„Shotz Fired“ – 187 Strassenbande-Boss polarisiert

Bonez MC: Hamburger Gangster-Rapper schwulenfeindlich oder doch coole Kunst?

Bonez MC und RAF Camora zeigen sich erfreut über ihre 1Live Krone.
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Bonez MC und RAF Camora freuen sich über ihre 1Live Krone.
  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Die Hamburger Rapper von der 187 Strassenbande sind für harten Gangsta-Rap bekannt. Die Gruppe rund um Bonez MC und Gzuz denunziert in ihren Texten Frauen, propagiert Kriminalität und spricht immer wieder von Strafdelikten. Medial werden die kontroversen Aussagen der Deutschrapper aufs Übelste verurteilt. Dies muss nun auch der 187-Boss Bonez MC erfahren.

  • „Shotz Fired“: Bonez MC stellt sich selbst ins Abseits.
  • Queer-Community mit Homophobie-Vorwürfen gegen 187-Chef.
  • Hamburger Deutschrapper: Trennung Kunst-Person kaum möglich.

Hamburg – Dass nichts vergänglicher ist als Ruhm, wird auch Deutschrapper Bonez MC von der Hamburger 187 Strassenbande aktuell deutlich aufgezeigt. Einst für Songs und Videos seiner Rapgruppe gefeiert, sieht sich der 34-Jährige zurzeit massiven Diskussionen in Social Media ausgesetzt. Denn Bonez MC, der mit bürgerlichem Namen Johann Lorenz Moser heißt, polarisiert mit seinem neuen Song „Shotz Fired“.

Bonez MC: Homophobe Äußerungen im neuen Song „Shotz Fired“

Mit seiner gewohnt tiefen Stimme gibt der Hamburger Deutschrapper eher uninspiriert wirkende Zeilen zum Besten. Bonez MC reimt im Refrain von „Shotz Fired“ die Wörter „schwul“ auf „cool“ und scheut sich auch nicht davor, den Begriff „Schwuchtel“ in Form einer Adlib zu benutzen. „Eine in dein Bein, boom, Shots fired (Duh). Gruß an meinen kleinen Bullen-Nuttensohn aus Bayern. Sag, du bist nicht schwul (Hah), bist du Meier. Pack ma‘ lieber wieder deine Hand an meine Eier (Schwuchtel)“, heißt es vonseiten des 187-Bosses.

Diese kontroversen Zeilen des Hamburger Deutschrappers stoßen dem Online-Magazin „queer.de“ äußert negativ auf. Das Online-Portal bezeichnet sich selbst als „Zentralorgan der Homo-Lobby“, attesttiert Bonez MC Schwulenfeindlichkeit sowie Gewaltverherrlichung und wirft Moser Homophobie vor. Ähnlich verhält sich das Rap-Magazin „16BARS“, das mit der Frage aufwartet, ob es immer noch diese Wortwahl brauche.

In seinem Online-Artikel ordnet das Rap-Magazin die Zeilen des 187-Rappers als eindeutig „homophob“ ein und fragt sich: „Braucht einer der erfolgreichsten deutschen Rapper ein ‚Schwuchtel‘ als Ad-Lip [sic], um den Eier-Meier Reim rund zu machen? Oder muss dem Klischee der homophoben Dancehall-Musik gefolgt werden?“

Hamburger Deutschrapper mit Verfehlungen in seiner Musik

Berechtigte Fragen, die nach wie vor aktuell sind und nicht zuletzt das Grundproblem von Deutschrap aufzeigen. Einem Genre, das nicht zuletzt durch die Hamburger Rapper der 187 Strassenbande oft am Rande des moralisch Vertretbaren agiert. Denn grundsätzlich wird darüber diskutiert, ob Kunst und Person voneinander zu trennen sind.

Im Fall von Bonez MC und seinem Song „Shotz Fired“ ist dies kaum möglich, da auch Kunstfreiheit ihre Grenzen kennt und die „Verfehlungen“ des Hamburger Deutschrappers Teil seiner Musik sind. Doch auch abseits seines Schaffens für die 187 Strassenbande fällt Moser immer wieder durch Fehltritte auf.

187 Strassenbande-Chef: Kontroverses Gruppenfoto erhitzt Social Media-Gemüter

Unlängst zeigte der 34-jährige Hamburger den gebotenen Regeln, die Coronavirus-Sars-CoV-2 erforderlich macht, im wahrsten Sinne des Wortes den Mittelfinger. Ein mittlerweile gelöschtes Bild auf dem Instagram-Profil des 187-Rappers zeigte Bonez MC mit einer Gruppen von acht Personen, darunter auch Kumpel Gzuz, auf engstem Raum posierend. Provokativ streckte der Strassenbande-Frontmann den Mittelfinger in die Kamera.

Bonez MC zeigt den Coronaregeln den Mittelfinger. (Screenshot)

Eine Aktion, die nicht nur als Provokation von Moser gegenüber der Polizei zu verstehen ist, sondern auch die Gesundheit der Mitmenschen von Bonez MC gefährdet. Dementsprechend stieß das Foto, versehen mit der schlichten Bildunterschrift „Mitte“, auf viel Unverständnis bei den Fans des 187 Strassenbande-Chefs.

„Digger absolut unnötig in der aktuellen Situation“, war nur eine der tadelnden Reaktionen eines Instagram-Nutzers. Ebenso wurde der Hamburger Deutschrapper auf den fehlenden Mindestabstand zwischen den einzelnen Personen hingewiesen. Immerhin: Moser zeigte sich einsichtig und entfernte das provokante Foto wieder von seinem Instagram-Profil.

Verantwortungslose Deutschrapper: Bonez MC und Gzuz als Vorbilder

Trotz dieses „Rückziehers“ bleibt Bonez MC eine streitbare Person. Eine vermeintliche Kunstfigur, die sich jedoch auf Social-Media-Plattformen nur selten anders präsentiert, als es in der Rapmusik propagiert wird. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion lösen sich beim Hamburger Deutschrapper zunehmend auf. Und sind deswegen mehr als diskussionswürdig.

Vor allem junge Hörer der 187-Strassenbande sind leicht zu beeinflussen und sehen in Rappern wie Bonez MC oder Gzuz gar Vorbilder. Idole, die jedoch einen fragwürdigen Lebensstil pflegen und sich ihrer Verantwortung oft nicht bewusst sind. Und die Millionenreichweite dieser Deutschrapper trägt ihren Teil dazu bei, dass sich kontroverse Textzeilen in großem Umfang verbreiten.

Social Media-Kritik zum Trotz: YouTube-Erfolg für 187 Strassenbande-Boss

Dem Erfolg von „Shotz Fired“ tun die Homophobie-Vorwürfe nur bedingt einen Abbruch. Das auf Trinidad und Tobago gedrehte Video zum Song von Bonez MC ist auf YouTube bisher über vier Millionen Mal aufgerufen worden, auch wenn der Hamburger Deutschrapper via Instagram verlauten lässt: „YouTube wird uns auf jeden Fall nicht in die Trends hereinlassen. Die haben uns da rausgeschmissen, und zwar für immer“. Aufregung gibt es übrigens auch um Gzuz, von dessen vermeintlichen Grabstein* Aufnahmen durch das Netz kursieren. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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