Alle lieben den Trainer

Hamburg Towers: Pedro Calles – Coach ohne Star-Allüren

  • Lars Zimmermann
    vonLars Zimmermann
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Vom Abstiegskandidaten zum heißen Play-Off-Anwärter in der Basketball-Bundesliga. Der Erfolg trägt in Hamburg einen Namen: Trainer Pedro Calles.

  • Trainer Pedro Calles ist ein Bessermacher.
  • Hamburg Towers setzen auf Teamgeist und harte Arbeit.
  • Pedro Calles hat ein Herz für Underdogs.

Hamburg-WilhelmsburgNeun Siege in 13 Spielen in der aktuellen Spielzeit, nur drei in der gesamten Vorsaison – allein diese Zahlen belegen die rasante Entwicklung der Hamburg Towers. Weniger Geld, mehr Erfolg – die Towers haben das Kunststück geschafft, den Kader trotz des aufgrund der Corona-Pandemie reduzierten Etats zu verstärken. Vater des Erfolges ist Trainer Pedro Calles. Der Nachfolger von Mike Taylor hat den Club aus dem Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg innerhalb weniger Wochen von einem Prügelknaben in einen Play-Off-Kandidaten verwandelt. Deshalb lieben alle Coach Pedro.

Basketball-Trainer:Pedro Calles
Geboren:24. August 1983 (Alter 37 Jahre)
Aktuelles Team:Hamburg Towers
Ausbildung:Studierter Sportwissenschaftler mit Schwerpunkt Basketball
Familienstand:verheiratet, zwei Kinder

Hamburg Towers: Calles war einer der begehrtesten Trainer auf dem Markt

Wer sich mit ihm unterhält, weiß ganz schnell, warum. Höflich, bescheiden, trotz allem mit klaren Worten – Coach Pedro ist ein angenehmer Gesprächspartner. Emotional wird er vor allem dann, wenn es um seine große Leidenschaft Basketball geht. In der Halle verwandelt sich der privat eher ruhige Calles schnell in einen brodelnden Vulkan. Das war beim Sieg gegen sein früheres Team Rasta Vechta besonders deutlich zu sehen. Kein Wunder. Schließlich verliert keiner gerne gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber.

Pedro Calles, Trainer der Hamburg Towers, mischt mit seinem Team die Basketball-Bundesliga auf. (24hamburg.de-Montage)

Coach Pedro lässt sich nicht für Erfolge feiern. Calles will immer mehr. Selbst nach klaren Siegen findet er ein Haar in der Suppe. Der Trainer ist als harter Arbeiter bekannt und hasst nichts mehr als Nachlässigkeiten. Der aktuelle Siegeszug der Towers trägt daher vor allem den Namen Pedro Calles. Seine Verpflichtung war ein echter Coup von Towers-Sportchef Marvin Willougby. Der gerade einmal 37 Jahre alte Coach galt im Sommer als einer der begehrtesten Trainer auf dem Markt.

„Wir haben einen der interessantesten jungen Trainer in Europa“, sagte Willoughby bei der offiziellen Vorstellung des neuen Coaches. Viel Lob für den Neuen auf der Kommandobrücke des Basketball-Bundesligisten. Die Anerkennung hat sich Coach Pedro hart erarbeitet. Vor seinem Engagement in Hamburg hat der Spanier den Bundesligisten Rasta Vechta trainiert. Vechta war lange als Fahrstuhlmannschaft bekannt. Mit Calles schafften die Niedersachsen trotz geringem Etat in der Spielzeit 2018/2019 sensationell den Sprung ins BBL-Halbfinale. Nach seinem Abgang stehen die Niedersachsen auf dem letzten Tabellenplatz der Basketball-Bundesliga. Das beweist: Calles ist ein Bessermacher. Er sorgt dafür, dass sich Spieler und Mannschaften weiterentwickeln.

Hamburg Towers: Calles wittert großes Potenzial

Coach Pedros Wechsel an die Elbe zeigt, dass Calles offenbar ein Herz für Underdogs hat. Die Towers beendeten die vergangene BBL-Saison als Tabellenletzter. Der Saisonabbruch wegen der Corona-Pandemie sicherte trotz allem den Klassenerhalt. Calles sieht Hamburg als nächsten Schritt auf der Karriereleiter und zog mit seiner Frau Ana, den beiden Kindern Juan und Carlotta sowie Hund Troyka an die Elbe. „Verein und Stadt haben großes Potenzial“, erklärte Calles schon vor der Saison. Damit der schlafende Riese erwacht, musste Calles kommen.

Der Spanier hat einen Zwei-Jahres-Vertrag in Hamburg unterschrieben. Seine Trainerlaufbahn begann als Assistenz- und Athletiktrainer in der dritten spanischen Liga in seiner Heimatstadt Cordoba. 2012 kam Calles nach Deutschland. Bei den Artland Dragons und in Vechta sammelte er als Assistent weitere Erfahrungen, 2018 vertraute ihm Rasta Vechta den Headcoach-Posten an – und der studierte Sportwissenschaftler zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen zurück. Dementsprechend begehrt war Calles auf dem Trainermarkt. Willoughby gelang es, ihn von Hamburg zu überzeugen.

Basketballverein: Hamburg Towers
Halle: Edel-optics.de-Arena
Kapazität: 3.400 Plätze
Gründung:2013
Geschäftsführer: Marvin Willoughby, Jan Fischer
Gesellschafter: Marvin Willoughby, Jan Fischer, Tomislav Karajica, Jochen Franzke

Hamburg Towers: Calles steht für Teamwork und knallharte Defensive

Der Trainer sieht sich als Teamplayer, scheut aber keine deutlichen Worte. „Er hat eine natürliche Autorität“, lobt Towers-Sportchef Willoughby. Die Chemie zwischen Willoughby und Calles scheint jedenfalls zu stimmen. Beide sind jung, ehrgeizig und wollen den Basketball-Standort Hamburg nach vorne bringen. Auch die Spieler schwärmen von Coach Pedro. „Ich würde mir wünschen, dass er für den Rest meiner Karriere mein Trainer bleibt“, sagt Towers-Kapitän Max DiLeo. Der Towers-Star und der Trainer kennen sich aus zwei gemeinsamen Jahren in Vechta. DiLeo folgte Calles nach Hamburg und steht wie kaum ein anderer Spieler für die Calles-Philosophie von Teamwork und knallharter Defense.

„Ich will attraktiven und effektiven Basketball spielen“, erklärt Calles. Es gehe nicht darum, die individuell besten Spieler zu verpflichten, sondern diejenigen, die ins System passen. Diese Spieler haben Calles und Willoughby offenbar gefunden. Coach Calles hat einen komplett neuen Kader in Rekordzeit zu einer Einheit zusammengeführt. Aus der Vorsaison gehören lediglich noch der erneut von Bayern München ausgeliehene Marvin Ogunsipe und Towers-Supertalent Justus Hollatz zum Kader des Teams aus der edel-optics.de-Arena. In der Vorsaison soll die Team-Chemie nicht sonderlich gut gewesen sein. Das ist nun anders. „Wir haben uns alle relativ schnell angefreundet und ziehen an einem Strang. Es passt alles zu 100 Prozent“, sagt Ogunsipe.

Hamburg Towers: Bayreuth wartet am Freitabend

Das unterstreicht der Blick auf die Tabelle der BBL. Dort stehen die Towers derzeit auf einem Play-Off-Platz. Wie stark Calles und Co. schon sind, zeigte unter anderem der deutliche Sieg gegen das Spitzenteam der Merlins aus Crailsheim.

Die nächste Bewährungsprobe steht für Hamburgs Türme am kommenden Freitag an, wenn ab 19 Uhr medi Bayreuth in der heimischen edel-optics-arena gastiert. Das bislang einzige Duell der beiden Teams im November 2019 gewann der aktuelle Tabellen-14. in der Hansestadt mit 95:81. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Carmen Jaspersen

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