HSV auf dem 2. Platz

So gut war der HSV wirklich: „Jetzt jagen wir Bielefeld!“

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Mittendrin statt nur dabei: Der HSV hat zwar trotz guter Leistung nur einen Punkt aus Fürth mitgenommen, sich dafür aber tabellarisch verbessert. Jetzt kündigen die Rothosen den Angriff auf Spitzenreiter Bielefeld an.

  • Hamburger SV: Remis in Fürth reicht für Platz zwei.
  • Dieter Hecking und Adrian Fein: Jagd auf Bielefeld eröffnet.
  • 24. Mai 2020, 13:30 Uhr: Gipfeltreffen in 2. Bundesliga.

Fürth/Hamburg - Der Hamburger SV hat unter der Leitung von Trainer Dieter Hecking viel probiert, am Ende jedoch nur einen Punkt aus dem Fürther Sportpark Ronhof mitgenommen. Nach der durch das Coronavirus-Sars-Cov-2 bedingten Zwangspause lieferten sich der Tabellendritte und der Tabellenfünfte am 26. Spieltag der 2. Bundesliga einen hitzigen Schlagabtausch. Die überwiegend gute Leistung der Rothosen zahlte sich jedoch nicht dreifach aus, da ein Ex-Braunschweiger den berühmten Last-Minute-Ausgleich erzielte.

FußballvereinHamburger SV
TrainerDieter Hecking
Kapazität57.000 (Volksparkstadion)
VorsitzenderMarcell Jansen
Gründung29. September 1887, Hamburg

Hamburger SV: Coach Hecking überrascht mit Aufstellung gegen Fürth

Trainer-Veteran Dieter Hecking, der mit Hannover 96 und dem VfL Wolfsburg bereits zwei weitere Nordclubs trainierte, ist immer wieder für Überraschungen gut. So auch in der Partie gegen die Fürther Kleeblätter: Zum ersten Mal seit Ende Oktober stand Josha Vagnoman wieder auf dem Platz und verdrängte damit Abwehrchef Rick van Drongelen.

Doch damit nicht genug: Auch der Spanier Jairo Sampeiro kam zu seinem Startelfdebüt in dieser Saison. Im Vergleich zum 2:1-Sieg gegen Regensburg, der nunmehr über zwei Monate zurückliegt, durften zudem Joel Pohjanpalo und Jeremy Dudziak von Beginn an spielen. Prominente Namen wie Louis Schaub und Martin Harnik mussten sich das Geschehen auf dem Rasen zunächst von der Bank aus ansehen. Christoph Moritz stand gar nicht erst im Spieltagskader.

Hunt überragt in Geisterspiel-Kulisse

Neben den beiden Torschützen Dudziak und Pohjanpalo wussten vor allem Bakery Jatta und Aaron Hunt, der laut „kicker“ notenbeste Spieler des HSVs, zu überzeugen. In ungewohnter Geisterspiel-Kulisse zeigten die Mannen von Hecking vor allem in der zweiten Halbzeit eine mehr als beachtliche Leistung.

Umso enttäuschter zeigte sich Pohjanpalo nach Spielende. „Es ist sehr bitter und schade, dass wir heute nur einen Punkt mitgenommen haben. Wir müssen in der zweiten Hälfte das dritte Tor nachlegen, dann ist das Spiel entschieden“, bemängelte der Finne fehlende Durchschlagskraft.

Rothosen im Rückstand: HSV zeigt Moral

Havard Nielsen (ganz links) prägte das Spiel seiner Fürther, HSV-Kapitän Aaron Hunt (ganz rechts) dirigierte das Mittelfeld seines Teams.

Zunächst ging es für den Ex-Bundesliga-Dino jedoch darum, den Führungstreffer von Greuther Fürth zu egalisieren Das Team von Trainer Stefan Leitl verfügte in der ersten Halbzeit über mehr Spielanteile, fand in der HSV-Abwehr jedoch lange kein Durchkommen. Mit der ersten Chance der Mittelfranken sollte sich dies ändern.

Nach Vorlage von Maximilian Wittek war es in der 35. Spielminute dem ehemaligen Braunschweiger Havard Nielsen vorbehalten, den Traditionsverein aus Hessen in Führung zu köpfen. Ließen die Hamburger in der Vergangenheit bei einem Rückstand schnell den Kopf hängen, zeigte der 1887 gegründete Club dieses Mal sein anderes Gesicht.

Dieter Hecking mit glücklichem Händchen: Joker bringen HSV in die Spur

„Gerade nach dem Gegentreffer haben wir eine gute Reaktion gezeigt und sehr zielstrebigen Fußball gespielt", nimmt Adrian Fein vorweg, was sich im Folgenden abspielen sollte. Der gut aufspielende Jatta bediente Verteidiger Tim Leibold, der wiederum an den zweiten Pfosten flankte. Der Abnehmer: Pohjanpalo, ebenfalls per Kopf, dessen Treffer zum 1:1-Ausgleich gleichzeitig den Halbzeitstand darstellte.

Der 55-jährige Hecking, bekannt als Mann der klaren Worte, scheint eben diese in seiner Halbzeitansprache gefunden zu haben. Und auch bewies der HSV-Trainer ein glückliches Händchen, was seine Personalwechsel anging. Der Platzverweis gefährdete Jairo wurde gegen Sonny Kittel ausgetauscht, der maßgeblich an der Führung der Rothosen beteiligt war.

Den Führungstreffer des Hamburger Sportvereins leitete Kittel mit einem Antritt über links ein und setze dabei Kapitän Hunt geschickt in Szene. Der ehemalige Bremer ließ für Dudziak abprallen, der den Ball aus halblinker Position präzise im langen Eck versenkte. Alles gut soweit? Mitnichten.

HSV vergibt Konter, Fürth zu unpräzise

Die 2:1-Führung fiel kurz nach Wiederanpfiff in Spielminute 48 und der HSV versäumte es, sich ein bequemes Polster zu erarbeiten. Während die Rothosen beste Konterchancen vergaben (Pohjanpalo, Jatta), mühten sich die Fürther vergeblich und zeigten sich im Offensivspiel viel zu unpräzise.

Lediglich ein Schuss von Branimir Hrgota in der 89. Minute führte in die Arme von HSV-Schlussmann Daniel Heuer Fernandes. Doch gemäß Sepp Herberger dauert ein Spiel 90 Minuten - oder sogar länger. Dies machten sich die Fürther zunutze und steckten bis zum Schluss nicht auf.

Last-Minute-Gegentor: Chaotischer HSV verschenkt Sieg

Denn in der vierten Minute der Nachspielzeit, Sekunden vor dem Abpfiff, bekam die Spielvereinigung noch einen Eckball zu gesprochen. Die ansonsten solide agierende Abwehrformation des HSVs zeigte sich desorientiert und ließ Chaos im eigenen Strafraum walten.

Der Nutznießer war in diesem Fall erneut Havard Nielsen, der das Spielgerät vom eingewechslten HSVler van Drongelen erhielt und den Ball kompromisslos unter die Latte drosch. Kurz darauf war Schluss und die beiden Vereine trennten sich mit dem Endstand von 2:2.

Hamburger im Glück: Konkurrenz patzt, HSV auf Aufstiegsplatz

Zu wenig für Dieter Hecking: „Der späte Ausgleich schmerzt, wir müssen aber vorher schon das dritte Tor machen. Dort müssen wir den Finger in die Wunde legen. Das ist sehr ärgerlich“, sagte der 55-Jährige Coach. „Normalerweise müssen wir das dritte Tor machen und damit die Partie entscheiden. Insgesamt war es schon komisch, ohne Fans zu spielen, vor allem vor dem Anpfiff“, legte auch Jairo Samperio den Finger in die noch offene Wunde und beschrieb die nicht vorhandene Atmosphäre.

Freuen konnten sich HSV-Präsident Marcell Jansen, Trainer Hecking und seine Mannen dennoch: Während Spitzenreiter Arminia Bielefeld gegen den VfL Osnabrück ebenfalls nur unentschieden spielte, musste sich Aufstiegsaspirant VfB Stuttgart gar noch in letzter Sekunde geschlagen gegeben. Durch die 1:2-Niederlage gegen Wehen Wiesbaden und den gleichzeitigen Punktgewinn des HSVs tauschen die Schwaben und die Rothosen den Tabellenplatz.

„Wir jagen Bielefeld": Angrifflustiger HSV will Spitzenreiter überholen

Zwar sind der Nordverein und die Stuttgarter nun punktgleich, jedoch weist der HSV die bessere Tordifferenz auf. Trotz immer noch sieben Punkten Rückstand auf Arminia Bielefeld zeigen sich Trainer und Spieler des Vereins von der Elbe zum Teil äußerst angrifflustig.

„Es hätte noch besser laufen können, dennoch hat die Mannschaft vor allem nach dem 1:1 eine klasse Leistungssteigerung gezeigt. Mit Blick auf die anderen Ergebnisse haben wir ein Teilziel erreicht“, ordnete Hecking ein. „Das 2:2 sollte nicht passieren, aber das können wir jetzt nicht mehr ändern. Wir sind jetzt Zweiter und jagen Bielefeld", drückte es Mittelfeldabräumer Adrian Fein forscher aus.

Gipfeltreffen in Hamburg: HSV contra Bielefeld

Diesen Worten können am kommenden Wochenende direkt Taten folgen. Denn der 27. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga wartet mit dem Gipfeltreffen schlechthin, dem Duell zwischen dem HSV und Arminia Bielefeld, auf. Zwar spielen die Rothosen zuhause, von einem zusätzlichen Motivationsschub durch den „12. Mann“ kann allerdings keine Rede sein.

Denn nach wie vor dürfen die Partien von erster und zweiter Liga nur in Form von Geisterspielen ausgetragen werden. Die Relevanz des Matches gegen den Spitzenreiter sollte ungeachtet dessen jedoch jedem bei HSV bewusst sein. Gewinnen die Hamburger, sind sie an Bielefeld auf vier Punkte dran. Bei einer Niederlage gegen den Club von der Alm aber liegen die Hansestädter bereits 10 Punkte hinter dem aktuell größten Konkurrenten.

Rubriklistenbild: © Alexander Hassenstein/dpa/Getty - pool/picture alliance

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