Hamburger irritiert von Watzke-Aussagen

Coronavirus und Fußball im ZDF: Markus Lanz attackiert BVB-Boss Hans-Joachim Watzke

Der Hamburger Fernsehmoderator Markus Lanz spricht während einer Pressekonferenz der Deutschen Knochenmarkspenderdatei in Berlin.
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Moderator Markus Lanz spricht während einer PK der Deutschen Knochenmarkspenderdatei.
  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Der Coronavirus schränkt das gesellschaftliche Leben stark ein. Freizeitaktivitäten können kaum angeboten werden, ein kleiner Einkaufsbummel in der Innenstadt gleicht einer Tortur. Auch des Deutschen liebstes Kind, die Bundesliga, ruht seit Mitte März. Seit nunmehr über sechs Wochen fragen sich die Fußball-Fans, wann die Liga ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen kann. Die gestrige Markus Lanz-Ausgabe hat gezeigt: vielleicht nicht so schnell, wie vielerorts gehofft.

  • Markus Lanz: DFL-Konzept führt zu Diskussionen.
  • Hamburger Lanz mit Unverständnis gegenüber BVB-Boss Watze.
  • Sonderstellung für Fußball: Geld vor Gesundheit?

Hamburg – Auch Markus Lanz kommt in seiner gleichnamigen Talkshow nicht um das Thema Coronavirus-Sars-Cov-2 herum. Der in Hamburg lebende ZDF-Fernsehmoderator diskutiert mit seinen Gästen über Sinnhaftigkeit der getroffenen Maßnahmen, ordnet Einschätzungen von Medizinern ein – und lässt auch die Fußball-Bundesliga nicht zu kurz kommen. In der Sendung vom Dienstag, den 28. April 2020, war unter anderem Borussia Dortmund-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke als Gast geladen. Und wurde von Lanz in die Ecke getrieben.

Coronavirus-Konzept der DFL irritiert ZDF-TV-Moderator

Jetzt, da bis zu 800 Quadratmeter große Geschäfte wieder öffnen dürfen und Abschlussklassen wieder am Schulunterricht teilnehmen können, möchte auch die Bundesliga nicht zurückstecken. Ein von der Deutschen Fußball Liga (DFL) erarbeitetes Konzept für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs während der Coronavirus-Pandemie wirft jedoch allerhand Fragen auf.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, warum Fußballprofis bis zu zweimal pro Woche auf eine Coronavirus-Infektion getestet werden sollen, wenn dies weder dem Krankenpersonal noch Lehrkräften möglich ist. Und wie kann gegenüber Amateur- und Jugendmannschaften argumentiert werden, dass sie nicht spielen dürfen, dafür aber die Leistungssportler aus der Bundesliga?

Markus Lanz: BVB-Boss Watze argumentiert mit „Millionengeschäft" Bundesliga

Zumindest die letzte Frage weiß Hans-Joachim-Watzke bei „Markus Lanz“ mit einer klaren Aussage zu beantworten. „Der große Unterschied ist, dass es für die einen ein Beruf ist“. Damit verweist der BVB-Geschäftsführer eindeutig auf die wirtschaftlich immens bedeutende Komponente der Fußball-Bundesliga, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft als bloßes „Millionengeschäft“ abgetan wird.

„Ähnlich wie VW jetzt wieder den Betrieb aufnimmt, muss auch die Bundesliga wieder losgehen“, fordert Watzke. Doch nicht nur mit dieser Aussage kann der 60-Jährige nur wenig Sympathiepunkte für die zeitnahe Wiederaufnahme des Spielbetriebs sammeln. Sowohl Lanz als auch die weiteren Gäste wollen sich nicht so recht von Watzkes Ausführungen begeistern lassen.

Watzke mit Negativ-Auftritt bei Lanz

Neben dem BVB-Geschäftsführer begrüßt Hamburger Lanz Prof. Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrats, den Systembiologen Prof. Michael Meyer-Hermann und den CDU-Bundestagsabgeordneten Ralph Brinkhaus in der Runde. Doch wohl kaum einer der Gäste fällt so negativ auf wie Watzke. Denn während einer der Experten spricht, präsentiert sich der BVB-Chef stets in halb gelangweilter, halb abgehobener Haltung im Hamburger Studio sitzend.

Die noch ausstehenden neun Spieltage der Ersten Fußball-Bundesliga würden den 18 Erstligavereinen laut Watzke rund 750 Millionen Euro kosten. Gelder, die normalerweise durch Fernsehübertragungen und Sponsoring eingenommen werden. Allein durch den Ticketverkauf kämen rund drei Millionen Euro zusammen. Doch bestehe auch die Bereitschaft, „aus wirtschaftlichen Abwägungen auf Spiele mit Publikum zu verzichten“, sagt Watzke.

Bevor also Fernsehgelder nicht ausgezahlt werden, präferieren die Erstligavereine dazu, Geisterspiele auszutragen. Damit diese speziellen Spiele stattfinden können, muss eine Vielzahl an Maßnahmen getroffen werden. „Wir sind seit Wochen mit den politisch Verantwortlichen im Gespräch. Unser Sicherheitskonzept wird ständig angepasst und verfeinert“, beteuert Watzke gegenüber Lanz.

Entsetzen bei Markus Lanz: Watzke-Aussagen lassen Hamburger fassungslos zurück

Dieses „Coronavirus-Konzept“ enthalte neben dem Vorschlag, Bundesligakader „dauerzutesten“ und in Hotels abgeschottet wohnen zu lassen, „hunderte Kleinstregelungen“, auf die Watzke jedoch nicht genauer Bezug nimmt. Sollte sich ein Bundesligaspieler mit dem Coronavirus infizieren, gibt es anscheinend jedoch noch keinen klaren Umgang mit dieser Situation.

„Dann müssen wir uns klipp und klar mit den Experten besprechen. Wir können dann ja genau nachverfolgen, mit wem derjenige Kontakt hatte“, erläutert der BVB-Geschäftsführer. Doch das ist Markus Lanz zu unpräszise. Der 51-jährige Hamburger hakt nach: „Und die anderen Spieler und gegnerische Mannschaften gehen dann auch in Quarantäne?“, fragt Lanz Watzke.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in der Talkshow von Markus Lanz. (Screenshot)

Daraufhin antwortet der BVB-Chef: „Das ist genau die Frage, die jetzt zu klären ist“. Eine für Lanz zu substanzlose Aussage. Der Hamburger Fernsehmoderator kann kaum glauben, dass man sich bei dem 40 Seiten umfassenden Konzept der DFL, das der Bundesregierung vorlegt wurde, keine Gedanken über die Folgen eines Infektionsfalls gemacht hat. Watzke entgegnet nur lapidar, dass über diese Situation noch zu diskutieren sei.

Experten contra BVB-Boss: „Unvernünftiges“ Verhalten von Fußball-Bundesliga

„Meine persönliche Meinung ist auch, dass man irgendwann von diesem 14-Tage-Quarantäne-Prinzip abgehen muss“, gibt Watzke zum Besten. Dieses Mal ist es Michael Meyer-Hermann, der sich entgeistert zeigt. Der für das Helmholtz-Institut tätige Meyer-Hermann, derzeit mit der Modellierung der Risikoeinschätzungen zum Verlauf der Coronavirus-Epidemie beauftragt, sagt nur: „Das wäre einfach unvernünftig“.

Auch Medizinethikerin Christiane Woopen gibt sich eher skeptisch, ob die Wiederaufnahme des Spielbetriebs eine gute Idee sei. Laut dem Mitglied des Coronavirus-Expertenrats von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet würde durch das vorgelegte Sicherheitskonzept zwar das Infektionsrisiko für die Spieler erheblich gesenkt werden. Die gesellschaftlichen Auswirkungen seien allerdings fraglich.

„Viele Menschen haben an Bundesligaspielen Freude. Das ist aber so, weil sie dann zusammenkommen, sich austauschen, die Spannung teilen, gemeinsam feiern. Dieses Gemeinschaft fällt nun aus“, gibt Woopen bei „Markus Lanz“ zu bedenken. Darüber hinaus müsse die Frage gestellt werden, ob das Erlauben von Bundesligaspielen zu rechtfertigen sei, wenn in anderen Bereichen, in denen die Abstandregeln einhaltbar wären, immer noch keine Lockerungen der Sicherheitsmaßnahmen erfolgt sind.

Sonderstellung Fußball: Watzke mimt bei „Markus Lanz“ das Unschuldslamm

Aussagen, die Woopen vor dem Hintergrund tätigt, dass in den vergangenen Wochen intensiv über eine angebliche „Sonderstellung“ des Fußballs diskutiert wurde. „In der Bevölkerung darf nicht der Eindruck entstehen, dass die Kriterien danach gesetzt werden, wer besonders mächtige Lobbyverbände hat“, betont die Medizinethikerin. Die Reaktion Watzkes? Ein leicht angesäuerter Blick.

Zwar betont der BVB-Boss im Laufe der gestrigen „Markus Lanz“-Ausgabe, dass die Fußball-Bundesliga „keine Sonderstellung“ wolle - doch bei grünem Licht für das DFL-Sicherheitskonzept hätten die 18 Bundesligavereine genau diese inne. Die Entscheidung, ob in der ersten Liga wieder der Ball rollen darf und die nunmehr 57. Spielzeit der Bundesliga zuende gebracht werden kann, wird sich vorraussichtlich in den nächsten Tagen entscheiden.

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