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WM 2022: St. Paulis Australier Irvine will in Katar auf „Veränderungen drängen“

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Von: Antonio José Riether

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Mit Australien könnte Jackson Irvine vom FC St. Pauli noch an der WM 2022 in Katar teilnehmen. Vor den anstehenden Qualifikations-Spielen übt er Kritik am Emirat.

Sydney/ Hamburg - In etwa zehn Monaten steigt das umstrittenste Fußball-Turnier seit Jahrzehnten, die WM 2022 in Katar. Mit Jackson Irvine steht ein Profi im Kader des FC St. Pauli, der sich mit der australischen Nationalmannschaft noch für die Weltmeisterschaft qualifizieren könnte. Vor den bevorstehenden Qualifikationsspielen gegen Vietnam und den Oman äußerte sich der 28-Jährige äußerst kritisch über das anstehende Großevent im Wüstenstaat.

Sportereignis:FIFA-Weltmeisterschaft 2022 in Katar
Eröffnungsspiel:21. November 2022
Finale:18. Dezember 2022
Tote Gastarbeiter auf WM-Baustellen:über 6,500 (nach Recherchen von The Guardian)

Fußball-WM 2022 in Katar: St. Paulis Jackson Irvine will „auf Veränderungen drängen“

Die Australier sind noch nicht qualifiziert, aktuell befinden sich die ‚Socceroos‘ in der dritten Ausscheidungs-Runde und könnten sich in vier verbleibenden Spielen die direkte Teilnahme an der WM 2022 sichern. „Ich weiß, wenn die Leute Gespräche wie diese lesen, denken sie: ‚Verdammt noch mal, wir sind in einer schwierigen Situation, um uns zu qualifizieren‘ und all diese Dinge“, meint Irving gegenüber den Tageszeitungen The Sydney Morning Herald und The Age. Trotzdem wollte der FC St.-Pauli-Spieler die Situation nutzen, um sich bezüglich des kontroversen Turniers zu positionieren.

Der Australier Jack Irvine positionierte sich klar gegen Katar.
Der Australier Jack Irvine positionierte sich klar gegen Katar. (24hamburg.de-Montage) © Tim Röhn/Beautiful Sports/imago

„Von der Sekunde an, in der wir aus dem Flugzeug steigen, beeinflusst ihr als Fußballer diese Gemeinschaften. Wir sind in einer einzigartigen Position, um auf dauerhafte Veränderungen zu drängen, und die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren und diesen Arbeitsmigranten ist der Ausgangspunkt, um diese Bedingungen zu verbessern“, ist sich Irvine sicher.

Fußball-WM 2022 in Katar: Australiens Spieler widersetzen sich offenbar ihrem Verband

Der australische Dachverband, der die Ausrichtung der WM 2034 in Erwägung zieht, soll die Nationalspieler davon abgehalten haben, das Katar-Turnier zu kritisieren. Dies berichten mehrere Quellen aus Down Under. Die Spieler widersetzen sich den Vorgaben und werden dabei von der australischen Spieler-Gewerkschaft unterstützt. Diese setzt auf Dialog und fädelte Gespräche mit Menschenrechtsgruppen und Arbeitsmigranten ein, um den Spielern eine Meinungsbildung zu ermöglichen.

Die Katar-WM 2022 sei „eines der Dinge, die wir von der Föderation getrennt haben“, meint Irvine diesbezüglich. „Als Spieler sind wir eine separate Einheit. Natürlich vertreten wir die Nationalmannschaft und sind stolz darauf, und der Verband spielt bei anderen Dingen eine Rolle, aber für uns ging es eher darum, dass wir es selbst tun und verstehen, dass das das Wichtigste ist“, fährt der zentrale Mittelfeldspieler fort.

Fußball-WM 2022 in Katar: Australier wollen „positive und dauerhafte Veränderungen“ bewirken

Nur wenige Spieler zeigen vor der Weltmeisterschaft klare Haltung. Viele Teams, etwa die deutsche Nationalmannschaft setzten im Vorfeld der WM 2022 symbolische Statements ab, allerdings ohne nachhaltigen Effekt. Vor dem WM-Quali-Spiel gegen Island trugen die DFB-Stars T-Shirts mit dem Aufdruck „Human Rights“, über die 6500 toten Gastarbeiter auf den Baustellen, Ausbeutung sowie Menschenrechtsverletzungen sprach der Verband jedoch zu keinem Zeitpunkt konkret. Katar spielt die Situation weiterhin herunter und leugnet die Berichte.

Am Ende des Tages können wir als Spieler keine Gesetze ändern, aber was wir tun können, ist Druck aus einer einflussreichen Position auszuüben, um positive und dauerhafte Veränderungen für die Menschen voranzutreiben.

Jackson Irvine, australischer Nationalspieler des FC St. Pauli

Beim australischen Team soll es anders laufen. Wenn sich die Nationalspieler des Inselstaats vor dem ersten Aufeinandertreffen gegen Vietnam in Melbourne treffen, wird die Situation in Katar Thema in der Kabine sein. „Am Ende des Tages können wir als Spieler keine Gesetze ändern, aber was wir tun können, ist Druck aus einer einflussreichen Position auszuüben, um positive und dauerhafte Veränderungen für die Menschen voranzutreiben, die unter diesen schrecklichen Bedingungen leiden, was wir wirklich wollen. Denn das Letzte, was sich jemand wünscht, ist, dass dieses Scheinwerferlicht nach der WM schwächer wird.“

Fußball-WM 2022 in Katar: St.-Pauli-Profi Irvine identifiziert sich mit Werten des Kiezklubs

Dass Irvine zu seinen Werten steht und dies kundtut, dürfte den Anhängern des FC St. Pauli durchaus gefallen. Der Aufstiegskandidat ist als linker Klub bekannt, Anhänger und Verein stehen für eine klare Haltung gegen Rassismus, Sexismus oder andere Formen der Ausgrenzung. „Die Werte des Vereins sind so klar. Sie können in dieser Gemeinschaft nicht bestehen, wenn Sie diese Werte nicht hochhalten und sich nicht aktiv engagieren. Das ist es, worum es geht“, so Irvine.

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Zuletzt liefen die Kiezkicker im Pokal gegen den BVB mit einem Ausweich-Trikot auf, auf dem das Wappen mit Regenbogenfarben überzogen wurde. Damit solidarisierte sich der Verein erneut mit der LGBTIQ+-Community – ein Thema, bei dem es in Katar gesetzlich gesehen keine zwei Meinungen gibt. Homosexualität ist im Emirat nach wie vor verboten, die Strafen sehen Auspeitschen oder Inhaftierung vor. (ajr) *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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