Aufruf zum Boykott

Attila Hildmanns Anhänger gegen Deutschrapper Fatoni: „Traurigster Shitstorm aller Zeiten“

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Der Wahnsinn rund um Attila Hildmann geht weiter. Auf Telegram geht der Verschwörungstheoretiker auf Deutschrapper Fatoni los. Es kommt zum Shitstorm – nicht.

  • Attila Hildmann: Corona-Schwurbeler-Anhänger attackieren Fatoni.
  • Deutschrapper* provoziert mit Musikvideo.
  • Telegram: „Freiheits-Chat“ scheitert mit Shitstorm.

Berlin – Mit Vegan-Koch Attila Hildmann ist nicht gut Kirschen essen. Der 39-jährige Berliner ist mittlerweile nicht mehr für seine Gerichte, sondern nur noch für seine kruden Verschwörungstheorien bekannt. Diese verbreitet er bevorzugt über den Nachrichtendienst Telegram, dem Tatort für sein neuestes Opfer – Deutschrapper Fatoni. Dessen MusikvideoNein Nein Nein Nein Nein Nein“ stößt einem Anhänger Hildmanns äußerst negativ auf. Es folgt der bizarrste Shitstorm, den die Coronavirus-Sars-CoV-2*-Welt je gesehen hat. Noch skurriler ist nur Attila Hildmanns geplante Partei-Gründung auf Telegram*, auf die eine Attacke von Anonymous Germany gegen Hildmann folgte.

Autor:Attila Hildmann
Geboren:22. April 1981 (Alter 39 Jahre), Berlin
Größe:1,77 m
Eltern:Ursel Hildmann
Ausbildung:Freie Universität Berlin

Attila Hildmann: Anhänger vom Berliner Verschwörungstheoretiker echauffiert sich auf Telegram über Musikvideo von Fatoni

Fatoni ist ein Deutschrapper, der etwas unter dem Radar des Mainstreams agiert. Kein Bonez MC*, der stets für Eskapaden gut* ist, schon gar kein Capital Bra*, der mit seiner Musik permanent Platz eins der Deutschen Charts erobert - und mittlerweile das Label „Pizza-Millionär*“ in der Vita stehen hat. Nein, der Münchener Fatoni, der auf den bürgerlichen Namen Anton Schneider hört, steht weder für Skandale noch für den ganz großen kommerziellen Erfolg. Vielmehr ist es das Naturell des 35-Jährigen, Missstände anzuprangern und in zum Teil ironischer Manier Kritik zu üben.

Verschwörungstheoretiker und Vegan-Koch Attila Hildmann ist Teil des Musikvideos „Nein Nein Nein Nein Nein Nein“ des Deutschrappers Fatoni. (Screenshot)

Dies macht Fatoni auch im Song „Nein Nein Nein Nein Nein Nein“, Teil seines bereits im Juni 2019 veröffentlichtem Albums „Andorra“. Jedoch hat es rund ein Jahr gedauert, ehe der musikalische Rundumschlag auch ein Video spendiert bekommen hat. Inhaltlich thematisiert Schneider das Bedürfnis nach simplen Lösungen und Erklärungen, die vor allem dann als richtig erscheinen, wenn sich ihr Denker medial abschottet und nur das wahrnehmen will, was dem eigenen Weltbild entspricht. Dabei macht Fatoni auch keinen Halt vor Selbstkritik und rappt über sein 17-jährige Ich, dass die Welt plump in Gut und Böse unterteilt habe.

Im weiteren Verlauf des sechsfachen „Neins“ kommt das lyrische Ich auch in der Gegenwart an. „Ich würde ja gerne glauben, die halten mich dumm / Dass ich zu faul für Bücher bin, ist zwar die Wahrheit, aber nicht gerade der geilere Grund / Ich würde ja gerne glauben, die schalten mich stumm / Das ist ein viel geilerer Grund als: ´Es interessiert mich halt einfach nicht und darum halt ich den Mund´“, heißt es unter anderem in der dritten Strophe. Ein gefundenes Fressen für einen Anhänger aus Attila Hildmanns Telegram-GruppeFreiheits-Chat“, der zum Boykott gegen Fatonis Song bzw. Video aufruft.

Die wahrscheinlichen Gründe hierfür: zum einen projiziert das Gruppenmitglied „Trash_Demon“ die Zeilen auf den Gegenwind, der Hildmann und seinen Anhängern medial massiv entgegengebracht wird. Zum anderen ist in der visuellen Umsetzung nebst prominenten Verschwörungstheoretikern wie Xavier Naidoo, der mitunter als Teufel dargestellt wird, auch das Konterfei vom Vegan-Koch zu sehen. Eine offensichtliche Kritik am 39-Jährigen, der auf Telegram mittlerweile mehr als 66.000 Follower* hat, wie 24hamburg.de-Stars ausführlich berichtet. Übrigens: Mittlerweile muss sich auch gefragt werden, ob auch Moderator Jan Böhmermann zu den Coronavirus-Leugnern gehört*.

Attila Hildmann: Boykott gegen Deutschrapper Fatoni floppt - „Traurigster Shitstorm aller Zeiten“ auf Telegram

Der bereits angesprochene „Trash-Demon“ ruft im Rahmen der „Freiheits-Chat“-Gruppe dazu auf, Fatonis Musikvideo zu disliken. Dies gelingt jedoch nur bedingt. Die forcierte Sabotage des Like-Buttons scheitert auf ganzer Linie und 4578 positiven Bewertungen stehen nur 115 negative gegenüber (Stand: 1. Juli 2020, 15:00 Uhr). Der Twitter-UserHerr_M“ bezeichnet den gescheiterten Boykott dementsprechend als den „traurigsten Shitstorm aller Zeiten“.

Auch Fatoni selbst wird darauf aufmerksam (gemacht) und lässt mit einer ordentlichen Portion Ironie verlauten: „Habe es in den Telegram Chat von Attila Hildmann geschafft“. Dem angehängt sind drei zufrieden wirkende Smileys. Der Tweet an sich enthält schlicht das Wort „Lifegoals“, womit humoristisch darauf angespielt werden soll, dass der Deutschrapper ein Lebensziel erreicht hätte.

Warum erst rund ein Jahr nach dem Release von „Andorra“ das Musikvideo zur „Nein“-Aufzählung erfolgt ist, weiß Fatoni detailliert zu erklären. „Ich dachte die letzten Jahre immer wieder, das Thema Verschwörungsideologien ist dann auch mal durch. Die letzten Monate haben gezeigt, dass dem nicht so ist. Im Song ´Nein Nein Nein Nein Nein Nein´habe ich mir die Frage gestellt, was bei mir hätte anders laufen müssen, um heute zu glauben, dass die Welt von ein paar wenigen Echsen aus dem Keller einer Pizzeria gelenkt wird“, heißt es vom ehemaligen Schauspieler aus der bayerischen Hauptstadt.

Attila Hildmann selbst wird der gescheiterte Aufruf zum Boykott wahrscheinlich keinen Abbruch tun. Für ihn und seine Anhänger wird das Musikvideo von Fatoni nur eine Nuance, eine Randnotiz bleiben, die sie in ihrem Wahn aus Verschwörungstheorien und der Verbreitung dieser obskuren Ansichten nicht zurückwirft. Dabei ist der Vegan-Koch sonst als sehr kritikempfindliche Person bekannt, die Journalisten auch schon mal nötigt* und sie bedroht, wie 24hamburg.de berichtet.

Attila Hildmann: Verschwörungstheoretiker á la Xavier Naidoo - „Selbstverstümmelung deutscher Werte und Kultur“

Auch Soul-Barde Xavier Naidoo fällt nur noch durch seine Flat Earth-Theorien und abstruse Ansichten im Kontext von Coronavirus-Sars-CoV-2 auf. Der Mannheimer gibt sich solidarisch gegenüber Attila Hildmann und hetzt gegen Jesuiten*. In die Riege dieser prominenten Namen reihte sich zeitweilig auch Deutschrapper Sido ein, der mit seinen Verschwörungstheorien einen Shitstorm der obersten Güteklasse* evozierte. Mittlerweile hat sich der Berliner aber dazu geäußert und seine Aussagen relativiert. Sogar seine eigenen Fans haben Attila Hildmann mit einem Shitstorm überzogen*. Sie hatten einen Satirebeitrag nicht als solchen erkannt.

Das ist vom Vegan-Koch nicht zu erwarten. Der 39-Jährige scheut Konfrontationen nicht und fiel bereits vor der Pandemie im negativen Sinne auf. Schon 2016 polarisierte der Autor diverser Kochbücher mit seinen Aussagen im Kontext der europäischen Flüchtlingskrise. „Integration ist in Deutschland ein heikles Thema aufgrund der deutschen Vergangenheit, was zu einer aktuellen Selbstverstümmelung deutscher Werte und Kultur führt“, hieß es von Hildmann. Daraufhin sah das Magazin „Zündfunk“ des Bayerischen Rundfunks (BR) diese Aussage im Zusammenhang mit einer „Symbiose von Rechtsradikalismus mit grenzenloser Tierliebe“. Für Aufmerksamkeit ist also stets gesorgt. * 24hamburg.de und wa.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © YouTube/Fatoni

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