Große Demo an Snackbar

Berliner Kiez Händler gegen Attila Hildmann: Schwurbler mobilisiert „Freiheitskämpfer“

  • Christian Domke Seidel
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Mit einer großen Demo will ein Kiez-Bündnis aus Geschäftstreibenden in Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf ihrem Noch-Nachbarn Attila Hildmann zeigen, dass sein rechtes Gedankengut dort unerwünscht ist.

  • Demo gegen Attila Hildmann * vor dessen Snackbar.
  • Kiez-Nündnis aus Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf demonstriert gegen Verschwörungstheoretiker.
  • „Freiheitskämpfer“ und „Patrioten“ zur Gegendemo gerufen.

Update vom Donnerstag, 8. Oktober 2020, 12:00 Uhr: Berlin – Am Freitag, 9. Oktober 2020, protestiert ein Kiez-Bündnis aus Berlin gegen Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann vor dessen eigener Snackbar. 91 Unternehmer, ein breites Bündnis aus der Nachbarschaft, wollen gegen rechtes Gedankengut demonstrieren. Attila Hildmann will das nicht so einfach hinnehmen und ruft „Freiheitskämpfer“ zu einer Gegendemo.

Autor:Attila Hildmann
Geboren:22. April 1981 (Alter 39 Jahre), Berlin
Größe:1,77 m
Eltern:Ursel Hildmann
Ausbildung:Freie Universität Berlin

Kiez-Bündnis aus Berlin-Charlottenburg protestiert gegen Attila Hildmann vor Snackbar

Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann will sich die Demo des Berliner Kiez-Bündnises vor seiner Snackbar nicht einfach so gefallen lassen. Für den Zeitraum der Demo vom „Kiez-Bündnis gegen Neonazi Attila Hildmann“ ruft er auf seinem Telegram-Kanal zu einer Gegendemo auf. „Freiheitskämpfer“ und „Patrioten“ sollen zu seinem Laden kommen und „Flagge zeigen“. Die Demonstranten bezeichnet der Kochbuchautor als „Linksfaschos“ und „Stasi-Merkels Terror-Söldner“. Von „ganz oben“ hätten sie den Befehl zu diesem Protest bekommen. Auch wegen solch einer Rhetorik ist er den Veranstaltern des Satire-Preises „Der Goldene Aluhut“ als Presiträger zu gefährlich*. Nominieren verboten.

Travestie-Künstlerin Jacky Oh Weinhaus wird den Protest gegen Attila Hildmann moderieren. Die Demonstration findet vor der Snackbar des Verschwörungstheoretikers statt. (24hamburg.de-Montage).

Alle gegen Attila: Ganzer Berliner Kiez will „Neonazi“ Hildmann rausschmeißen

Erstmeldung vom Samstag, 3. Oktober 2020, 16:03 Uhr: Berlin/Hamburg Attila Hildmann betreibt eine Snackbar in Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf. Seit der Kochbuchautor aber eher wegen Verschwörungstheorien und antisemitischer Hetze in den Nachrichten ist, sind die Geschäftsleute des Kiez unglücklich über ihren prominenten Nachbarn und haben sich zu einem breiten Bündnis zusammengeschlossen. Sie haben Angst vor seinen Anhängern, die sich regelmäßig vor der Snackbar des Kochbuchautoren versammeln. Deswegen veranstalten sie am Freitag, 9. Oktober 2020, eine Demo gegen Attila Hildmann. Direkt vor dessen Laden.

Protest gegen Attila Hildmann vor seiner Snackbar in Berlin

Berlins Charlottenburg-Wilmersdorf ist ein bunter Stadtteil. Japanische Buchläden, Cafés, ein Laden für amerikanische Gitarren, eine Malschule für Kinder, eine Kunstgalerie und viele Geschäfte. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie wollen Attila Hildmanns Gedankengut nicht mehr in ihrer Nachbarschaft haben. Insgesamt sind es mittlerweile 91 Geschäfte und Firmen, die sich zum „Kiez-Bündnis gegen Neonazi Attila Hildmann“ zusammengeschlossen haben, wie 24hamburg.de berichtet.

Dabei scheinen die Unternehmer mit Attila Hildmann selbst kein Problem zu haben. Es geht um seine Ansichten. Die würden nämlich entsprechende Sympathisanten ins Viertel locken, beklagen sich die Geschäftstreibenden beim Deutschlandfunk. Um seine Gesinnung macht der Kochbuchautor auch kein Geheimnis. Beinahe täglich hetzt er auf seinem Telegram-Kanal* gegen Juden, wird auf Demos sogar handgreiflich* und gibt sich zum Teil widerlichen Gewaltfantasien hin*. Wer sich über ihn lustig macht, wie etwa Satiriker Jan Böhmermann, wird zum Satanisten und Illuminaten erklärt*.

„Kiez-Bündnis gegen Neonazi Attila Hildmann“ lädt zu Demonstration

„Diese rechtsradikalen Ansichten, die machen mir dann schon irgendwie Sorgen. Und das zieht ja dann auch entsprechende Leute an“, beklagt sich Markus Reinefeld, Betreiber eines Kinos in Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf, im Deutschlandfunk über Attila Hildmann. Bis zu 150 Sympathisanten würden sich samstags vor der Snackbar von Attila Hildmann treffen. Ein benachbarter Geschäftsmann, der anonym bleiben möchte: „Das ist so, wirklich: Da habe ich Angst, ja, habe ich Angst.“

Um ihre Ablehnung deutlich zu machen, wird das „Kiez-Bündnis gegen Neonazi Attila Hildmann“ am Freitag, 9. Oktober 2020, eine Kundgebung direkt vor der Snackbar des Verschwörungstheoretikers abhalten. Travestiekünstlerin Jacky Oh Weinhaus wird die Veranstaltung moderieren. Aktivist*in Tarek Shukrallah wird sprechen, ein jiddisch-hebräisches Bühnenprogramm wird stattfinden und die Tänzer der BoogieStube (fünffache Berliner Meister) werden auftreten. Auch sie haben ihr Studio in Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf.

Demo gegen Attila Hildmann am Jahrestag des Anschlags in Haale/Saale

Das Datum, Freitag, 9. Oktober 2020, ist dabei nicht zufällig gewählt. Es ist der Jahrestag des Anschlags auf die Synagoge in Halle/Saale. Die Veranstalter dazu: „Der Attentäter, der sich im Voraus rechtsradikaler antisemitischer Narrative bediente, beließ es nicht bei seinen widerwärtigen Gewaltfantasien. Zwei Menschen wurden erschossen, die jüdische Gemeinschaft entkam nur knapp einem Massaker.“

Das Kiez-Bündnis sieht Attila Hildmann in derselben politischen Ecke wie den Attentäter: „Hildmann stilisiert sich größenwahnsinnig zum ‚patriotischen Krieger‘, verhöhnt den Holocaust, sympathisiert mit Adolf Hitler, fordert die Todesstrafe für Bundestagsabgeordnete und zeigt sich faschistisch.“ Wie groß die Spannungen sind, zeigte sich, als Attila Hildmann vor seiner Snackbar in eine Schlägerei verwickelt wird* und leicht verletzt wurde. Im Schanzenviertel in Hamburg wurde der Verschwörungstheoretiker sogar mit einer Flasche beworfen*. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa & Hendrik Schmidt/dpa & Felix Grimm/TfD/dpa

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