ehepaars Helmut und Loki Schmidt in Langenhorn zu besichtigen

Neben dem Sitz der Helmut-Schmidt-Stiftung, finden sich in der Hansestadt noch andere Orte mit Bezug zum „ewigen Bundeskanzler“, wie die Frankfurter Rundschau* ihren Nachruf überschrieb, und seiner Frau. Allen voran das ehemalige Wohnhaus des Ehepaares in Hamburg-Langenhorn, in dem auch das Archiv Schmidts untergebracht ist. Während das Archiv für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden kann, sind die Privaträumlichkeiten der Schmidts in einem virtuellen Rundgang erlebbar.

Eine Aufnahme des Arbeitszimmers Helmut Schmidts in seinem Privathaus in Hamburg-Langenhorn. Das Haus kann von Besuchern virtuell besichtigt werden.

Loki Schmidts Leidenschaft für Botanik nachspüren

Der Botanische Garten der Elbmetropole trägt seit 2012 offiziell den Namen Loki-Schmidt-Garten. Jener ist ein öffentlicher Park im Stadtteil Hamburg-Osdorf, einem der sogenannten Elbvororte, mit Freigelände und Gewächshäusern. Auch ist der Park Ausbildungspark und Ort verschiedener Veranstaltungen.

Loki Schmidt, die vor der Kanzlerschaft ihres Mannes als Lehrerin arbeitete, machte sich über Jahrzehnte durch ihre ihre Leidenschaft für Biologie und Natur einen Namen und betätigte sich auch als Botanikerin, Natur- und Pflanzenschützerin. Der botanische Garten, den sie selbst lange unterstützte, trägt zu Ehren ihres Einsatzes mittlerweile ihren Namen.

Öffnungszeiten Helmut Schmidt Ausstellung

Eröffnung: 19. Juni 2021

Termine für Führungen buchbar bis 31. Oktober 2021 (offizielles Ende nicht bekannt)

Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag je 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr

Preis der Ausstellung „Schmidt! Demokratie erleben“: Einritt frei

Helmut Schmidt erfreut sich auch heute noch größter Beliebtheit

Der als sturer Hanseat und starker Kettenraucher bekannte Schmidt genoss zeitlebens weit über die Grenzen Deutschlands reichendes hohes Ansehen. In Deutschland genoss Schmidt stets höchste Sympathiewerte – höhere als viele aktive Politiker und Politikerinnen. Kein Wunder, dass die SPD einen Weg fand, wie die sozialdemokratische Ikone sechs Jahre nach ihrem Tod ihren aktuellen Kanzlerkandidaten Olaf Scholz im Wahlkampf unterstützen konnte.* 24Hamburg.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Egon Steiner/dpa

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