1. 24hamburg
  2. Sport
  3. Regionalsport

„Im Krieg gibt‘s nur Verlierer“: Emotionaler Post von St. Pauli-Legende Boll

Erstellt:

Von: Jan Knötzsch

Kommentare

Der Krieg in der Ukraine bewegt überall auf der Welt Menschen. Auch im Fußball. Eine Legende des FC St. Pauli äußert sich: Fabian Boll findet bewegende Worte.

Hamburg – Soziale Netzwerke sind Fluch und Segen zugleich. Das weiß unter anderem auch der Hamburger SV, der eines der unbeliebtesten Teams auf Twitter ist. Klar, hinter dem Deckmantel eines Accounts, der nicht mal einen Klarnamen beinhalten muss, lässt sich in jedem der Sozialen Netzwerke – ob nun Twitter, Instagram oder Facebook – viel Müll und Unsinn absondern. Ganz zu schweigen von der unrealistischen Welt, die viele bei Instagram ihren Followern vorgaukeln. Doch gänzlich verteufeln muss man die Sozialen Netzwerke dann auch wieder nicht, eignen sie sich doch hervorragend auch als Sprachrohr für den, der etwas mitzuteilen hat.

Im guten Sinne, versteht sich. So wie Fabian Boll. Der Ex-Kapitän des FC St. Pauli – mithin ein Legende am Millerntor so wie Uwe Seeler beim HSV – hat sich in einem höchst emotionalen Post auf Facebook über den Ukraine-Krieg geäußert und erhält viel Zuspruch für seine deutlichen, zugleich aber auch ungemein bewegenden Worte.

Ex-Fußballspieler:Fabian Boll
Geboren:16. Juni 1979 (Alter 42 Jahre), Bad Bramstedt
Aktueller Verein/Tätigkeit:Co-Trainer bei Holstein Kiel
Zeit beim FC St. Pauli:2002 – 2014 (FC St. Pauli), 2014 – 2016 (FC St. Pauli II)

„Papa, was ist eigentlich ein Weltkrieg?“: Ex St. Pauli-Kicker Fabian Boll berichtet in Facebook-Post über besorgte Frage seiner Tochter

„Papa, was ist eigentlich ein Weltkrieg?“, beginnt der Post von Fabian Boll, der jahrelang unweit der Reeperbahn auf St. Pauli die braun-weißen Farben des aktuellen Zweitligisten aus der Hansestadt Hamburg getragen hat. Diese Frage, so Boll in seinem Facebook-Post von Freitagvormittag, 4. März 2020, habe ihm am Vorabend seine achtjährige Tochter gestellt. Boll schreibt weiter: „Eine 8-jährige, aufgewachsen in Hamburg, Deutschland sollte sich so eine Frage nicht stellen müssen. Generell wäre mein Wunsch, dass sich niemand mehr so eine Frage stellen müsste.“ Aus seiner Sicht sei der Krieg in der Ukraine „anders als die, die man bislang so medial verfolgt hat. Dieser Krieg ist dichter, realer und somit erschütternder und natürlich auch angsteinflößender.“

Im Hintergrund FC St. Pauli-Fahnen. Im Vordergrund Ex-St. Pauli-Spieler Fabian Boll. Im kleinen Bild links oben: ein Panzer im Ukraine-Krieg.
FC St. Pauli-Legende Fabian Boll – aktuell Co-Trainer bei Holstein Kiel – hat sich mit einem bewegenden Post zum Ukraine-Krieg auf Facebook zu Wort gemeldet. (24hamburg.de-Montage) © ITAR-TASS/Picture Pint/Hartenfelser/imago

Wenn er, so Boll, „tagtäglich die Bilder sehe von Frauen und Kindern, die sich von ihren Ehemännern/Vätern trennen müssen und ich mir dann nur mal ganz grob vorstelle, wie ich mein gesamtes Hab und Gut zurücklassen und meine Familie (vielleicht für immer) verabschieden und ins Ungewisse schicken müsste – wird mir ganz anders.“ Ihm wolle, „einfach nicht in den Kopf, dass es heutzutage nach wie vor möglich ist, dass ein (!) alter, offenbar verbitterter, mit wahnhaften Großmachtsfantasien ausgestatteter Mann es tatsächlich mit ein paar Gefolgsleuten schafft, Millionen (!) von Menschen ins tiefste Unglück zu stürzen und die komplette Weltordnung über Bord zu werfen.“

„Dieser Angriffskrieg ist nur eins und zwar eine riesengroße Schei*e“: St. Pauli-Legende Fabian Boll wird auf Facebook deutlich

„Ich stelle mir dann tatsächlich die Frage, dass doch selbst so einer wie Putin eine Mutter gehabt haben muss. Was würde die denn jetzt so von ihrem Sohn halten? Wladi… das war ne tolle Idee???“, führt „Boller“ wie der Ex St-Pauli-Kicker mit Spitznamen gerufen wird, in seinem Facebook-Post aus und fügt hinzu: „In dem ganzen militärischen Bums sollte doch auch jmd mal laut darüber nachdenken, dass dieser Angriffskrieg einfach nur eines ist und zwar eine riesengroße Scheiße!
Es gibt doch kein einziges Beispiel auf der Welt, wo ein Krieg irgendwas sinnhaftes zu Tage gefördert hat. IM KRIEG GIBT ES NUR VERLIERER!!! Dazu muss man jetzt nicht mal Raketenwissenschaft studiert haben, um das zu erkennen.“

Seine „leise“ und „vielleicht auch total naive Hoffnung“, lässt Boldt, der aktuell in seinem Amt als Co-Trainer von Holstein Kiel in der Zweiten Liga ein direkter Konkurrent des HSV und des FC St. Pauli um Trainer Timo Schultz ist, „liegt tatsächlich darin, dass das russische Volk sich nicht unterkriegen lässt und die jetzt schon zahlreich stattfindenden Proteste und Friedensdemos im Land immer mehr Zulauf bekommen.“ Er könne dies, sagt Boldt, leicht sagen, da er in Deutschland fernab des Ukraine-Krieges „warm und trocken sitze und erst einmal nichts zu befürchten habe, natürlich leicht sagen.“

Riesiges Echo auf Fabian Bolls Facebook-Post: So reagieren die Fans auf die Worte des Ex FC St.Pauli-Kapitäns

Aber: „Die Geschichte hat ja schon einmal gezeigt, dass es möglich ist, dass ein Volk ein verirrtes Regime stürzen kann.
Warum ich das hier alles schreibe? Keine Ahnung! Wahrscheinlich, weil es einfach mal raus muss. Weil ich es – ich wiederhole mich – einfach 0,0 greifen kann, dass das gerad alles passiert und weil ich Hilflosigkeit spüre und das wohl irgendwie kompensieren muss“, beendet St. Pauli-Legende Fabian Boll seinen bewegenden Post bei Facebook und erhält viel Zuspruch von seinen Fans und Followern, die den Äußerungen des Ex-St. Pauli-Kapitäns nur positiv gegenüberstehen.

24hamburg.de-Newsletter

Im Newsletter von 24hamburg.de stellt unsere Redaktion Inhalte aus Hamburg, Norddeutschland und über den HSV zusammen. Täglich um 8:30 Uhr landen sechs aktuelle Artikel in Ihrem Mail-Postfach – die Anmeldung ist kostenlos, eine Abmeldung per Klick am Ende jeder verschickten Newsletter-Ausgabe unkompliziert möglich.

„Danke für diesen Post. Du sprichst mir aus der Seele. Dieselbe Frage hat mir mein 7-jähriger Sohn ebenfalls gestellt“, kommentiert eine Userin, während eine andere Facebook-Nutzerin schreibt: „Du hast ja so recht. Ich könnte ausflippen über diese Sinnlosigkeit und das Elend was hier über die Menschen gebracht wird.“ Und ein weiterer Follower des ehemaligen FC St. Pauli-Spielers reagiert wie folgt auf den Post von Fabian Boll: „Boller, besser hätte man diese Worte nicht wählen können, Chapeau!“ 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare