Flizzy im Bunkertalk

Deutschrapper Fler: „Xavier Naidoo und Attila Hildmann sind Systemopfer“ – „Bushido ist Psychopath“

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Deutschrapper Fler polarisiert mal wieder durch eines seiner Interviews. Im „Bunkertalk“ mit Marcus Staiger äußert sich der 38-Jährige zu Erzfeind Bushido sowie den Verschwörungstheoretikern Attila Hildmann und Xavier Naidoo.

  • Deutschrapper* Fler schießt gegen Bushido.
  • Flizzy“ verbreitet krude Ansichten im „Bunkertalk“.
  • Provoziert der Berliner bewusst für mehr Klicks?

Berlin Deutschrapper Fler hat im Laufe seiner rund zwanzigjährigen Laufbahn schon so manch ein Interview gegeben, das hohe Wellen schlug. Denn selten ist der 38-Jährige mit der Ansicht seines Gegenübers konform. So auch im sogenannten „Bunkertalk“, einem Interview-Format auf YouTube, das von Marcus Staiger, einem Wegbereiter des Berliner Raps, moderiert wird. In diesem zeigt sich der Künstler in bester Redelaune und spricht über Ex-Kumpel Bushido sowie die stark polarisierenden Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann und Xavier Naidoo.

Rapper:Fler
Geboren:3. April 1982 (Alter 38 Jahre), Berlin
Größe:1,85 m
Vollständiger Name:Patrick Losenský
Plattenfirmen:Maskulin, Aggro Berlin, Ersguterjunge

Fler: Deutschrapper zu Gast im „Bunkertalk“ von Ex-Labelbetreiber Marcus Staiger – Flizzy nennt Bushido einen „Psychopathen“

Den Deutschrapper Fler und den ehemaligen Labelbetreiber Marcus Staiger verbindet eine lang zurückreichende Historie. Staiger ist in hiesigen Rap-Kreisen vor allem durch das Independent-LabelRoyal Bunker“ bekannt geworden, das heute längst etablierte Künstler wie Eko Fresh, Kool Savas oder Sido eine Plattform bot, ihre Musik zu veröffentlichen. Nach der Schließung sagte sich Staiger jedoch nicht gänzlich von der Hip-Hop-Szene los, sondern etablierte sich zunehmend als ziemlich kritischer Journalist und Chefredakteur des Online-Nachrichtenportalsrap.de“.

Deutschrapper Fler ist ein Licht aufgegangen: Der 38-Jährige äußert sich im „Bunkertalk“ von Marcus Staiger über Verschwörungstheoretiker wie Attila Hildmann und Xavier Naidoo. (Screenshot)

Diese Zeiten sind jedoch längst passé und der heute 48-Jährige verdient sein Geld mittlerweile unter anderem als Industriekletterer. So ganz kann er sich von seiner großen Leidenschaft aber nicht lossagen und moderiert seit kurzer Zeit den „Bunkertalk“, der auf dem YouTube-Kanal von „Kommon“ veröffentlicht wird. Im Rahmen dessen hat sich der gebürtige Schwabe nun mit Fler getroffen, um über allerhand Themen zu sprechen.

Für „Flizzys“ Verhältnisse, wie der Deutschrapper sich mitunter selbst nennt, verläuft die erste Stunde recht harmonisch. Die beiden sprechen über Hip-Hop der 90er-Jahre, das Verhältnis von Kapitalismus und Kommunismus, Basketball und Flers heutige Sicht auf dessen Reaktion auf die „#Unhatewomen“-Kampagne. Der vermeintlich einzige Aufreger bis hierhin: Ex-Kumpane Bushido, mit dem Fler eine offen zur Schau getragene Fehde führt*, bekommt mal wieder einen Seitenhieb verpasst.

Deutschrap-Experten unter sich: Marcus Staiger (links) und Fler haben sich im Rahmen des „Bunkertalks“ zu einem launigen Gespräch getroffen. (Screenshot)

„Leute denken vielleicht, ich wäre krank. Aber wie krank ich wirklich bin, wissen die gar nicht [...] Du hast mich bedroht, Du hast mich gedisst, kein Problem. Aber probierst du, mich auf der Straße zu unterdrücken, dann schreibe ich mir das auf, dann merke ich mir das“, heißt es von Flizzy in Richtung des 41-jährigen Berliners, den er schlussendlich noch als „Psychopathen“ bezeichnet.

Fler: Deutschrapper konsumiert Videos aus der Verschwörungsszene als „Alternative zum Rap“

Das eigentliche Highlight soll aber erst noch folgen. Denn nach rund 60 Minuten spricht der Deutschrapper über seine Faszination für alternative Medien. Personen, die sich dazu berufen fühlen würden, Verschwörungstheorien verbreiten zu müssen, werden vom 38-Jährigen als „geil“ oder „lustig“ bezeichnet. Dem Ex-Aggro Berlin-Mitglied würde es imponieren, dass dies letztendlich Typen seien, die auf „die Ka**e hauen“.

Doch relativiert Fler auch, dass er Geschichten, die stark zum Antisemitismus tendieren, nur wegen den Erzählern, nicht aber wegen der reinen Inhalte, konsumieren würde. An dieser Stelle distanziert er sich von rechten Weltbildern. Selbiges hatte bereits Sido getan, der durch einige Aussagen für kurze Zeit als Verschwörungstheoretiker galt*, wie 24hamburg.de-DeutschRap berichtet.

In seiner Erklärung wird Flizzy daraufhin noch konkreter. Videos aus der Verschwörungsszene seien für ihn letztendlich nur „eine Alternative zum Rap“, quasi eine willkommene Freizeitunterhaltung. Komplett freizusprechen ist der Deutschrapper dann aber doch nicht von Ideologien á la Ken Jebsen. Denn wie der Berliner mehrfach betont, glaube er fest an einem Staat innerhalb des Staates. Damit spielt er sozusagen auf eine Art Schattenregierung an, die im Hintergrund agiert und die Geschicke des Staates lenkt.

Zudem würde Fler Inhalte der alternativen Meinungsmacher in seiner Telegram-Gruppe teilen. Ein Beleg dafür, dass das rechte Verschwörungsgeschwurbel auch innerhalb des Deutschraps an Substanz gewinnt? Zumindest ein besorgniserregender Zustand, der hier vermittelt wird. Zu Ende ist der launige „Bunkertalk“ an dieser Stelle aber noch nicht. Schließlich müssen auch noch die Schlagbegriffe „Demokratie“ und „Meinungsfreiheit“ adäquat diskutiert werden.

Fler: Deutschrapper provoziert mit seinen Aussagen - Xavier Naidoo und Attila Hildmann als Systemopfer?

Nach Flers Ansicht gebe es in Deutschland weder Demokratie noch einen funktionierenden Rechtsstaat. Zudem argumentiert der 38-Jährige hinsichtlich einer Meinungsfreiheit, der keine Grenzen gesetzt sind. Seinem Verständnis von Freiheit entsprechend, würde es keine Konsequenzen geben, wenn die Reichskriegsflagge verwendet wird und sich mit Nazi-Rhetorik Gehör verschafft wird. Eine Thematik, mit der sich der Provokateur wider Willen* bestens auskennt. Ob Fler mit solchen Aussagen jemals auf die Hauptbühne vom Splash-Festival kommen wird?

Prominente Namen wie Attila Hildmann, der sich schon mit Smudo von der Fantastischen Vier angelegt hatte*, und Xavier Naidoo, der unlängst mit einer Schock-Ansage überraschte*, seien für ihn lediglich Opfer des aktuellen Systems. Für ihre Meinungen würden sie sozial abgestraft werden, meint Fler. Die permanente Gegenrede Staigers, die am Deutschrapper abprallt, kann daran nichts ändern. So bleibt am Ende des „Bunkertalks“ ein fader Beigeschmack haften, der jedoch in das Bild des vermeintlichen „Rap-Rassisten*“ passt. Aufmerksamkeit ist Fler definitiv gegeben. Nicht zuletzt durch eine auf ihn 2007 erfolgte Messerattacke, die nun von Ex-Kumpel Bushido neu aufgewärmt* werden könnte. * 24hamburg.de und mannheim24.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © YouTube/Kommon

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