Erhebung der Uni Bielefeld

Antisemitismus im Gangsta-Rap: Studie enthüllt Deutschraps Schattenseite

  • Yannick Hanke
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Eine Studie der Uni Bielefeld offenbart Schockierendes: Antisemitismus wird durch Gangsta-Rap gefördert. Deutschrap am Pranger. Kommt auch Rassismus hinzu?

Bielefeld/Düsseldorf – Deutschrap hat mit Beginn der 2010er-Jahre einen Boom erlebt, der seinesgleichen sucht. Mittlerweile sind hohe Chart-Platzierungen und Klicks in Millionenhöhe auf Streaming-Portalen die Regel. Grenzen scheint es für hiesige Sprechgesangskünstler kaum zu geben. Schließlich wird nahezu jedes Tabu gebrochen. 187-Boss Bonez MC weiß das nur zu gut. Eine Studie der Universität Bielefeld beleuchtet nun die Schattenseiten des Hypes.

Rapper:Bonez MC
Geboren:23. Dezember 1985 (Alter 35 Jahre), Hamburg
Vollständiger Name:John Lorenz Moser
Musiklabels:Auf!Keinen!Fall!, Soulforce Records, DePeKa Records, 187 Strassenbande, Toprott Muzik, High & Hungrig Ent.
Musikgruppe:187 Strassenbande (Seit 2006)

Deutschrap-Studie: Uni Bielefeld ermittelt antisemitische Tendenzen im Gangsta-Rap

Das Lehrinstitut in Nordrhein-Westfalen hat für ihre Erhebung insgesamt 500 Jugendliche oder junge Erwachsene befragt. Der Studie der Universität Bielefeld zufolge hat das Subgenre des Gangsta-Raps negative Auswirkungen auf seine Hörer. Dies bezieht sich auf antisemitische und frauenfeindliche Einstellungen. Hiermit kennt sich Farid Bang nach seinem Echo-Skandal bestens aus.

Deutschrapper wie Farid Bang und 187-Boss Bonez MC stehen für das Subgenre „Gangsta-Rap“. Transportieren sie mit ihren Texten antisemitisches Gedankengut? (24hamburg.de-Montage)

Doch zurück zur Studie. Weibliche Konsumenten, aber auch Hörer mit Abitur wären von dem Deutschrap-Genre nicht so leicht zu beeinflussen. Die Studie hat Sabine Leutheusser-Schnarrenberger am Dienstag, 4. Mai 2021, in Düsseldorf vorgestellt. „Die Studie belegt erstmalig empirisch, dass Gangsta-Rap den Nährboden für spätere verfestigte antisemitische Einstellungen bereite“, heißt es von der Antisemitismusbeauftragten in Nordrhein-Westfalen.

Kampf gegen Antisemitismus: Ex-Justizministerin knöpft sich Deutschrap vor

„Wir dürfen nicht zusehen, wie Musiker Antisemitismus propagieren und mit gewaltverherrlichenden und frauenfeindlichen Texten Jugendliche indoktrinieren“, sagt Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Sie sieht in den Texten von Deutschrappern antisemitische Inhalte und befindet, dass die Hörer solcher Musik besagte Inhalte verinnerlichen. Gegenbeispiel ist übrigens Rapperin Shirin David, die sich klar gegen Xavier Naidoos Haltung positioniert.

Im Zeitraum zwischen 2019 und 2021 hatte das „Zentrum für Prävention und Intervention im Kindes- und Jugendalter“ der Universität Bielefeld Einzelinterviews sowie Gruppengespräche geführt. Dies wurde von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in die Wege geleitet. Ein Meinungsforschungsinstitut war ebenfalls beteiligt.

Gangsta-Rap fördert Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit – Forscher überzeugt

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Konsum von Gangsta-Rap und der Neigung, antisemitische und frauenfeindliche Aussagen zu teilen, gibt“, fasst Marc Grimm die Studie zusammen. Konträr zu vorherigen Aussagen, hält der Bielefelder Erziehungswissenschaftler Folgendes fest:

„Antisemitische und frauenfeindliche Einstellungen zeigen sich dabei auch bei HörerInnen mit höherem Bildungskapital“. Doch kann mithilfe der Deutschrap-Studie der Universität Bielefeld auch mit einem weit verbreitetem Vorurteil aufgeräumt werden. Denn das Subgenre des Gangsta-Raps werde nicht überdurchschnittlich häufig von Jugendlichen aus sozial benachteiligten Gesellschaftsschichten gehört, heißt es von der dpa.

Deutschrap: Unterschwellige Tendenz zu Antisemitismus? Rassismus-Verbindung widerlegt

Immerhin: Mehr als jeder dritte Befragte ist der Auffassung, dass Rapper in ihren Songs auf relevante, politische Themen aufmerksam machen. In diesem Fall ist die Rede vom sogenannten „Conscious Rap“, einer speziellen Form, deren Künstler sozialkritisch motivierte Texte verfassen. Nach Ansicht der Befragten würden antisemitische Anspielungen in Deutschrap-Songs „häufig nicht als solche erkannt und verstanden“ werden.

Ein Einfluss von Gangsta-Rap auf rassistische Tendenzen sei jedoch nicht messbar gewesen. „Damit liegen erstmals in einer Jugendbefragung Hinweise darauf vor, dass antisemitische Einstellungen unabhängig von rassistischen Einstellungen existieren“, heißt es von Forscherseite aus. Konkrete Namen werden nicht genannt. Möglicherweise äußern sich bekannte Vertreter des Genres noch zur angesprochenen Studie. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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