Exklusives Interview mit Towers-Hauptgesellschafter

Hamburg Towers in BBL: Tomislav Karajica – „umgeben von Zockern“

Dem Hamburger Investor Tomislav Karajica liegen die Hamburg Towers am Herzen. Er hoft, dass die Türme in der BBL schon bald ganz oben mitmischen können.
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Dem Hamburger Investor Tomislav Karajica liegen die Hamburg Towers am Herzen. Er hoft, dass die Türme in der BBL schon bald ganz oben mitmischen können.
  • Thanh Nguyen
    vonThanh Nguyen
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Die Hamburg Towers haben einiges vor. Im Exklusiv-Interview redet Hauptgesellschafter Tomislav Karajica mehr über die Zukunft der Türme in der BBL und in Hamburg.

Hamburg – Vor einem Jahr standen die Basketballer der Hamburg Towers als Bundesliga-Neuling kurz vor dem Abstieg, ehe die Corona-Pandemie die Saison vorzeitig beendete und die Türme in der Liga bleiben konnten. Nun liegen die Basketballer von der Elbe in der BBL auf Playoff-Kurs.

Eine solch rasante Entwicklung mag überraschend daher kommen, aber dahinter steckt jede Menge Arbeit. Einer der Architekten des Erfolges ist Tomislav Karajica, Investor und Hauptgesellschafter des Wilhelmsburger Klubs.

Im exklusiven Interview mit 24hamburg.de spricht der gebürtige Stellinger über die Towers, eine neue Heimstätte für die Türme sowie weitere Projekte in der Hansestadt.

Herr Karajica, die Hamburg Towers sind nach einem schwierigen ersten Jahr in der BBL auf Playoff-Kurs. Sind Sie zufrieden oder sogar überrascht über den Aufschwung?
Wir waren schon vor der Saison optimistisch und der Meinung, dass wir ein sehr gutes Team zusammen haben. Dazu kam mit Pedro Calles ein sehr guter Trainer hinzu. Daher bin ich bedingt positiv überrascht. Wir hatten die Hoffnung, aber dass es dann so kommt, ist eine große Bestätigung unserer Arbeit.
Was haben Sie geändert, damit der Erfolg kam?
Die Infrastruktur und die Rahmenbedingungen passten vorher auch schon. Aber wir haben einen sehr engagierten Trainer geholt, der noch eine Schippe drauflegen konnte. Dazu kam ein Team, das sich sehr schnell gefunden hat und harmoniert. So stellt sich der Erfolg ein, die Mannschaft glaubt an sich und hat einen Lauf. Die Hinserie ist sehr gut gelaufen und wir hoffen, dass der Spirit auch in der Rückserie hält und wir uns auf den Playoff-Plätzen festbeißen können. 
Könnten die Türme auch irgendwann um die Meisterschaft mitspielen?
Man muss immer Ziele haben. Aber das ist sicherlich nichts Kurzfristiges. Es bedarf noch einiger Verbesserungen. Unter den heutigen Bedingungen ist es schwer vorstellbar. Von den Budgets von Bayern oder ALBA sind wir noch meilenweit entfernt.
Wir versuchen, viel Drumherum aufzubauen und perspektivisch den Blick nach vorne zu richten. Wir wollen immer weiter angreifen und alles machen, dass die Meisterschaft irgendwann realistisch wird.
Das „Projekt Hamburg Towers“ ist durchaus etwas Besonderes: Stark verwurzelt im Stadtteil, sehr sozial – hat das Vorbildfunktion?
Auf jeden Fall. Der ein oder andere in Deutschland oder Europa geht mit ähnlicher Denkweise heran, weil man sieht, was wir in Hamburg geschafft haben. Man wird deutschlandweit von Menschen angesprochen, die das Projekt kennen – aber nicht nur den Basketball, sondern die ganze Idee. Das zeigt, dass es etwas Besonderes ist und auch so wahrgenommen wird. Daher haben wir durchaus Vorbildfunktion.
Wo sehen Sie die Towers in zehn Jahren?
Auf Augenhöhe mit Bayern und ALBA im Meisterkampf, dazu europäische Top-Teams, die nach Hamburg kommen, um im Elbdome gegen die Towers zu spielen!
Stichwort Elbdome. Seit langer Zeit träumen Sie davon, diese Mehrzweckhalle in Hamburgs Süden zu bauen, unter anderem als neue Heimstätte der Towers. Wie ist der aktuelle Stand?
Generell wartet die gesamte Stadt darauf, aber aktuell bedarf es einer klaren Analyse der Politik. Wir pochen auf diese Entscheidung, weil uns die Zeit davonläuft. Schon wieder ist eine Saison vorbei und wir haben immer noch kein Grundstück, wo der Elbdome final gebaut werden kann. Wir machen Druck und der Druck wird größer. Da gibt es unseren sportlichen Erfolg und die HSV Handballer, die ja vor dem Aufstieg in die erste Liga stehen. Dann hätten wir schon zwei Klubs, die in der ersten Liga für nachhaltiges und professionelles Arbeiten diese Infrastruktur bräuchten. Der Erfolg der Towers macht eine solche Halle notwendig. Wenn der europäische Wettbewerb kommt, haben wir noch mehr Gründe kreiert, warum man in so eine Halle spielen bzw. Spiele sehen möchte.
Es ist schon sehr schade, dass man den Hamburgern nicht die Chance gibt, an solchen Events teilzunehmen. Wenn wir uns aus städtischen Gesichtspunkten in den höheren Sphären in der BBL positionieren wollen, dann wird es ohne eine solche Halle nicht gehen.
Gibt es noch mehr Gründe PRO Elbdome?
Es ist einfach eine große Chance nicht nur im Handball und Basketball, sondern auch im e-Sport. Eine solche Halle könnte allen Bedürfnissen gerecht werden und man hätte die Chance, sich zeitgemäß aufzustellen. Generell können aktuell gewisse Veranstaltungen nicht in Hamburg stattfinden, weil es so eine Halle in dieser Größe nicht gibt. Hamburg wird umfahren von Konzerten oder Veranstaltungen, weil die Barclaycard Arena zu groß ist und der Rest zu klein. Man begnügt sich mit anderen Städten. Die Veranstaltungsbranche braucht und will eine solche Halle.
Wünschen Sie sich ab und an mehr Unterstützung aus der Politik?
Wir haben ja viele Projekte am Laufen, daher passiert an irgendeiner Stelle immer irgendetwas. Natürlich nervt es manchmal schon, weil es zu lange dauert. Aber ich verstehe auch die Stadt und die Verwaltung bei solch komplexen Sachverhalten und Thematiken. Aber an der ein oder andere Stelle könnte es durchaus mal schneller gehen. Aber alles in allem passt es schon. Wir sind in einem konstruktiven Austausch.
Und wie sieht es konkret beim Elbdome aus?
Beim Elbdome haben wir nicht das Gefühl, dass er nicht gewollt ist. Da ist die Fragestellung halt sehr kompliziert. Nichtsdestotrotz würde ich mir mehr Tempo wünschen. Aber auf anderen Seiten ist der Konsens ja da, dass der Elbdome kommen soll. Es gibt Rückendeckung, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass es irgendwann passieren wird.
Sollten Sie den Zuschlag erhalten. Wann geht es los? Wann wäre die Halle fertig?
Dann würde man konkret in die technische Planung einsteigen. Ich würde mal sagen, dass es nach dem Zuschlag drei bis vier Jahre dauert, bis der Ball rollen kann.
Ein Konkurrent auf den Standort auf der Veddel ist die Hamburger Hochbahn. Sie hatten mal ins Gespräch gebracht, deren Projekt zu integrieren. Das stieß eher auf Ablehnung. Gab es nochmal Gespräche?
Wir können uns das auf jeden Fall vorstellen und sind offen dafür. Der erste Schritt muss aber politischer Natur sein. Was will die Politik? Erst dann können wir über andere Dinge sprechen. Der Ball liegt bei der Politik bzw. der Verwaltung.
Zu guter Letzt: Das Gaming-House in Bergedorf. Ist das das nächste spannende Projekt in Hamburg?
Aktuell sind wir in einer spannenden Konzeptionierungsphase. Ziel ist, dass wir erste Bereiche des Gebäudes in diesem Jahr aktivieren. Wir wollen es Stück für Stück transformieren und öffnen. In der zweiten Jahreshälfte wird es spätestens etwas geben.
Ziel: eSport-Hauptstadt Hamburg?
Ob wir ganz nach oben vorpreschen, muss man abwarten. Aber es ist definitiv unser Anspruch. Wir werden eine der wichtigsten Adressen in Europa sein. Sicherlich wird auch in anderen Ländern und Städten das ein oder andere Projekt gestartet. Aber mit den Dingen, die wir hier planen, werden wir eine der Hauptadressen in Europa werden. Daran müssen wir uns messen lassen. Wir wollen Big Events nach Hamburg holen, aber auch kleinere Events oder Business Workshops werden dazugehören. Wir wollen global ein Anlaufpunkt sein, wo man sich trifft und Gedanken macht, wohin die Reise geht und was man machen kann.
Sind Sie persönlich auch ein Zocker?
(lacht) Nein, war ich nie – aber umgeben von Zockern und durchaus ein leidenschaftlicher Fan unserer Unicorns of Love. Und was nicht ist, kann ja noch werden.

Einen ausführlichen Artikel über die Thematik „Elbdome“ wurde bereits gestern veröffentlicht. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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