Corona-Kitchen-Impossible

Tim Mälzer (Vox): Keine Gäste, kein Geld, nur Arbeit – steht TV-Starkoch vor Corona-Burnout?

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Tim Mälzer hat im Coronavirus-Lockdown wie kein anderer für die deutsche Gastronomie gekämpft. Für die Wirte, für die Arbeitnehmer. Jetzt geht der Überlebenskampf in der Küche weiter.

  • Tim Mälzer kämpft weiter um Jobs und seine Restaurants.
  • Auf Instagram gibt er sich wegen zwei freien Tagen melancholisch.
  • Fans und Gäste von „Die Gute Botschaft" in Hamburg an der Alster machen ihm Mut.

Hamburg Tim Mälzer ist zurück. Doch die Probleme sind geblieben. Im Coronavirus-Lockdown standen in der deutschen Gastronomie viele Wirte vor dem Aus und er in der „Corona-Falle“*. Der Hamburger Starkoch machte sich für sie stark, forderte eine Wiedereröffnung unter Corona-Bedingungen. Auch für sein Restaurant Die Gute Botschaft“, um seinen insgesamt 200 Angestellten weiter eine Lebensgrundlage oder wenigstens eine Perspektive bieten zu können. Mit der Wiedereröffnung ging der Kampf ums Überleben* aber erst los. Auf Instagram lässt ein Foto jetzt tief blicken.

KochTim Mälzer
Geboren22. Januar 1971 (Alter 49 Jahre), Elmshorn
BücherBorn to Cook, Heimat, Greenbox, Die Küche
ElternChrista Mälzer, Rainer Mälzer
NominierungenDeutscher Fernsehpreis für die beste tägliche Sendung, Deutscher Fernsehpreis - Freie Formatkategorie
AuszeichnungenDeutscher Fernsehpreis für das beste Factual Entertainment

Tim Mälzer: Kampf gegen Corona-Pleite in Hamburg – Kitchen Impossible-Star (Vox) mit Arbeitswut

Als Tim Mälzer sein Restaurant die „Die Gute Botschaft“ wieder eröffnen durfte, war das ein Feiertag. Für ihn, für seine Angestellten, seine Gäste und für seine Fans. Doch damit verschwanden die Probleme, die durch das Coronaviurs-Sars-CoV-2 in der Gastronomie aufgetaucht waren nicht einfach. Gegenüber 24hamburg.de verrät er: „Wenn ich das Restaurant komplett geschlossen halte, kostet mich das jeden Monat 15.000 Euro. Für den Anfang geht es darum, weniger Verlust zu machen.“

Tim Mälzer ist zurück in der Küche. Mit Verve. Den braucht er auch in diesen harten Zeiten (24hamburg.de-Montage)

Doch das ist nicht so einfach. Will ein Wirt sein Restaurant in Hamburg öffnen, müssen strenge Coronavirus-Auflagen beachtet werden. Sitz- und Stehplätze müssen so angeordnet sein, dass „ein Abstand von mindestens 1,50 Metern zwischen den Gästen eingehalten wird oder andere geeignete Trennwände zwischen den Gästen vorhanden sind“, wie die Hansestadt vorgibt.

Hamburg: Tim Mälzer nach Corona-Lockdown – Kitchen Impossible-Star (Vox) melancholisch auf Instagram

Die Gute Botschaft“ wirkt dadurch zwar nicht leer, im Gegenteil. Die Atmosphäre ist sehr angenehm. Wer dort isst, könnte aber bemerken, dass der Laden für mehr Gäste ausgelegt ist. Statt etwa sechzig Gästen hat jetzt nur noch die Hälfte Platz. Ein neues Sitzkonzept, neue Karte, neuer Stil. All das hat Tim Mälzer viel Geld gekostet. Auf etwa 20.000 Euro schätzte er die Kosten gegenüber 24hamburg.de. Auch, wenn nicht jedem Gast die Änderungen gefallen.

Geld, das jetzt wieder reingeholt werden muss. Mit weniger Gästen. Und das ist ein harter Job. Gerade in einer Branche, die sowieso berühmt und berüchtigt für die Arbeitsbelastung ist. Deswegen schaltet er Zuhause vielleicht auch einen kulinarischen Gang runter. Doch Tim Mälzer ist keiner, der die Arbeit scheut. Er ist stets mit Herzblut dabei. Nicht nur für sich. Während der Coronavirus-Krise kommen ihm bei Markus Lanz die Tränen, als es um die Zukunft der Arbeitnehmer in der Branche geht.

Tim Mälzer: Kampf gegen Corona-Pleite nach Lockdown - sensible Seite auf Instagram, Fans machen Mut

Trotzdem findet er noch die Kraft in dieser schweren Zeit sein Restaurant „Bullerei“ im Hamburger Schanzenviertel zu renovieren. Quasi nebenbei gibt Tim Mälzer das Sprachrohr für die deutsche Gastronomie, hebt eine Protestaktion aus der Taufe und sendet eine starke Botschaft an die Politik. Auch hier geht es ihm in erster Linie um die Arbeitsplätze, die dahinter stecken.

Jetzt ist Tim Mälzer wieder zurück in der Küche. Weniger Gäste bedeutet aber nicht weniger Arbeit. Aber der Kitchen Impossible-Star (Vox)* ist motiviert. Das Foto zeigt einen scheinbar melancholischen Tim Mälzer in der Küche von „Die Gute Botschaft“. Die Unterschrift: „Wenn unser Chef zwei Tage warten muss, bis wir wieder aufmachen.“ Es scheint ihm also in den untätigen Fingern zu jucken.

Doch der Hamburger sollte vorsichtig sein. Schon im Jahr 2006 rutschte er in einen Burnout. „Ich hab mich auf den Boden gelegt und habe geweint wie ein Fötus. Der ganze Druck ist mir zu viel geworden. Ich habe komplett meine Balance verloren. Ich hatte keine Basis mehr“, zitierte ihn der „Focus“. Er musste seinen eigenen Weg finden, damit umzugehen. Einfach nur reduzieren würde nicht funktioniert, erklärter der „Zeit“. Bewege er sich nicht an der Belastungsgrenze, würde er unglücklich, fast depressiv werden. Er könne jetzt aber besser einschätzen, wann er Pausen brauche. Die würde er sich in einem Wellnesshotel oder bei einem Restaurantbesuch holen. „Und manchmal reichen auch vier Kugeln Zimteis und dann ab aufs Sofa vor den Fernseher“, schließt Tim Mälzer das Thema ab.

Kitchen Impossible-Star (Vox) in Hamburg: Fans machen Tim Mälzer Mut – Kampf gegen Corona-Pleite

Seine Fans fühlen mit ihm und haben Verständnis für seine Situation. „Durchhalten Tim, es wird schon“, schreibt einer. „Es kostet so viel Kraft! Erst von hundert auf null und dazu diese Ungewissheit. Man macht auf ja, aber die Mehrheit der Menschen ist noch immer verunsichert und ängstlich“, fühlt eine Userin mit Tim Mälzer. Auch viel Mut wird Tim Mälzer zugesprochen. „Kopf hoch Tim. Immer so weiter. Es werden bessere Zeiten kommen.“ Oder: „Haltet durch. Ihr schafft das.“

Seine zwei freien Tage hat der bekennende HSV-Fan vielleicht auch mit etwas Fußball verbracht. Sein Hamburger SV kämpfte am Sonntag, 28. Juni 2020, um die Relegation, ging aber mit 1:5 gegen den SV Sandhausen unter. Der Laune von Tim Mälzer dürfte das nicht zuträglich gewesen sein. Aber jetzt kann wirklich die ganze Konzentration der Küche gelten. *nordbuzz.de und tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Carmen Jaspersen/Markus Scholz/dpa/picture alliance

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