Heimatloser HSV

Handball in Hamburg: Vertreibt die Stadt den Klub nach Kiel?

  • Jan Knötzsch
    vonJan Knötzsch
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Die HSV-Handballer sind Erster in der Zweiten Bundesliga. Rosige Aussichten. Trotzdem gibt‘s Stress. Das Team ist heimatlos. Hat die Sportstadt Hamburg versagt?

Hamburg – Das gibt‘s nicht? Doch, das gibt‘s! Die sportliche Situation der Handballer des HSV in der Zweiten Bundesliga ist optimal – und trotzdem ist die Stimmung im Keller!

Was ist passiert? Der Erfolg ist auf Seiten der Handballer aus der Hansestadt Hamburg da. Auf anderer Eben aber wird der Verein torpediert. Denn: Die HSV-Handballer stehen ohne Heimspielstätte da! Weil sie die Sporthalle Hamburg in Alsterdorf nicht mehr nutzen können. Und weil es keine Alternativen gibt. Haben Sportstaatsrat Christoph Holstein und der Hamburger Senat das Top-Team im Stich gelassen, gar vertrieben?

Handballverein:HSV Hamburg
Gegründet:1999
Ligazugehörigkeit:Zweite Bundesliga
Geschäftsführer:Sebastian Frecke Jürgen Rütsch
Trainer:Torsten Jansen

Handball in Hamburg: Haben Stadt und Sportstaatsrat Christoph Holstein versagt?

Harter Tobak, klar! Aber die Frage muss erlaubt sein. Denn die Vorgeschichte lautet so: Das Bezirksamt Nord hat in der vergangenen Woche die Sporthalle Hamburg gesperrt. Wegen Mängeln in der Dachkonstruktion. Vorläufig, wie die Behörden mitteilen. Ihr Heimspiel gegen den VfL Lübeck-Schwartau spielten Hamburgs Vorzeige-Handballer in ihrer Trainingshalle am Volkspark, der „q.beyond-Arena“. Ein kurzzeitiger Zustand, aber keine Dauerlösung. Die aber braucht der HSV Handball. Ein Fall, in dem eigentlich Sportsenator Christoph Holstein helfen müsste. Doch die Lage ist schwierig.

Wir müssen leider draußen bleiben: HSVH-Geschäftsführer Sebastian Frecke schlägt die Hände vors Gesicht – ist Sportstaatsrat Christoph Holstein (rechts) schuldig?

Denn: Der Begriff vorläufig ist offensichtlich dehnbar. Und sorgt bei Sebastian Frecke für Kopfschmerzen. Der HSVH rechnet mit dem schlimmsten aller Fälle: dass die Sporthalle Hamburg in Alsterdorf acht Monate lang dicht sein wird. Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, ist dies nicht unrealistisch: Experten gehen sogar von einer noch längeren Sperrung aus, da schwere Betonplatten die Dachkonstruktion über den Tribünen über eine bestimmte Norm herunter drücken. Ingenieure sollen sich das Problem ansehen – die Dauer: zwei Monate.

Handball in Hamburg: HSVH-Geschäftsführer Sebastian Frecke mächtig angefressen – „für eine Weltstadt ist das absurd“

Erst danach kann ein Bauauftrag für die städtische Anlage ausgeschrieben werden. Das nächste Problem wartet dann aber auch schon: der bestehende Denkmalschutz könnte für weitere Verzögerungen sorgen. „Niemand weiß, wann die Sporthalle Hamburg wieder bespielbar sein wird“, sagt Sebastian Frecke, „einerseits traue ich den Verantwortlichen eine schnelle Lösung zu. Andererseits hat uns die Vergangenheit häufiger etwas anderes gelehrt. Will wohl heißen: Die Mühlen der Sportpolitik malen langsam. Weil der Handball hinter den Fußballern vom Hamburger SV und FC St. Pauli nur die Nummer drei im Sport ist?

Der Umzug in eine andere Halle ist unvermeidbar. Allein schon, weil der HSV aufgrund der Lizensierung für die nächste Saison eine Halle „für 3000 bis 4000 Besucher“ haben muss, wie der HSVH-Geschäftsführer erläutert. Das Problem ist aber: „In Hamburg gibt es keine guten Optionen.“ Die edel-optics.de-Arena in Wilhelmsburg? Dort kann im Gegensatz zu den Basketball-Spielen der Hamburg Towers eine Tribüne nicht ausgefahren werden. Also zu wenig Kapazität. Auch die Neugrabener CU-Arena ist mit 1800 Plätzen deutlich zu klein.

Handball in Hamburg: Letzter Ausweg Kiel – spielen die HSV-Handballer bald in Schleswig-Holstein?

Aber es gibt einen Rettungsanker! Die Barclaycard-Arena neben dem Volksparkstadion. Sie fässt 13.200 Sitzplätze und das passt. Allerdings mit Haken: Sie ist nahezu komplett ausgebucht. Die Politik um Sportstaatsrat Christoph Holstein bemüht sich zwar eine Lösung zu finden, wie das Hamburger Abendblatt berichtet. Aber: „Für eine Weltstadt wie Hamburg ist das absurd. Wir haben jetzt das Problem, das alle immer prophezeit haben“, ist Sebastian Frecke angesäuert. Den HSV-Handballern bleibt damit nur eins: die Flucht aus der Stadt von Elbe und Alster.

Für eine Weltstadt wie Hamburg ist das absurd. Wir haben jetzt das Problem, das alle immer prophezeit haben.

- HSVH-Geschäftsführer Sebastian Frecke -

Vertreibt Christoph Holstein die Vorzeige-Handballer damit nach Kiel? Die „Wunderino-Arena“ von Handball-Bundesligist THW Kiel hätte ebenso wie die Flens-Arena der SG Flensburg-Handewitt die entsprechende Größe. Beide Hallen sind vergleichsweise weit weg von Hamburg. Zu weit. Dem Vernehmen nach schließt der HSVH beide Optionen aus. Und sucht weiter. Immerhin schon sicher: Ab dem 9. Mai hat der HSVH für die letzten drei Heimspiele die Barclaycard Arena geblockt. An diesen Terminen war sie frei. Ein Glücksfall. Oder bald doch eine Dauerlösung? * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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