Übertriebenes Urteil?

187-Star Gzuz verurteilt – Experte ätzt gegen Richter Johann Krieten – „einfach peinlich“

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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  • Yannick Hanke
    Yannick Hanke
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Gzuz kassiert 18 Monate Gefängnis und eine Geldstrafe von 510.000 Euro. Ist das Urteil gerecht oder hat der 187-Star einfach nur einen schlechten Anwalt?

Update vom Montag, 12. Oktober 2020, 13:20 Uhr: HamburgAmtsrichter Johann Krieten gerät ins Kreuzfeuer der Kritik. Der Richter, der Deutschrapper Gzuz in Hamburg verurteilt hat, sei „einfach peinlich“ und würde seine eigene „Institution in den Dreck ziehen“. Das schreibt zumindest Thomas Fischer, selbst einst Vorsitzender Richter am 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs, in einer Kolumne im Spiegel.

Rapper:Gzuz
Geboren:29. Juni 1988 (Alter 32 Jahre), Hamburg
Vollständiger Name:Kristoffer Jonas Klauß
Plattenfirmen:Auf!Keinen!Fall!, 187 Strassenbande, High & Hungrig Ent., Azzlackz
Musikgruppe:187 Strassenbande (Seit 2006)

Gzuz Richter Johann Krieten am Pranger: Geldstrafe an der Grenze zur Rechtsbeugung

Thomas Fischer, der ehemalige Richter am Bundesgerichtshof und Experte in Rechtsfragen, vergleicht Amtsrichter Johann Krieten ganz offen mit Ronald Schill. Auch der ehemalige zweite Bürgermeister Hamburgs wurde mit einer harten Gangart im Gerichtssaal populär*. Dafür bewertet Experte Thomas Fischer eine Verhandlung aus dem Jahr 2017.

Der Hamburger Amtsrichter Johann Krieten steht wegen seines Urteils gegen Deutschrapper Gzuz in der Kritik. (24hamburg.de-Montage)

Johann Krieten soll einen 14-jährigen Straftäter, der sich in der Verhandlung „quer“ gestellt habe, für ein paar Minuten in die Untersuchungshaftanstalt gesperrt haben. Mit den Worten: „So, ich zeige Dir jetzt, wo Du demnächst landen wirst.“ Nach Auslegung von Experte Thomas Fischer könne es sich dabei um Freiheitsberaubung, Nötigung und Bedrohung handeln. Bei einem fast identischen Fall am Bundesgerichtshof sei der Richter wegen des „Verbrechens der Rechtsbeugung“ verurteilt worden.

Verhalten von Amtrichter Johann Krieten gegenüber Gzuz „einfach peinlich“

Die Geldbuße gegen Gzuz verortet Experte Thomas Fischer in einem „märchenhaften Bereich“. 510.000 Euro seien zu hoch gegriffen und stünden kaum im Verhältnis zu den vermeintlich begangenen Straftaten. Vor allem stößt sich der Experte aber an folgendem Zitat von Hamburgs Amtsrichter Johann Krieten: „Wenn Ihr Verteidiger besser vorbereitet wäre, dann wäre Ihre Geldstrafe um 210.000 Euro niedriger.“ Für Thomas Fischer sei dies hart an der Grenze zur Rechtsbeugung. Und das sei „einfach nur peinlich“. Alles andere als peinlich ist Gzuz‘ Geschenk für seine Tochter – das Kind des Musikers bekommt ein Pferd*.

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Wüsste ein Richter, dass die Angaben des Verteidigers zum Einkommen von Gzuz falsch oder unzureichend seien, sei der Richter zur Aufklärung verpflichtet. Hamburgs Amtsrichter Johann Krieten sei jedoch nicht berechtigt, wider besseren Wissen eine überhöhte Geldstrafe anzusetzen. Außerdem würde Krieten seine eigene „Institution in den Dreck ziehen“, wenn er Anwälte und deren Mandaten in der Öffentlichkeit verhöhne.

Gzuz (187 Strassenbande) vor Gericht: Die Große Prozess-Show in Bildern

Gzuz und sein Anwalt Christopher Posch (im Hintergrund) gehen zum Prozess in den provisorischen Gerichtssaal.
Gzuz macht ein Selfie von sich selber – er wird dabei von einer TV-Kamera gefilmt.
Der Deutschrapper Gzuz sitzt am 23. Juni 2020 in einem provisorischen Gerichtssaal im Hamburger Strafjustizgebäude und macht Faxen für die Kamera.
Gangsterrapper Gzuz mit seinem Anwalt Christopher Posch auf dem Weg zum Gerichtssaal im Strafjustiz-Gebäude in Hamburg.
Gzuz (187 Strassenbande) vor Gericht: Die Große Prozess-Show in Bildern

Gzuz vor Gericht: Richter über TV-Anwalt Christopher Posch (RTL): „ahnungslos“ und „unvorbereitet“

Erstmeldung vom Donnerstag, 01. Oktober 2020, 14:37 Uhr: Hamburg – Seit Dienstag, 29. September 2020, steht das Urteil im Gerichtsprozess gegen Deutschrapper Gzuz fest. Das 187 Strassenbande*-Mitglied muss für 18 Monate ins Gefängnis und eine Geldstrafe in Höhe von 510.000 Euro zahlen*. Sein Anwalt, RTL-Star Christopher Posch, will gegen diese Entscheidung vorgehen – und wird von Amtsrichter Johann Krieten gnadenlos zerlegt.

Gzuz: Deutschrapper muss in den Knast – Anwalt Christopher Posch (RTL) von Richter gedemütigt

Wie von 24hamburg.de-DeutschRap berichtet, musste sich Deutschrapper Gzuz seit Juni 2020 vor dem Amtsgericht Hamburg am Sievekingsplatz 1 verantworten*. Das 187 Strassenbande-Mitglied sah sich unter anderem mit dem Vorwurf des unerlaubten Waffenbesitzes* sowie des versuchten Diebstahls einer Sauerstoffflasche* konfrontiert. Letztendlich wogen die Strafdelikte zu schwer, statt Halligalli auf der Reeperbahn* heißt es für Gzuz demnächst: Kippen rauchen im Knast.

Treffen sich drei Männer: Deutschrapper Gzuz ist von Amtsrichter Johann Krieten zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Star-Anwalt Christopher Posch (RTL) will gegen dieses Urteil vorgehen. (24hamburg.de-Montage)

Damit dieses Szenario nicht eintritt, hatte Gzuz die Dienste von Star-Anwalt Christopher Posch* in Anspruch genommen. Der 44-Jährige ist durch verschiedene TV-Formate auf RTL und Sat.1 bekannt geworden. Dies war auch Amtsrichter Johann Krieten zu Ohren gekommen, der sich in fast schon hämischer Manier zu der TV-Vergangenheit des Juristen äußerte – und ihm den Gnadenstoß versetzte.

Gzuz‘ Verteidiger von Richter bloßgestellt – „sind durch das Verfahren geirrlichtert“

Begriffe wie „ahnungslos“ und „unvorbereitet“ hallten am Dienstag, 29. September 2020, durch die Räumlichkeiten des Amtsgerichts Hamburg am Sievekingplatz 1. Ausgesprochen hatte sie Amtsrichter Johann Krieten, der den Gerichtsprozess gegen Deutschrapper Gzuz leitete. Die Worte von Krieten richteten sich an bzw. gegen Christopher Posch, der sich noch weitaus Schlimmeres anhören musste.

„Sie sind durch das Verfahren geirrlichtert“, wandte sich der Richter in seiner Urteilsbegründung direkt an den Verteidiger von Gzuz. Dieser habe blind agiert wie beim Schiffe versenken. Um im Bild zu bleiben, hieß es von Johann Krieten zudem: „Aber der einzige, den Sie versenkt haben, ist ihr Mandant“. Harter Tobak, auf den noch einige Schimpftiraden folgen sollten.

Gzuz: Anwalt Christopher Posch (RTL) „stolpert“ durch Gerichtsverfahren gegen Deutschrapper

Anwalt Christopher Posch sei ohne jegliche Aktenkenntnis durch das Verfahren „gestolpert“. Richter Johann Krieten: „Sie haben Beweisanträge gestellt, ohne sich mit der Strafprozessordnung auseinanderzusetzen“. Als wäre das noch nicht genug, habe Gzuz‘ VerteidigerZeugen bewusst in eine Falschaussage laufen lassen“.

Damit spielte der Richter im Gerichtsprozess gegen den Deutschrapper auf mehrere Entlastungszeugen an, die im Verfahren unvermittelt aufgetaucht waren. Die Krönung hob sich Johann Krieten für den Schluss auf: „Bei Ihrem Plädoyer habe ich gedacht, ich sitze in einer TV-Aufzeichnung und der Regisseur ist mit der Aufnahme nicht zufrieden, weil sie immer wieder dasselbe gesagt haben“.

Gzuz: Deutschrapper erhält hämischen Rat von Richter – „brauchen gut vorbereiteten Anwalt“

Eine mehr als offensichtliche Referenz an RTL-Formate wie „Das Jugendgericht“ oder „Staatsanwalt Posch ermittelt“, durch die der Anwalt vom 187 Strassenbande-Mitglied in den Fokus der Öffentlichkeit rückte. Christopher Posch soll am Dienstag, 29. September 2020, mit versteinerter Miene neben Gzuz gegessen haben.

Dem Deutschrapper gab Richter Johann Krieten einen Rat mit auf den Weg: „Für die nächste Instanz brauchen Sie einen Anwalt, der gut vorbereitet in die Verhandlung geht“. Ein weiterer Tiefschlag für Christopher Posch, der im Verlauf des Gerichtsprozesses gegen Gzuz immer wieder die Häme von Krieten zu spüren bekam („Wir verhandeln hier nach der Strafprozessordnung und nicht nach einem Drehbuch“).

Gzuz: Deutschrapper und Star-Anwalt Christopher Posch (RTL) scheitern vor Amtsgericht Hamburg

Hinzu kommt, dass Posch Gzuz durchgehen ließ, das Aufgebot an Journalisten im Amtsgericht Hamburg am Sievekingplatz 1 für seinen Instagram-Kanal zu filmen. Ein Sperenzchen, das bei Johann Krieten übel aufstieß. Zum Hintergrund: Besucher und Angeklagte müssen ihr Handy beim Betreten des Gerichtes abgeben.

Noch vor Beginn des Gerichtsprozesses im Juni 2020 stand fest: Das Verhältnis zwischen Anwalt Christopher Posch und Richter Johann Krieten ist zum Zerreißen gespannt. Eine Feststellung, die aus dem Umstand resultierte, dass Gzuz‘ Verteidiger vier Befangenheitsanträge sowie eine Strafanzeige gegen den Richter gestellt hatte. Das Ende vom Lied: Christopher Poschs Ansehen hat gelitten und Gzuz darf es sich im Knast gemütlich machen. * 24hamburg.de und hna.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Daniel Reinhardt/dpa & Daniel Reinhard/dpa & Daniel Reinhardt/dpa & Zacharie Scheurer/dpa-tmn

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