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Lahm boykottiert WM 2022 in Katar und richtet Forderung an DFB-Stars

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Von: Christoph Klaucke

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Philipp Lahm will nicht zur WM 2022 nach Katar fliegen. Der EM-Turnierchef erklärt seinen Boykott mit der Menschenrechtslage im Wüsten-Emirat.

München – Die WM 2022 in Katar bildet den Fußball-Höhepunkt des Jahres. Das Turnier im Wüsten-Emirat rückt immer näher – bedrohlich nahe würde manch Kritiker behaupten.

Wäre eine WM mitten im Winter mit dem Finale am 18. Dezember (alle Termine in der Übersicht) nur wenige Tage vor Weihnachten noch halbwegs zu verschmerzen, drückt die schwierige Menschrechtssituation in Katar schwer aufs Gemüt. So auch bei Philipp Lahm, der auf eine Reise in die Wüste sehr gerne verzichtet.

WM 2022: Philipp Lahm lässt Katar-Reise sausen

„Ich zähle nicht zur Delegation und bin nicht scharf darauf, als Fan hinzufliegen“, sagte der Weltmeister von 2014 im Interview mit dem kicker. „Da verfolge ich das Turnier lieber von Zuhause aus.“ Lahm, der bei der Heim-EM 2024 als Turnierdirektor in der Verantwortung steht, sieht die Ausrichtung des Großevents in Katar höchst kritisch.

Deswegen fordert der frühere Kapitän des FC Bayern München und Ehrenspielführer der Nationalmannschaft: „Menschenrechte sollten bei der Turniervergabe mit die größte Rolle spielen. Wenn ein Land den Zuschlag bekommt, das in dieser Beziehung mit am schlechtesten abschneidet, macht man sich schon Gedanken, nach welchen Kriterien da entschieden wurde.“

Philipp Lahm wird nicht zur WM 2022 nach Katar fliegen.
Philipp Lahm wird nicht zur WM 2022 nach Katar fliegen. © Nico Herbertz/Imago

Katar steht wegen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik, Frauen und andere Minderheiten werden in dem Emirat systematisch unterdrückt. Auf den Baustellen für die WM-Spielorte soll es zu tausenden Todesfällen gekommen sein, auch „sklavenähnliche Zustände“ soll es geben.

Lahm kritisiert WM-Vergabe an Katar – und nimmt DFB-Stars in die Pflicht

Neben der Menschenrechtssituation hätten auch die Themen Nachhaltigkeit und Größe des Landes „anscheinend keine Rolle“ bei der Vergabe gespielt, meinte Lahm.

Dass sich die deutschen DFB-Stars während der WM (21. November bis 18. Dezember) kritisch zur Veranstaltung äußern sollten, ist für den 38-Jährigen zwingend. „Als Spieler“, sagte er, „kommst du heute da gar nicht mehr drumherum“.

Lahm bei EM 2024: Kein Beckenbauer-Hubschrauber

Was das Thema Nachhaltigkeit angeht, will Lahm selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Als Turnierdirektor der EM 2024 will er im Gegensatz zu „Kaiser“ Franz Beckenbauer, der als WM-OK-Chef 2006 von Spiel zu Spiel quer durchs Land geflogen war, auf einen Hubschrauber verzichten.

„Es würde einfach nicht mehr in die Zeit passen. Das ist überhaupt keine Kritik an Franz, den wir damals ja alle dafür gefeiert haben, dass er bei jedem Spiel war. Das konnte ich damals total verstehen, heute wäre das anders“, erklärte Lahm. „Davon abgesehen: Ich bin eh nicht so der Hubschrauber-Fan.“ Das WM-Finale findet übrigens nicht in München, sondern in Berlin statt. (ck/dpa)

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