Präsidenten des FC St. Pauli im Gespräch

„Sonst hinterlassen wir einen Trümmerhaufen“: Klartext mit Oke Göttlich und Joachim Pawlik

  • Enno Eidens
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FCSP-Präsident Oke Göttlich und sein Vize Joachim Pawlik sprechen über die Coronavirus-Krise und den Fußball. Göttlich blickt in die Zukunft, Pawlik spricht über Empathie und schaut auf seine Karriere als Spieler beim FC St. Pauli zurück.

  • Oke Göttlich und Joachim Pawlik sind im Präsididum des FC St. Pauli.
  • Präsident Göttlich sprach über die Zukunft der Deutschen Fußball Liga (DFL).
  • Vize-Präsident Pawlik blickte zurück auf seine Karriere als Spieler beim FCSP.

Hamburg - Oke Göttlich, Präsident vom FC St. Pauli, hat am Sonntagabend über notwendige Veränderungen im Profi-Fußball gesprochen. Dabei betonte er vor allem, dass die DFL sich mehr auf Spieler und Fans einlassen muss. Einen anderen Aspekt bespricht Vize-Präsident Joachim Pawlik in einem Interview. Er betont, wie Zusammenhalt in Zeiten der Krise für Teams und Firmen funktionieren kann.

FußbalclubFC St. Pauli
Arena/StadionMillerntor-Stadion
TrainerJos Luhukay
Gründung15. Mai 1910, Hamburg
PräsidentOke Göttlich
FarbenBraun-Weiß

Präsidenten des FC St. Pauli sprechen über Vergangenheit und Zukunft des Fußballs

Die Diskussion um Veränderungen im Profifußball will Präsident Oke Göttlich vom FC St. Pauli nicht allein den Funktionären überlassen. „Wir müssen auch Spieler hören. Das sind die Sportler, die dieses Spiel ausmachen“, sagte der 44-Jährige am Sonntagabend in der Sendung „Sportgespräch“ des Deutschlandfunks. „Und wir müssen auch die Fans und die Fankultur hören über das, was völlig aus dem Ruder gelaufen ist.“

Die Fans und ihre Kultur müssen wieder mehr Einfluss auf den Fußball nehmen. 

Er habe in den vergangenen Wochen und Monaten viele Beiträge von Fangruppierungen gelesen, in denen mit großer Fachkenntnis Themen angesprochen werden, meinte Göttlich, der auch Mitglied des Präsidiums der Deutschen Fußball Liga (DFL) ist. „Der deutsche Fußball wäre doch doof, darauf nicht zu reflektieren und auch mal zu gucken, wo sind Dinge schiefgelaufen und wo guckt man sich bestimmte Themen genauer an.“

Oke Göttlich: „Der deutsche Fußball wäre doof, wenn er jetzt nicht reflektiert“

Der Hamburger Göttlich forderte, das „Dreieck aus Sport, Kultur - und auch Fans - und Wirtschaft“ neu zu justieren. „Denn in den letzten Jahren stand Wirtschaft an aller oberster Spitze. Da gehört ganz klar der Sport hin.

Der deutsche Fußball habe sich einem „internationalen Rattenrennen angeschlossen“. Dabei gehe es darum, wie die nächste Finanzierungsidee aussehe, um noch mehr Geld in das ganze System zu pumpen: „Wir müssen uns sämtliche Finanzierungsmöglichkeiten sämtlicher Vereine angucken und müssen dann auch mal eine Bewertung vornehmen dürfen: Was ist daran eigentlich gerecht?“

Bereits im April sprach der Hamburger Göttlich beim NDR über die Situation des deutschen Profi-Fußballs. Damals machte er sich Sorgen um die Fortsetzung der Bundesliga, schließlich war diese wegen des Coronavirus erstmal gestoppt. Für den FC St. Pauli hätte das übel ausgehen können. „Wir müssen den Betrieb irgendwie am Laufen halten, weil wir sonst einen Trümmerhaufen hinterlassen.“ Die Saison 2019/20 wurde nun fortgesetzt, der FCSP konnte sogar die erste Begegnung gegen Nürnberg für sich entscheiden.

Joachim Pawlik: Als Spieler vom Platz ins Präsidium des FC St. Pauli

Im Gespräch mit der Hamburger Zeit äußerte sich der Vize-Präsident vom FC St. Pauli, Joachim Pawlik über seine Zeit als Spieler beim FC St. Pauli. Damals sei er überheblich gewesen, hätte sich nicht genug um Freundschaften innerhalb der Mannschaft gekümmert. Deshalb sei er damals trotz seiner Fähigkeiten auf der Bank versauert.

Doch Joachim Pawlik habe damals gelernt, wie wichtig sozialer Zusammenhalt für Erfolg ist. Mit seiner Firma Pawlik Consultants macht er genau dies zum Thema in der Unternehmensberatung, bei Führungspersönlichkeiten. Der Firma geht es wegen der Coronavirus-Krise nicht besonders gut. Trotzdem habe er bisher keinen seiner rund 150 Festangestellten Mitarbeiter entlassen müssen.

Und so wie Göttlich empfiehlt, auf Spieler und Fans zu hören, richtet Pawlik sich mit Ratschlägen in Sachen Empathie an Führungskräfte. Man müsse Sorgen hören und sie verstehen, so Pawlik im Gespräch mit der Zeit. „Was du jetzt einbringst, bekommst du doppelt zurück. Menschen vergessen nicht, wer in der Not zu ihnen gehalten hat.“

dpa/ee

Rubriklistenbild: © Daniel Reinhardt/dpa/picture alliance

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