Angeklagter abwesend

Fler-Prozess: Verurteilt – muss Deutschrapper in den Knast?

  • Jan Knötzsch
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Knast? Kohle blechen? Ein Berliner Gericht hat das Urteil im Prozess gegen Deutschrapper Fler eingetütet. Auf den Berliner wartet eine knallharte Strafe.

Berlin – Prozesse sind cool. Zumindest offenbar dann, wenn man als Rapper unterwegs ist, einen gewissen Ruf hat und dieses Image bedienen muss. Beispiele dafür gibt es genug. So wurde unlängst wegen Beleidigung von Polizeibeamten Kontra K mit einer Hammer-Geldstrafe belegt. Gegen 187-Rapper Gzuz verhängte ein Richter in Hamburg eine Haftstrafe. Schwester Ewa kennt den Knast tatsächlich von innen. Der nächste, der nun dran glauben muss, ist Fler. Der 38-Jährige kassiert eine krasse Knallhart-Strafe.

Rapper:Fler
Geboren:3. April 1982 (Alter: 38 Jahre) in Berlin
Größe:1,85 Meter
Bürgerlicher Name:Patrick Losensky
Musiklabels:Maskulin, Aggro Berlin, Ersguterjunge

Staatsanwaltschaft: Fler nicht bereit, sich an Regeln zu halten

Zu diesem Urteil ist das Amtsgericht Berlin-Tiergarten gekommen, das gegen den Rapper wegen mehrerer verschiedener Delikte verhandelte. Versuchte Nötigung, mehrfache Beleidigung, Beihilfe zu verbotenen Mitteilungen aus Gerichtsverfahren und Fahren ohne Führerschein – die Liste der Vergehen, für die das Gericht den Rapper, der den bürgerlichen Namen Patrick Losensky trägt, ist lang. Dass die Strafe für den Rapper mit der kurzen Zündschnur, der gerne mal austickt, hoch ausfallen würde, war klar.

Rapper Fler hat sein Urteil vom Amtsgericht Berlin-Tiergarten erhalten. (24hamburg.de-Montage)

Die große Frage lautete: Knast oder Kohle abdrücken? Die Staatsanwaltschaft hatte ein Jahr und zehn Monate Gefängnis für den 38-Jährigen, der auch schon 187-Rapper Bonez MC drohte, gefordert. Aus ihrer Sicht gebe es beim Rapper keinen Ansatz zu erkennen, dass man eine positive Prognose fällen könne. Ganz im Gegenteil: Fler, der auch schon mal Diss-Tracks kassiert, sei schlicht und einfach nicht bereit, sich an Regeln zu halten, lautete die Argumentation der Staatsanwaltschaft.

Fler-Prozess: Rapper glänzt bei Urteilsverkündung mit Abwesenheit

Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten hat nun entschieden: Der Musiker, bei dem Gerüchten zufolge auch die Liebe nicht zu kurz kommt, wird nicht hinter schwedische Gardinen wandern. Die Richter verurteilten Fler zum einen zu einer Geldbuße in Höhe von 10.000 Euro und zum anderen zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt wird. Das Urteil wurde in Abwesenheit von Fler, der für seine Feindschaft zu Spiegel TV bekannt ist, gefällt und verkündet.

Dies ist die Folge eines weiteren Ausrasters, den sich der Musiker, der in der Vergangenheit auch schon mal einen Kameramann krankenhausreif schlug, bereits in der ersten Prozesswoche im Januar 2021 geleistet hatte. Am dritten Tag des Prozesses brachte ein Journalist den Rapper derart auf die Palme, das dieser fluchtartig den Gerichtssaal verließ.

Fler: Zehn Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung – und 10.000 Euro Geldstrafe

Der Tagesspiegel-Reporter Sebastian Leber berichtete an jenem Tag über den Zoff zwischen Fler und Bushido, der derzeit als Zeuge im Prozess gegen Arafat Abou-Chaker aussagt und deswegen vorerst weiterhin sein neues Album nicht veröffentlichen will. Auf Twitter drohte „Flizzy“, wie Fler auch gern genannt wird, dem Journalisten einen „Hausbesuch“ und Schläge an. Fler stand dann aber vorm falschen Haus.

Von den Drohungen berichtete Sebastian Leber beim Prozess, woraufhin Fler alle Sicherungen durchbrannten. Wenn es zu einem Treffen gekommen wäre, hätte er den Journalisten nicht geschlagen, so der 38-Jährige. Das sei „Blödsinn“, so Fler. Er sei – wie in der Musik – auch auf Twitter ein böser Rapper, die Kunstfigur Fler. Im weiteren Verlauf echauffierte sich der 38-jährige Musiker so sehr über die Staatsanwältin, dass er den Gerichtssaal verließ und auch von seinem Anwalt nicht mehr zurückgeholt werden konnte. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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