Naidoo, Wendler und Konsorten

Attila Hildmann: Experte klärt auf – so machen Verschwörungstheoretiker Geld

  • Johanna Ristau
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Michael Wendler (48) hat nach der Gehirnwäsche von Attila Hildmann (38) seine Karriere zum Scheitern verurteilt, indem er die Verschwörungstheorien öffentlich verbreitet hat. Viele glauben, seine Karriere ist am Ende und hat keine Chance auf ein Revival. Doch Experten erklären, dass sich auch mit Schwurbeleien gut Geld machen lässt. 

HamburgMichael Wendler sind nach seinem Schwurbel-Anfall auf Instagram alle Jobs weggefallen: Kaufland hat den Werbespot zum Song „Regal“ sofort offline genommen, Werbepartner auf Instagram haben die Kooperation mit Verschwörungs-Neuling Micha abgebrochen und RTL distanziert sich ausdrücklich von dem Schlagerstar und seinen Aussagen. Egal! Michael Wendler ist vorher ohnehin schon freiwillig bei DSDS* ausgestiegen. Immerhin sei RTL nach seinen neuesten Erkenntnissen „gleichgeschaltet und politisch gesteuert“.

Sänger:Michael Wendler
Geboren: 22. Juni 1972 (Alter 48 Jahre), Dinslaken
Ehepartnerinnen: Laura Müller (verh. 2020), Claudia Norberg (verh. 2009–2020)
Eltern: Manfred Weßels, Christine Tiggemann
Kinder:Adeline Norberg

Quell des Sinneswandels war Verschwörungs-Prediger Attila Hildmann. Doch während viele davon ausgehen, dass Michaels Karriere nun zu Ende sei, glaubt der „Egal“-Interpret erst „am Anfang“ zu sein, wie er auf seinem neuen Medium des Vertrauens Telegram mitteilt. Dort postet er regelmäßig Corona-Verschwörungstheorien und macht fleißig Werbung für seinen „Lehrmeister“ Attila.

Rumschreien und schwurbeln wie Attila Hildmann (links) und Xavier Naidoo? Ja, damit lässt sich Geld verdienen.

Doch lässt sich mit Telegram und Co. auch Kasse machen? Auf Plattenfirmen oder Fernsehsender sollte der Wendler sich nach seinem Auftritt auf Instagram, über den norduzz.de in aller Ausführlichkeit berichtet, künftig nicht mehr stützen können.

Attila Hildmann: Verschwörungstheoretiker macht zwischen Corona-Skepsis und Merkel-Hetze auch Eigenwerbung

Ähnlich lief es für Attila Hildmann. Bis vor kurzem vertrieb Hildmann, der von Haus aus eigentlich (Vegan-)Koch ist*, seine Produkte noch über ganz normale Supermärkte. Als er dann mit Verschwörungstheorien von sich reden machte, trennten sich die Kooperationspartner – wie jetzt bei Michael Wendler. Doch der selbsternannte „ultrarechte Verschwörungs-Prediger“ hat eine große Anhängerzahl.

Knapp 102.000 Personen folgen Attila Hildmann in seiner Telegram-Gruppe*. Dort macht er neben der Verbreitung von Corona-Skepsis und Merkel-Hass auch regelmäßig Werbung für seine Produkte. So pries er vor kurzem noch seinen veganen Nutella-Ersatz an, schenkte allen Neukunden ganz Influencer-like einen 5-Euro-Gutschein für die erste Bestellung. Auf Anti-Corona-Maßnahmen-Demos, wo Hildmann regelmäßig festgenommen wird, trägt er gerne Pullover, auf denen der Schriftzug seines eigenen Energydrinks prangt. Damit tritt er nicht nur vor alle Demonstranten, sondern auch vor die Fotografen, die ihre Aufnahmen dann an alle Medien verteilen – Mega-Eigenwerbung für umsonst!

Attila Hildmann verkauft Medaillen als „Siegfried-Taler“: Antisemitismus-Beauftragter warnt vor Undurchsichtigkeit

Und Anhänger werden zu treuen Kunden ihrer Anführer. Zwischen Merkel-Hetze und Corona-Skepsis finden sich in seiner Telegram-Gruppe auch immer wieder Postings zu seiner „Snack-Bar“ in Berlin-Charlottenburg. Attila Hildmanns Angebots-Palette gipfelte eines Tages darin, dass der 38-Jährige Medaillen als „Siegfried-Taler“ zu hohen Preisen verkaufen anbot. „Da gab es auch innerhalb seiner Anhängerschaft Kritik“, weiß Antisemitismus-Beauftragter der Landesregierung Baden-Württemberg Michael Blume.

Der Experte warnt gegenüber „Watson“: „Nach unseren Erkenntnissen werden über Verschwörungsmythen und digitale Gruppen erhebliche Finanzmittel mit alarmierend wenig Transparenz generiert. So wurde auf Querdenker-Demonstrationen gegen Covid-19-Maßnahmen immer wieder um Spenden geworben.“ Es sei das Geschäft mit der Angst, das Verschwörungsideologen für sich entdeckt hätten. Attila Hildmann sei längst nicht der einzige, der in dieser Szene Profit aus seinen Anhängern generiere. Dabei sorgt er vorher für angst und Panik, um die Produkte besser vermarkten zu können*.

Attila Hildmann nicht der einzige Verschwörungstheoretiker, der mit Schwurbeleien Geld verdient

Auch Ex-RBB-Moderator Ken Jebsen (54) warb laut Michael Blume bei einer Corona-Leugner-Demo in Stuttgart für seine kostenpflichtige App. Blume sieht eine ernsthafte Gefahr für mental schwache Anhänger von Schwurblern wie Hildmann: „Ich befürchte, dass sich manche Verschwörungsgläubige aus Angst vor einer vermeintlich nahen Apokalypse zu eiligen Geldüberweisungen verleiten lassen, die sie später bereuen. Hier laufen gerade Dinge aus dem Ruder und es bahnen sich mögliche Skandale an, die ohnehin verängstigte Menschen treffen können.“

Neben Antisemitismus-Experte Michael Blume hat auch Autor Tobias Ginsburg zu dem Thema recherchiert. Er weiß: Wo viel Angst ist, lässt sich auch viel Geld machen. Der Schriftsteller zu „Watson“: „In dem Moment, wo du deine Anhängerschaft hast, merkst du, dass es einen Markt gibt, um deine Produkte zu verkaufen.“ Menschen würden etwa Produkte kaufen, die ihnen Gurus oder Anführer aufgeschwatzt haben. Da gäbe es dann Salben, Bücher oder Medizin, die Corona heilen solle. Michael Blumes dringender Apell an Medien und die Justiz: „Es muss schnell Transparenz und Rechtsstaatlichkeit hergestellt werden.“ * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa & Jörg Carstensen/dpa

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