Podcast „Gute Deutsche“

ARD-Sprecherin Linda Zervakis und „Die Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo über alte Nazis

  • Enno Eidens
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Im Podcast „Gute Deutsche“ packt „Die Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo aus: so rassistisch waren die Nazi-Lehrer an seiner Schule. Er ist zu Gast im neuen Podcast von ARD-Sprecherin Linda Zervakis.

Hamburg – Der neue Spotify-Podcast „Gute Deutsche“ von ARD-Sprecherin Linda Zervakis startet am Montag, 15. Juni. Mit zwei Folgen geht es los. Zervakis spricht mit der Moderatorin Salwa Houmsi und dem „Die Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo über Migration, Rassismus und die deutsche Gesellschaft.

Linda ZervakisFernsehmoderatorin
Geboren1975 (Alter 45 Jahre), Hamburg
Größe1,69 m
Ausbildung: Friedrich-Ebert-Gymnasium
FernsehsendungenTagesschau
ElternChristos Zervakis, Chrissoula Zervakis

„Die Zeit”-Chefredakteur di Lorenzo im Podcast von ARD-Sprecherin Linda Zervakis

Linda Zervakis (45) ist gebürtige Hamburgerin. Ihre Eltern kommen aus Griechenland, das Thema Migrationshintergrund begleitet die ARD-Sprecherin also persönlich. In ihrem neuen Podcast „Gute Deutsche“ möchte sie genau darüber sprechen. Nun sind die ersten beiden Folgen am Montag, 15. Juni erschienen. Darin spricht Zervakis mit der Moderatorin Salwa Houmsi und mit dem „Die Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo.

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Es geht loooooos. Die ersten beiden Folgen „Gute Deutsche“ sind online auf Spotify. Und meine Gäste sind zum einen Salwa Houmsi und Giovanni di Lorenzo. Salwa möchte ich besonders danken, denn sie war so mutig und hat sich für die aller allererste Folge zur Verfügung gestellt; so hatte ich die Möglichkeit zu schauen, ob dieser Podcast überhaupt funktioniert. Und was soll ich euch sagen? Mehr als das. Salwa redet nicht lange um den heißen Brei herum und sagt direkt, was sie nervt. Immer diese Frage „Woher kommst Du? Nee, wirklich?“. Mit ihrer direkten, authentischen, selbstbewussten und sympathischen Art macht sie auf Missstände aufmerksam, die selbst mir vorher gar nicht so bewusst waren. Und bei Giovanni di Lorenzo denken die meisten jetzt wahrscheinlich, was will der denn in dem Podcast? Der ist doch privilegiert als ZEIT-Chefredakteur. Umgeben von Intellektuellen, die von oben auf die Probleme da unten schauen. Ganz so einfach ist seine Geschichte nicht. Giovanni di Lorenzo kam Ende der 60er Jahre nach Deutschland, sprach deutsch, weil seine Mutter Deutsche ist, hatte aber aufgrund seines Namens immer wieder mit rassistischen Anfeindungen zu tun, die oftmals von seinen Lehrern ausgingen. Außerdem erzählt er von seinem ersten wichtigen Aufmacher-Artikel, der veröffentlicht wurde. Das Absurde daran: di Lorenzos Name wurde so nicht abgedruckt, weil man in der Redaktion dachte, es sei sein Künstlername. Warum er trotzdem nicht daran verzweifelt ist, erzählt er in „Gute Deutsche“ Danke euch beiden, dass ihr meine Gäste wart.🙏🏻🙏🏻 @zeit #gutedeutsche #migration #zwischenzweistühlen #diversity #vielfalt

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Auf ihrem Instagram-Profil spricht Zervakis in höchsten Tönen von Houmsi, deren Vater aus Syrien kommt: „Mit ihrer direkten, authentischen, selbstbewussten und sympathischen Art macht sie auf Missstände aufmerksam, die selbst mir vorher gar nicht so bewusst waren.“ Houmsi nervt es, dass es immer um den syrischen Bürgerkrieg gehen muss, sobald sie von ihrem Vater erzählt. Die beiden Journalistinnen suchen verraten deshalb „ausgeklügelte Smalltalk-Taktik-Tipps“ für genau solche Situationen.

„Alt-Nazis“ an der Schule – Giovanni di Lorenzo („Die Zeit“) über rassistische Lehrer

Eine ganz andere Geschichte kann der „Die Zeit“-Chefredakteur di Lorenzo erzählen. Er berichtet von heftig rassistischen Lehrern aus seiner Schulzeit in Hannover. Damals, so erzählt di Lorenzo, hätte es an den Schulen noch einen ganz bestimmten Typus von Lehrer gegeben: Alt-Nazis. Auch war die ganze Stimmung in Hannover noch eine andere als heute. Wegen ihres italienischen Namens wurde die Familie von Giovanni di Lorenzo dort als Fremde angesehen, so hatte sie sich dann auch gefühlt.

Zusammen mit seinem Bruder war Giovanni di Lorenzo der einzige Ausländer an der Schule. Was er deshalb von einigen Lehrern erlebt hat, ist schockierend. „Feindseelig und bösartig“, sollen sie gewesen sein. Ein besonders krasses Beispiel war sein Oberstudienrat.

Als Giovanni di Lorenzo zum Schülersprecher gewählt wurde, soll dieser gesagt haben: „Di Lorenzo, diesen It**er, sollte man aufhängen!“ Über diesen rassistischen Vorfall schrieb di Lorenzo (Die Zeit) bereits in dem Buch „Wofür stehst du?“, dass er gemeinsam mit dem Journalisten Axel Hacke veröffentlichte.

Moderatorin Linda Zervakis und Journalist Giovanni di Lorenzo im Curio-Haus in Hamburg zur Verleihung des Nannen Preises 2016.

Einen anderen Vorfall erlebte Giovanni di Lorenzo bei der Abendzeitung München (AZ). Nach viel Mühen konnte er dort ein Interview mit dem italienischen Regisseur Franco Zeffirelli veröffentlichen. Doch als di Lorenzo am nächsten Morgen in die Autorenzeile guckte, konnte er seinen Augen kaum glauben: „Hans Lorenz“ stand dort. Der diensthabende Redakteur hielt Giovanni di Lorenzo für einen Künstlernamen und dachte sich flugs einen „glaubwürdigeren“ aus. Linda Zervakis findet das „gar nicht lustig“ und nennt den Vorfall einen „Schlag auf den Hinterkopf“ – der „Die Zeit-Chefredakteur“ kann inzwischen drüber lachen.

Linda Zervakis (ARD): Diese Gäste kommen in den Podcast „Gute Deutsche“

Der Podcast von Linda Zervakis kommt immer montags raus und wird ausschließlich beim Streaming-Dienst Spotify veröffentlicht. Für „Gute Deutsche“ sind nach dem „Die Zeit“-Chefredakteur schon weitere Gäste angekündigt. So wird Zervakis Besuch vom Stylisten Jorge Gonzáles sowie vom Sänger Mark Forster bekommen. Ihre aktuellen Folgen vom 15. Juni wurden vor dem brutalen Mord an George Floyd aufgenommen. Darauf weist sie zu Beginn der Folgen hin.

Linda Zervakis arbeitete bereits als Reporterin für den Norddeutschen Rundfunk (NDR)* und ist seit dem Jahr 2006 in der Redaktion von ARD-Aktuell. Sie ist die erste Tagesschau-Sprecherin mit Migrationshintergrund.

Patrick „Coach“ Esume* vom Hamburger SV* macht auch einen Podcast, schon deutlich länger als Linda Zervakis. Bei ihm geht's allerdings nicht um Rassismus, sondern um American Football*. Doch auch der Coach setzt sich öffentlich mit Rassismus auseinander. So zum Beispiel, als er auf Instagram über das rassistische Schulmaterial seiner Tochter* sprach.

(Anmerkung der 24hamburg.de-Redaktion: Die 24hamburg.de-Redaktion distanziert sich von jeglichem Gebrauch eines Hatespeech-Slurs und schreibt diesen nicht aus.)

Quelle: 24hamburg.de/stars

* 24hamburg.de und tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Lukas Schulze/dpa/picture alliance

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