6 Anklagen, 23 Vorwürfe

Deutschrapper Fler muss bluten und will „aus Protest in Knast“

  • Yannick Hanke
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Deutschrapper Fler drohen zwei Jahre Knast und eine Geldstrafe in Höhe von 54.000 Euro. Für ihn alles Staatsschikane. Er will „aus Protest in den Knast“.

BerlinDeutschrapper Fler drohen zwei Jahre Gefängnis. Der Berliner Musiker muss sich am Mittwoch, 4. November 2020, vor dem Berliner Landgericht verantworten. Der 38-Jährige sieht sich sechs Anklagen mit 23 Vorwürfen gegenüber. Nach Ansicht von Fler wird es ihm zum Nachteil ausgelegt, mit Clan-Chef Arafat Abou-Chaker in Verbindung zu stehen. Im Interview mit „Bild“ lässt „Flizzy“ seinem Frust freien Lauf (hinter Paywall).

Rapper:Fler
Geboren:3. April 1982 (Alter 38 Jahre), Berlin
Größe:1,85 m
Vollständiger Name:Patrick Losenský
Musiklabels:Maskulin, Aggro Berlin, Ersguterjunge

Fler droht lange Haft – Loyalität zu Abou-Chaker-Boss bereitet ihm Ärger

Wie von 24hamburg.de-DeutschRap berichtet, hat Fler Ärger mit der Justiz und zu allem Überfluss auch noch den Staatsanwalt verhöhnt*. Dies könnte den Deutschrapper teuer zu stehen kommen – in wahrsten Sinne des Wortes, aber auch darüber hinaus. Patrick Losenský, wie der Berliner Musiker mit bürgerlichem Namen heißt, soll einen Strafbefehl über 54.000 Euro erhalten haben. Der Grund hierfür: „Flizzy“ soll Ermittlungsakten zum Gerichtsprozess gegen Clan-Chef Arafat Abou-Chaker* veröffentlicht haben. Übrigens: Mittlerweile läuft der Gerichtsprozess gegen Fler*.

Deutschrapper Fler droht der Knast – satte zwei Jahre sind im Gespräch. (24hamburg.de-Montage)

Der Deutsch-Libanese muss sich seit August 2020 vor der Justiz verantworten, Deutschrapper Bushido tritt als Nebenkläger und Zeuge auf. Mit Bushido verbindet Fler eine offen zur Schau getragene Feindschaft*, seine Position im Gerichtsverfahren ist klar. „Ich soll gef**** werden, weil ich zu Arafat stehe. Ich bin mit ihm befreundet, habe aber keinerlei Geschäftsbeziehungen. Und ganz ehrlich: Wenn jemand kriminell ist, soll er verknackt werden. Ich bin aber von Arafats Unschuld überzeugt“, heißt es von Losenký gegenüber „Bild“.

Fler: Deutschrapper rastet aus – Strafbefehl „eine Frechheit“ und „Staatsschikane“

Es dauert nicht lange, bis sich Fler in gewohnter Manier in Rage redet. „Das LKA [Landeskriminalamt; Anmerkung des Verfassers] hatte mich auf dem Kieker und das Polizeirevier kontrollierte mich ständig und zeigte mich an. Auch, wenn ich auf dem Privatgrundstück gefahren bin“, sagt der Deutschrapper. Daraufhin erwähnt „Bild“-Reporter Matthias Becker, dass auch Flers Verlobte Sabrina T. angeklagt ist, „weil sie ein Video mit Ihnen von einer Polizeikontrolle veröffentlichte“.

Die Reaktion des Deutschrappers: „Bei all den Vorwürfen geht es um geringfügige Straftaten. Aber das LKA, zuständig für organisierte Kriminalität, kam zu mir nach Hause, führte Razzien mit dem SEK durch. Ich saß mit Handschellen gefesselt auf der Küchenzeile. Irgendwann ist mir dann der Kragen geplatzt“. Den Strafbefehl erachtet Fler als „eine Frechheit. Ich habe auf Instagram Teile der Ermittlungsakte von Bushido und Arafat retweetet. Aber nicht veröffentlicht! Das ist Staatsschikane“, platzt es aus dem 38-jährigen Musiker heraus. Übrigens: Fler dreht einen eigenen Film*.

Fler: Berliner Musiker nennt Deutschrapper Bushido einen „kleinen Prinz“

Natürlich wird „Flizzy“ auch auf sein Verhältnis zu Deutschrapper Bushido und Clan-Chef Arafat Abou-Chaker angesprochen. Es folgt ein kleiner, historischer Exkurs. „Bushido hat mich zu Aggro-Berlin gebracht. 2009 haben wir das Album „Carlo, Cokxxx, Nu**** II“ veröffentlicht. Da saß ich mit Arafat und Bushido an einem Tisch. Arafat verhielt sich korrekt. Bushido war wie ein kleiner Prinz“, erzählt Fler. Die beiden Sprechgesangkünstler galten für viele Jahre als unzertrennlich, Bushidos Abgang vom Independent-Label Aggro Berlin führte jedoch zu Differenzen zwischen den beiden Hauptstädtern.

Fler muss sich im „Bild“-Interview zudem darüber äußern, ob er in seinem Umfeld gefährlich leben würde. Die Antwort des 38-Jährigen gleicht der Beschreibung eines hollywoodreifen Szenarios: „Häufig kommt das LKA zu uns Rappern und will reden. Ich lehne das ab. Würde ich reden, könnten wirklich Leute kommen, die mich niederschießen könnten. Das ist ein sehr schmaler Grat, auf dem ich gehe“. Ob Fler für den Fall der Fälle spezielle Beschützer an seiner Seite wüsste? Dem Deutschrapper werden nämlich enge Verbindungen zu den Hells Angels nachgesagt*, weiß 24hamburg.de-DeutschRap in aller Ausführlichkeit zu schildern.

Fler: Deutschrapper will Staat nichts abdrücken – „lieber aus Protest in den Knast“

Wie dem auch sei: Am Ende des Interviews vertritt Fler einen klaren Standpunkt. „Ich gehe lieber aus Protest in den Knast, als dem Staat mein Geld zu geben“, macht „Flizzy“ seine Prinzipien unmissverständlich deutlich. Nun gilt es vorerst die für den 4. November 2020 anberaumte Gerichtsverhandlung gegen den Deutschrapper abzuwarten. Nach Willen der Staatsanwaltschaft soll der Berliner für zwei Jahre ins Gefängnis – ohne jegliche Chance auf Bewährung.

Zulasten gelegt werden ihm unter anderem das Fahren ohne Führerschein, Beleidigung und Nötigung. Pikant: Nach „Bild“-Informationen sind mehr als 30 Zeugen geladen, darunter Arafat Abou-Chaker, Bushido und dessen Ehefrau Anna-Maria Ferchichi. Diese hatte Fler bereits per Disstrack aufs Übelste denunziert*. Noch bevor die Verhandlung gegen den Deutschrapper startet, wird der Gerichtsprozess gegen den Abou-Chaker Clan-Chef am Montag, 26. Oktober 2020, fortgesetzt*. Im weiteren Verlauf der justiziellen Ermittlungen werden Zeugenaussagen diverser Deutschrapper erwartet – darunter auch besagter Fler. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Constantin Film/dpa & Paul Zinken/dpa

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