#theshowmustbepaused

Stiller Deutschrap-Protest: Einer für alle – alle für George Floyd

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Als Zeichen der Solidarität mit Opfern von Rassismus wurde der Hashtag #blackouttuesday ins Leben gerufen. An dieser Aktion beteiligen sich auch allerhand Deutschrapper, die zum Teil selbst von rassistischen Anfeindungen betroffen waren oder sind.

  • Deutschrap: Solidarität mit Rassismus-Opfern.
  • #blackouttuesday lässt Social Media-Welt stillstehen.
  • Deutschrapper vorbildlich, Öffentlich-Rechtliche grenzen aus.

Deutschland/USA – Struktureller, systematischer Rassismus ist eine Problematik, die auch 2020 noch weit verbreitet ist. Dies zeigt das jüngste Beispiel aus den USA, das infolge von Polizeigewalt im Tod des Afroamerikaners George Floyd resultierte. Um Solidarität mit Opfern wie dem 46-Jährigen auszudrücken und als eine Art digitale Kondolenz wurde am Dienstag, 2. Juni kurzerhand der Hashtag #blackouttuesday ins Leben gerufen. Hieran beteiligen sich vor allem Künstler aus der Musikszene, darunter auch diverse Deutschrapper, die ihre Reichweite nutzen.

Rapper:OG Keemo
Geboren:1993 (Alter 27 Jahre), Mainz
Genre:Hip-Hop/Rap
Plattenfirmen:Chimperator Productions, Nesola

Deutschrapper nehmen an #blackouttuesday teil – darunter Shirin David und Ex-Bushido-Kumpel Kay One

Social Media-Plattformen leben von vielen Postings und möglichst kreativen Inhalten. Ob Werbebanner auf Blogs, Instagram-Storys von vermeintlichen Influencern oder kurze Nachrichten auf Twitter - der Bandbreite an Möglichkeiten ist schier keine Grenze gesetzt. Am 2. Juni hatten viele Accounts sich jedoch selbst eine Sendepause verschrieben und lediglich komplett schwarze Bilder auf Facebook, Instagram oder Twitter gepostet. Eine Aktion, die unter dem Hashtag #blackouttuesday firmiert und sich rasend schnell verbreitet hatte. Auch beim Hamburger SV* beteiligte man sich an der Aktion gegen Rassismus.*

Sowohl meinungsstarke Accounts als auch Medienvertreter und Personen der Öffentlichkeit kamen dem Aufruf nach. Ihr Ziel ist eindeutig: darauf aufmerksam machen, dass solch ein Mord, wie er an George Floyd verübt wurde, nie wieder geschehen darf. In Referenz an den Spruch „The show must go on“, nicht zuletzt ein überaus populärer Queen-Song, heißt es nun „The show must be paused“. Ein Ausspruch, der auch bereits als Hashtag für entsprechende Inhalte verwendet wird.

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HONORING #BLACKOUTTUESDAY

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Die Bewegung stammt aus der Musikszene, richtet sich in erster Linie an Künstler und Bands, die ihre Arbeit für einen Tag ruhen lassen sollen - und spricht auch diverse Deutschrapper an. Darunter prominente Namen wie Xatar, Kool Savas, der sich zuletzt mit betrügerischen Iren auseinandersetzen musste*, Silla, Kay One, der sein Kriegsbeil mit Bushido begraben hat* und die Hamburgerin* Shirin David. Damit fällt die für ihre Freizügigkeit bekannte Rapperin ausnahmsweise mal positiv auf und ist nicht wieder in einen Skandal verwickelt, der die Polizei mit sich zieht*.

Deutschrap macht auf Missstände aufmerksam: OG Keemo-Video mit Paralellen zu Fall George Floyd

Initiiert wurde die Bewegung respektive das Projekt von Jamila Thomas und Brianna Agyemang, beide in der Musikbranche tätig. Beim digitalen Aufruf zum Protest gegen Rassismus nahmen jedoch nicht nur Musikschaffende teil, sondern auch die Fans der diversen Künstler und Bands. So erklärt es sich auch, dass am Dienstag um 13 Uhr bereits drei Millionen Posts mit dem Hashtag „blackouttuesday" zu verzeichnen waren. Ebenso wurden bereits eigens für diese Aktion Twitter-Kanäle aus der Taufe gehoben, die den viral gehenden Hashtag in ihrem Namen tragen.

Bereits einige Monate vor dem brutalen Mord an George Floyd veröffentlicht, erfreut sich auch der Song „216“ von Deutschrapper OG Keemo aktuell größter Beliebtheit. Der gebürtige Mainzer ist als wortgewandter MC bekannt, der die verbale Konfrontation nicht scheut und in seiner Musik immer wieder Missstände anprangert. Dies resultiert auch aus der privaten Rassismus-Vergangenheit OG Keemos, der in Interviews offen über seine negativen Erfahrungen spricht, die er aufgrund seiner Hautfarbe in Deutschland erlebt hat - und weiterhin erlebt.

In „216“ thematisiert der Rheinland-Pfälzer die Angst vor der Polizei, strukturellen Rassismus, Racial Profiling und die oft praktizierte Form des schwarzen Widerstands. Alles überaus wichtige Themen, die auf den ersten Blick jedoch nicht in das Konzept von „Modus Mio“, Deutschraps größte Playlist beim Streamingdienst Spotify, passen wollen. Denn in der Regel finden sich hier reichweitenstärkere Künstler als OG Keemo wieder, der im Vergleich zu illustren Namen wie Apache207, Bonez MC*, Capital Bra* oder Mero kein Land sieht. Inhalte außen vorgelassen.

Da Regeln mitunter auch dazu da sind, um sie zu brechen, hat Spotify das „Modus Mio“-Konzept am Dienstag etwas abgewandelt. Konkret wurde die Playlist mit dem Hashtag #BlackLiveMatters und einem schwarzen Cover versehen, um auf diesem Wege auf Polizeigewalt und den damit verbundenen Rassismus hinzuweisen. Im Zuge dessen integrierten die entsprechenden Kuratoren OG Keemos Songs „216“ in der Playlist.

Deutschrap: Bereits „Fremd im eigenen Land" deckte rassistische Strukturen auf

Ein starkes Zeichen und ein wichtiger Schritt, besteht doch nun die Chance, dass der Song vom Deutschrapper mehr Menschen als zuvor erreicht. „Ich bin ein junger König / was weißt du von Polizeikontrollen, wenn ein junger N**ga spät im Dunkeln unterwegs ist / und allein dein Hautton ist Grund genug, nicht lang rumzureden“, heißt es unter anderem vom Künstler. Parallelen zur Situation in den USA sind einige gegeben, wird sich „216“ in Gänze angehört und in Verbindung mit dem dazugehörigen Musikvideo konsumiert.

Grundsätzlich sind die Thematisierung von Rassismus, von ausufernder Ausländerfeindlichkeit und das Sprechen über Stigmata, die Personen qua äußerlicher Merkmale oder vermeintlicher Abweichungen von der Norm kennzeichnen, schon immer Inhalt von Deutschrap gewesen. Bereits 1992 hat sich die Heidelberger Rap-Formation Advanced Chemistry in ihrem Song „Fremd im eigenen Land“ mit ihrer Identität als Deutsche ausländischer bzw. afrodeutscher Herkunft auseinandergesetzt. Den Rappern wurde Ablehnung entgegengebracht, da sie mit ihrer dunklen Hautfarbe und ihren schwarzen Haaren nicht in das Bild von Deutschen passten, die ihre eigene, NS-artige Vorstellung vom Deutschsein hatten.

Deutschrap als Vorbild: Manuellsen mit klarer Kante, ARD und ZDF grenzen aus

Gut 28 Jahre später konnte die Problematik weder in Deutschland noch weltweit adäquat gelöst werden und der Fall George Floyd stellt ein weiteres, trauriges Kapitel im Konflikt zwischen weißen und nicht-weißen Menschen dar. Aus gegebenem Anlass stellt sich aber auch die Frage, ob nicht sogar in deutschen Talkshows eine Art von Racial Profiling betrieben wird.

Alle für George Floyd: Während die Menschen in den USA auf die Straße gehen, kondolieren Deutschrapper via Instagram.

Denn obwohl in den TV-Runden von ARD-Moderatorin Sandra Maischberger und ZDF-Aushängeschild Markus Lanz* über Rassismus gegenüber Schwarzen Menschen gesprochen wird, sind Betroffene nicht eingeladen. Eventuell sollten sich beide Sendeanstalten eine Scheibe von Deutschrapper Manuellsen abschneiden, der sich unlängst klar gegen Rassismus positioniert hat*. Und damit für eindeutig positivere Schlagzeilen sorgt als Muskelpaket Kollegah, der eine saftige Geldstrafe an die RTL2-Stars Carmen und Robert Geiss* zahlen muss.

Quelle: 24hamburg.de-DeutschRap*

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