Mordversuch mit Messer im MTV-Studio

Fler: Deutschrapper in Berlin brutal mit Messer attackiert – kam Auftrag von Clan-Chef Arafat Abou-Chaker?

  • Yannick Hanke
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Deutschrapper Fler erlebt im Jahr 2007 in den Berliner MTV-Studios eine erschreckende Messer-Attacke und den Horror seines Lebens. Nun heißt es von Ex-Kumpel Bushido, dass der umstrittene Clan-Chef Arafat Abou-Chaker hintere dem Attentat stecken soll. Was ist da dran?

  • Deutschrapper* Fler wird im Jahr 2007 in MTV-Studio mit Messer attackiert.
  • Ex-Kumpel Bushido schiebt Abou-Chaker-Boss die Schuld zu.
  • Clan-Chef Arafat muss sich vor Gericht verantworten.

BerlinDeutschrapper Fler wurde im November 2007 in den Berliner MTV-Studios von drei bis dato unbekannten Männern mit einem Messer angegriffen. Die Ermittler gingen damals von Tätern aus der hiesigen Sprechgesangs-Szene aus. Nun könnte neue Bewegung in den Fall kommen. Denn Rapper Bushido hat laut Informationen der „FAZ“ verlauten lassen, dass sein ehemaliger Geschäftspartner Arafat Abou-Chaker diese Straftat quasi beauftragt haben soll. Wie viel Wahrheitsgehalt steckt aber in der Aussage des 41-jährigen Berliners?

Rapper:Fler
Geboren:3. April 1982 (Alter 38 Jahre), Berlin
Größe:1,85 m
Vollständiger Name:Patrick Losenský
Plattenfirmen:Maskulin, Ersguterjunge, Aggro Berlin

Fler: Deutschrapper wurde 2007 im MTV-Gebäude mit Messern attackiert – Ex-Kumpel Bushido will Arafat Abou-Chaker als Auftragsgeber wissen

Es ist Dienstag, der 27. November 2007, als Deutschrapper Fler, damals noch Teil des Independent-Labels Aggro Berlin, in den Berliner Studios von „Music Televison“ (MTV) weilte. Der damals 25-Jährige war in der LivesendungTotal Request Live“ (TRL) zu Gast, um einen Gig zu spielen und generell ganz klassisch Promo für das neueste Werk zu betreiben. Gegen 18 Uhr wollte Patrick Losenský, wie der MC mit bürgerlichem Namen heißt, das Gebäude des Musiksenders verlassen. Kurz bevor er den Ausgang passieren konnte, wurde Fler jedoch von drei vermummten, mit Messern bewaffneten Männern überfallen. 24hamburg.de berichtet auch über die Corona-Infektion von Melanie Müller.

Deutschrapper Fler wurde 2007 in den Berliner MTV-Studios attackiert. Laut Ex-Kumpel Bushido soll Clan-Chef Arafat Abou-Chaker der Auftraggeber gewesen sein. (Screenshot)

Der Angriff des Trios konnte erfolgreich durch Losenskýs Leibwächter abgewehrt werden, niemand wurde verletzt. Da die Männer daraufhin flüchteten, konnte auch keiner vernommen werden, um über die Intention der versuchten Straftat zu berichten. „Vermutlich gibt es Leute, denen ich mehr als ein Dorn im Auge bin. Das war eine feige Aktion, das hat mit Rap nichts zu tun. Ich bin froh, dass niemand verletzt wurde, es tut mir leid für die unbeteiligten MTV-Mitarbeiter, die mit in Gefahr geraten sind. Mir geht es gut, niemand soll sich Sorgen machen“, hieß es damals von „Flizzy“, einem Alias des Deutschrappers.

Dass Fler an jenem 27. November Teil der populären MTV-SendungTRL“ sein würde, war bereits im Vorfeld bekannt. Denn sowohl der Sender als auch das Management des Deutschrapper hatten dies offen kommuniziert. Dementsprechend konnte das Trio ziemlich genau einschätzen, wann sie dem heute 38-Jährigen am besten auflauern können. Die Polizei ließ damals verlauten, dass sogar eine Videoaufzeichnung der Attacke von der Überwachungskamera am Eingangsbereich existieren würde. Dies wurde jedoch von einer MTV-Sprecherin dementiert. Laut Aussagen der Ermittler sollte es sich bei den Männern um Südländer gehandelt haben. 24hamburg.de berichtet auch über einen Hamburger Häftling, der Corona-Soforthilfe beantragt und erhalten hat.

Aus Freunden wurde Feinde: Deutschrapper Bushido (links) und Clan-Chef Arafat Abou-Chaker sind mittlerweile Kontrahenten und sehen sich im August 2020 vor dem Berliner Gericht wieder. (Archivbild)

Dies war für rund dreizehn Jahre der letzte Stand, gelegentliche Wasserstandsmeldungen, Spekulationen und Gerüchte mal ausgeblendet. Nun könnte es an Deutschrapper Bushido sein, mit dem Fler einst bei Aggro Berlin seine Karriere begonnen hatte, Licht ins Dunkel zu bringen. Denn der 41-jährige Berliner hat nun Clan-Chef Arafat Abou-Chaker, zu dem der Rapper jahrelang intensive Geschäftskontakte pflegte, beschuldigt, die Messerattacke auf Flizzy beauftragt zu haben. Eine Aussage, die Bushido gegenüber der Polizei getätigt haben soll und die Teil der Ermittlungen gegen den Deutsch-Libanesen Arafat ist. 24hamburg.de berichtet auch über den aktuellen Vormundschaftsstreit zwischen Britney Spears und ihrem Vater Jamie Spears.

Fler: Deutschrapper zerreißt Bushido-Plakat und wird von vermeintlichen Abou-Chaker-Mitgliedern angegriffen - Mitschuldiger Bushido?

Zum Hintergrund: der Abou-Chaker-Clan ist ein palästinensisch-stämmiger Familienverbund, der vor allem in der deutschen Hauptstadt, aber auch im Libanon und in Kopenhagen ansässig ist. 200 bis 300 Mitglieder der Großfamilie sollen nach Schätzungen der Behörden allein in Berlin leben. Weite Teile der Familie sind dem kriminellen Milieu zugehörig und sind für Strafdelikte wie Schutzgelderpressungen, Drogen- und Waffenhandel oder Raubüberfälle bekannt. Die selbsternannte Führungsfigur des Clans, Arafat Abou-Chaker, muss sich im August 2020 wegen versuchter, schwerer räuberischer Erpressung, Freiheitsberaubung, gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung vor Gericht verantworten. Aussagen von Bushido können ihn schwer belasten*.

Wie von 24hamburg.de-DeutschRap berichtet, wird auch Bushido als Zeuge vorgeladen sein*, um gegen seinen einstigen Kumpel und Geschäftspartner auszusagen. Im Rahmen dieser gerichtlich verordneten Anhörung könnte auch die Messerattacke auf Fler eine Rolle spielen. Denn nach Darstellung Bushidos bekam dieser während der MTV-Livesendung einen Anruf von Arafat Abou-Chaker, der sich mehr als aufgebracht zeigte. Diesem emotionalen Gefühlsausbruch soll vorausgegangen sein, dass Flizzy vor laufenden Kameras ein Bushido-Plakat zerissen hat.

Arafat soll am Telefon gesagt haben, dass Fler mit dieser Aktion zu weit gegangen wäre und dieser noch sehen werde, was er davon hat. Laut Eigenaussage soll Bushido noch versucht haben, seinen damaligen Freund zu beruhigen. Erst am Abend des 27. Novembers 2007 will er in einem Kreuzberger Café erfahren haben, dass der Abou-Chaker-Chef drei bewaffnete Männer damit beauftragt hatte, Flizzy zu attackieren. Des Weiteren soll Bushido kommuniziert worden sein, dass einer der Täter Yasser Abou-Chaker, der Bruder von Arafat, war. Zudem hätte Fler gewusst, wer sich hinter dem vermummten Trio verbirgt.

Am Montag, 17. August 2020 könnten die Fronten erneut verhärtet werden, nachdem Clan-Chef Arafat Bushido beschuldigt hatte, einen SEK-Einsatz auf die Räumlichkeiten des Abou-Chaker-Oberhaupts* angeordnet zu haben. Der Konflikt zwischen den mittlerweile verfeindeten Berlinern Arafat und Bushido steht im Fokus der Gerichtsanhörung*, der Deutschrapper sieht sich in der Opferrolle. Denn bereits 2018 soll Arafat versucht haben, seinen ehemaligen Geschäftspartner durch Drohungen, körperliche Gewalt und Freiheitsentziehung daran zu hindern, die geschäftlichen Beziehungen aufzulösen. Mitunter ist auch von Geld die Rede, dass Bushido an den Abou-Chaker-Clan zu zahlen hätte.

Fler: Deutschrapper echauffiert sich über Bushido - „Er ist nicht das Opfer, er ist Mittäter“

Die Gegenseite bzw. die Kritiker des Deutschrappers werfen diesem hingegen vor, sich jahrelang an den kriminellen Methoden des Abou-Chaker-Clans bereichert zu haben und sich nun als Opfer zu inszenieren. Fler, der mittlerweile eine Freundschaft zu Arafat pflegen soll, kann sich nicht vorstellen, dass die versuchte Messerattacke auf seine Person ohne das Mitwissen von Bushido stattfand. „Bushido hat immer andere Rapper beleidigt und ist zu Arafat gerannt, wenn sie sich gewehrt haben. Wenn ihn der Angriff auf mich gestört hätte, warum hat er danach noch mal zehn Jahre mit Abou-Chaker gearbeitet?“, heißt es von Flizzy. Übrigens: Fler schießt mal wieder gegen Bushido*.

Der 38-Jährige habe schon immer gewusst, wer die Angreifer von 2007 waren, wollte bei der Polizei aber keine Aussage tätigen, „weil sich das unter Rappern nicht gehört“. Für den Angriff hätte Bushido sich nie entschuldigt, sondern vielmehr mit der Tat geprahlt. „Er ist nicht das Opfer, er ist Mittäter“, ist sich Losenský der Mitschuld seines Rapper-Kollegen sicher. Da Bushido aktuell unter Polizeischutz steht, äußert er sich nicht zu den Aussagen von Fler. Der wiederum hat Stress mit dem Landeskriminalamt* und sieht sich erneut mit einem „RTL-Vorfall“ der jüngeren Vergangenheit konfrontiert.

Generell scheinen Auseinandersetzungen mit dem Gesetz und Deutschrap eine ziemlich stimmige Symbiose zu bilden. Das zeigt allein das Beispiel des Hamburgers* Gzuz*, seines Zeichens Mitglied der 187 Strassenbande. Der 32-Jährige musste sich aufgrund verschiedener Strafdelikte bereits vor dem Gericht verantworten*, der kuriose Vorwurf, versucht zu haben, eine Sauerstoffflasche zu entwenden*, steht nach wie vor im Raum. Im Gegensatz zum Deutschrapper selbst. Denn der flog aus dem Gerichtssaal*. Einen langen Atem könnten auch Bushido und Arafat Abou-Chaker gebrauchen, deren Konflikt mit Sicherheit nicht an einem einzigen Gerichtstag gelöst werden kann*. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Instagram/fler

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