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Legende Trulsen rechnet mit St. Pauli ab – Aus „war eine schallende Ohrfeige“

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Von: Antonio José Riether

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Nach über 400 Pflichtspielen und rund zwanzig Jahren war für André Trulsen Schluss auf St. Pauli. Nun spricht er über das unvermittelte Aus bei „seinem“ Klub.

Hamburg – Der FC St. Pauli gilt als untypischer Profiklub im Millionengeschäft Fußball, bei dem eine ganz spezielle Stimmung herrscht. Besonders das soziale Engagement sowie die Verbundenheit zum Viertel sorgen auch überregional dafür, dass der Verein ein besonderes Ansehen genießt. Eine Vereinslegende der Kiezkicker liefert nun einen ganz anderen Einblick in den Klub und kritisiert den Umgang mit seiner Person.

André Trulsen
Geboren am (Alter):28. Mai 1965 (56) in Hamburg
Funktionen beim FC St. Pauli:Aktiver Spieler (1986 - 1991, 1994 - 2002, 2004 - 2005), Talent-Manager (2018 - 2020) Co-Trainer (2004 - 2007, 2008 - 2011, 2018 - 2020), Cheftrainer (2007/08)
Pflichtspiele für den FC St. Pauli:409 (31 Tore, 7 Assists)

André Trulsen kann ohne Zweifel als Ikone des FC St. Pauli bezeichnet werden. Insgesamt zwölf Jahre verbrachte er als Spieler bei den Braun-Weißen, später war er jahrelang in verschiedenen Positionen im Verein als Talent-Manager, Chefcoach sowie als Co-Trainer tätig. Bis das Verhältnis zwischen „Truller“ und dem FC St. Pauli im Sommer 2020 unvermittelt zerbrach, nachdem der Vertrag des heute 56-Jährigen nicht verlängert wurde.

FC St. Pauli: André Trulsen übt nach unfreiwilligem Abschied Kritik – „Verein hat uns im Unklaren gelassen“

Während der ersten pandemiebedingt unterbrochenen Saison 2019/20 lief bei St. Pauli offenbar einiges schief. Der Verein kämpfte um den Klassenerhalt und beendete die Saison auf dem 14. Tabellenplatz. Trulsen, dessen Assistenztrainer-Vertrag im selben Sommer enden sollte, wusste zu jener Zeit nicht, wie es mit ihm weitergeht. „Der Verein hat nicht mehr mit uns geredet, auch mit vier bis fünf Leuten aus dem Staff, bei denen die Verträge ausliefen“, erzählte er nun im ‚Kult-Kicker‘-Podcast. Man habe mit den Trainern schlicht „keine Gespräche gesucht“.

André Trulsen musste den FC St. Pauli im Sommer 2020 verlassen.
André Trulsen musste den FC St. Pauli im Sommer 2020 verlassen. © Sven Simon/Claus Bergmann/imago

Auch als der Verbleib in der 2. Bundesliga gesichert war, gab es kein grünes Licht vom Verein. „Wir haben noch bis zum 28. Juni Spiele absolviert, dann hat der Verein uns kommuniziert, dass der Trainer nicht weiter macht und uns im Unklaren gelassen“, so Trulsen. Man habe ihm lediglich mitgeteilt, dass ein neuer Cheftrainer kommt. „Der würde entscheiden, wer in seinem Team ist“, hieß es zu diesem Zeitpunkt.

FC St. Pauli: Enttäuschter Trulsen spricht offen über plötzliches Aus – „tut noch immer weh“

Nach der Saison 2019/20 folgte dann der Schock, denn genau wie Trainer Jos Luhukay wurde auch Trulsen nicht weiterbeschäftigt. „Das tat schon richtig weh, da hatte ich dran zu knabbern“, erinnert sich der langjährige Co-Trainer und geht noch etwas weiter: „Dass es so gekommen ist, wie es gekommen ist und ich keinen Vertrag bekommen habe, das war schon eine schallende Ohrfeige“.

Eineinhalb Jahre nach seiner Entlassung ist der ehemalige Innenverteidiger noch nicht ganz über seinen plötzlichen Abschied hinweg. „Es ist schade und tut immer noch weh, weil der FC St. Pauli trotz alledem immer noch mein Herzensverein ist“, muss er sich eingestehen. Eine Tatsache lässt ihm außerdem keine Ruhe. „Es hat noch keine Unterredung gegeben, da hat keiner den ersten Schritt gemacht. Es ist irgendwo ein bisschen schade, weil man keine richtige Erklärung bekommen hat“, meint Trulsen.

Trotz der Enttäuschung meint Trulsen dennoch, er werde „den Verein weiter verfolgen und die Daumen drücken, keine Frage“, auch beim bevorstehenden Stadtderby gegen den Hamburger SV am Freitag (Übertragung ab 18 Uhr im TV) drückt er seiner alten Liebe die Daumen. (ajr)

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