Hamburger Fußball-Klub boykottiert Soziale Medien

FC St. Pauli: Goodbye zu Twitter und Facebook – Aktion gegen Rassismus

  • Thanh Nguyen
    vonThanh Nguyen
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Vier Tage lang wird der Hamburger Fußballklub FC St. Pauli alle Aktivitäten in den sozialen Medien einstellen. Ein Statement gegen Rassismus! Die Hintergründe.

Hamburg – Beim FC St. Pauli bleibt der Bildschirm schwarz - zumindestens für die nächsten vier Tage! Der Fußball-Klub aus der Hansestadt, der in der zweiten Bundesliga aktuell auf Tabellenplatz sieben liegt, wird seine Aktivitäten von Freitagmorgen bis Montagabend bei Twitter, Facebook & Co ruhen lassen.

Die Kiezkicker von der Elbe schließen sich damit dem Boykott der sozialen Medien der englischen Premier-League-Vereine an. Ziel: Ein Zeichen setzen im Kampf gegen Rassismus, Hass und Hetze im Internet.

Fußballverein:FC St. Pauli
Gründung:15. Mai 1910
Liga:Zweite Bundesliga
Trainer:Timo Schultz
Vereinsfarben:Braun-Weiß

„In den vergangenen Wochen haben wir über Diskriminierungen und Hass berichtet. Menschen, die aufgrund ihrer Hautfarbe, (zugeschriebener) Herkunft oder Religion diskriminiert werden, haben mit uns ihre Erfahrungen geteilt“, teilte der Zweitligist vom Millerntor Stadion mit. „Eine immer größere Rolle spielen in diesem Kontext die sozialen Medien. Hass und Hetze im Netz in den Kommentarspalten werden zum Alltag. Dieses weltweite Problem muss angegangen werden. Von den Regierungen und aber vor allem von den Social-Media-Unternehmen.“

Bereits vor knapp zwei Wochen sorgte die Dokumentation „Schwarze Adler“ auf Amazon für Aufmerksamkeit, die die ungeschönte Wahrheit über Rassismus im Fußball – auch in der deutschen Nationalmannschaft - zeigt.

Die Dokumentation Schwarze Adler zeigt schockierende Wahrheit über Rassismus im deutschen Fußball. (24hamburg.de-Montage)

FC St. Pauli Schulter an Schulter mit FIFA, UEFA gegen Rassismus und Diskriminierung

Neben dem FC Sankt Pauli haben weitere Vereine und Fußball-Institutionen ihre Boykott-Teilnahme verkündet, darunter der Fußball-Weltverband FIFA sowie die Europäische Fußball-Union. UEFA-Präsident Aleksander Čeferin steht uneingeschränkt hinter der Initiative und erklärte, dass es notwendig sei, zu handeln, um der Verbreitung von Hass und Beleidigungen gegenüber Fußballerinnen und Fußballern sowie allen Fußballakteuren in den sozialen Medien Einhalt zu gebieten.

„Es gab Fälle von Beleidigungen auf dem Platz und in den sozialen Medien. Das ist nicht hinnehmbar und muss unterbunden werden – mithilfe staatlicher und gesetzgebender Behörden und der Giganten der sozialen Netzwerke. Eine Kultur des Hasses ungestraft heranwachsen zu lassen, ist gefährlich, sehr gefährlich – nicht nur für den Fußball, sondern für die Gesellschaft als Ganzes.

Es ist Zeit, dass der Fußball ein Zeichen setzt, und ich bin beeindruckt von der Solidarität, die Spielerinnen und Spieler, Vereine und andere Fußballakteure an den Tag legen. Ich bitte alle – Aktive, Vereine und Verbände – eindringlich, formal Klage einzureichen, wann immer Spielerinnen oder Spieler, Coaches, Unparteiische oder Funktionäre Opfer inakzeptabler Tweets oder Nachrichten werden. Wir haben genug von diesen Feiglingen, die sich in der Anonymität verstecken, um ihr ideologisches Gift zu verspritzen.“

Für die nächsten vier Tage stellt der FC St. Pauli seine Aktivitäten in den sozialen Medien ein. Ziel: Ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung setzen. (24hamburg.de-Montage)

Sankt Pauli boykottiert die Sozialen Medien - HSV noch nicht

Die beste Rückrundenmannschaft der 2. Liga sorgt damit nicht nur abseits des Fußball-Alltags für ein bemerkenswertes Ausrufezeichen. „Der FCSP zeigt sich solidarisch mit allen Menschen, die Opfer von Hetze und Diskriminierung in den sozialen Medien wurden. Dem Boykott wird sich auch die Lizenzmannschaft des FCSP anschließen.“

Auf dem grünen Rasen könnte es derzeit nicht besser laufen: Mit 31 Punkten steht das Team von Trainer Timo Schultz derzeit auf dem ersten Tabellenplatz der Rückrundentabelle. 10 Siege, ein Remis und nur drei Niederlagen erspielte das Team und befreite sich so schnell aus dem Tabellenkeller. Mittlerweile liegen die Kiezkicker nur noch fünf Punkte hinter ihrem Stadtrivalen Hamburger SV auf Platz drei. Geht da noch was in Richtung Aufstieg? Timo Schultz hält das für „unrealistisch“.

Der HSV hat sich noch nicht geäußert, ob er an dem Boykott der sozialen Medien teilnehmen wird. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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