Seit 15 Jahren im Verein

FC St. Pauli: Timo „Schulle“ Schultz ist neuer Trainer – Kiez-Club-Chefcoach mit Stallgeruch – Zecken begeistert

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Der FC St. Pauli hat einen neuen Cheftrainer: Dieser hört auf den Namen Timo Schultz – „Schulle“ kommt aus dem eigenen Stall. Bei seiner Vorstellung schwört der 42-jährige Neo-FCSP-Profi-Trainer auf „Demut“.

  • FC Sankt Pauli*: Timo Schultz wird neuer Trainer.
  • Chefcoach ist seit 15 Jahren beim Kiezverein.
  • Macht es „Schulle“ wie „Stani“?

Hamburg/Sankt Pauli - Es hat rund zwei Wochen gedauert, ehe der FC Sankt Pauli seinen neuen Trainer für die kommende Spielzeit in Liga zwei präsentieren konnte. Jos Luhukay war gestern*, die Zukunft am Millerntor heißt Timo Schultz. Der 42-Jährige ist bereits seit 15 Jahren in verschiedenen Funktionen bei den Braun-Weißen tätig und war zuletzt Coach der vereinseigenen U19. Sein Vertrag ist bis zum 30. Juni 2022 datiert. Kann er eine Ära prägen wie Holger Stanislawski?

Fußballspieler:Timo Schultz
Geboren:26. August 1977 (Alter 42 Jahre), Wittmund
Größe:1,8 m
Aktuelles Team:FC St. Pauli
Position:Mittelfeld

FC Sankt Pauli: Timo Schultz wird neuer Trainer beim Fußball-Zweitligisten - Ex-Spieler seit 15 Jahren im Kiezverein

Es gibt sie immer wieder, die Geschichten von Spielern, die bei ihrem Verein eine Ära geprägt haben und nach dem Ende der aktiven Karriere in die Geschicke ihres Herzensklubs integriert werden. Ob Karl-Heinz Rummenigge bei Bayern München* (seit rund 30 Jahren mit verschiedenen Funktionen), Thomas Schaaf beim SV Werder Bremen* (rund 14 Jahre Trainer) oder Pal Dardai bei Hertha BSC (rund viereinhalb Jahre Trainer) – zahlreiche prominente Ex-Fußballer konnten sich nicht nur als Spieler einen Namen bei dem Verein machen, mit dem sie assoziiert werden.

Neo FCSP-Trainer Timo „Schulle“ Schultz hat sich in die Herzen der Sankt-Pauli-Zecken gespielt und gearbeitet – was dürfen die Fans von ihm am Millerntor erwarten? (24hamburg.de-Montage)

Ähnliches wird sich auch der FC Sankt Pauli denken, der am Sonntag, 12. Juli 2020 bekannt gegeben hat, dass Timo Schultz fortan die Mannschaft von der Hamburger Reeperbahn* trainieren wird. Der 42-Jährige ist sowohl im Umfeld der Braun-Weißen als auch im Klub selbst wahrlich kein Unbekannter. Schultz ist bereits seit 2005 beim Kiezverein angestellt und hat in diesen 15 Jahren so einiges erlebt.

Zunächst kickte der einstige Mittelfeldspieler sechs Jahre lang für die erste Mannschaft, stieg von der damals noch existierenden Regionalliga Nord in die 2. Fußball-Bundesliga auf und krönte das Ganze mit einem weiteren Aufstieg ins Oberhaus des Deutschen Fußballs. Aus diesem musste sich der FC Sankt Pauli allerdings nach nur einer Saison wieder verabschieden.

Mittendrin statt nur dabei: Timo Schultz (links) freut sich mit dem damaligen Vizepräsidenten Stefan Orth über den 4:1-Sieg vom FC Sankt Pauli gegen Greuther Fürth. (Archivbild)

Der Vertrag von Schultz lief zum Ende der Spielzeit 2010/2011 aus. Für den robusten Mittelfeld-Motor jedoch kein Grund, den Verein zu verlassen. Für eine Saison schnürte er seine Schuhe für die Zweitvertretung der Braun-Weißen und begann parallel dazu seine Trainerlaufbahn. Co-Trainer der zweiten Mannschaft, Co-Trainer der ersten, Coach der U17 und zuletzt der U19Schultz kennt den Verein aus dem Effeff.

FC Sankt Pauli: Neuer Chefcoach Timo Schultz setzt auf „Demut“ und „klare Ideen“

Sehen die Verantwortlichen des FC Sankt Pauli genauso. „Ich habe während der Gespräche mit Timo viel Leidenschaft und Engagement gespürt. Timo ist ein junger Trainer, der den Verein, das Umfeld und die Bedürfnisse bestens kennt und bereits im Nachwuchs mit seinen Mannschaften auf die Spielweise gesetzt hat, die wir favorisieren – einen aktiven, offensiv ausgerichteten Fußball“, heißt es von Sportchef Andreas Bornemann.

„Zudem hat er während seiner Tätigkeit im Nachwuchsbereich gezeigt, dass er Teams weiterentwickeln und stabilisieren kann. Er passt also mit seiner Idee und seinem Bestreben zu uns und unseren Zielen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ´Schulle´“, ergänzt Bornemann. Auch Schultz, der in seiner aktiven Zeit 138 Spiele für den Kiezverein absolvierte (zwölf Tore, neun Vorlagen), zeigt sich begeistert von der neuen Aufgabe.

„Es stand für mich außer Frage, dieses Angebot anzunehmen. Das ist für mich als Trainer nach vielen Jahren im NLZ-Bereich [Nachwuchsleistungszentrum; Anmerkung des Verfassers) der ideale Einstieg ins Profigeschäft. Nach der letzten Saison gehen wir natürlich mit einer gewissen Demut, aber auch mit klaren Ideen in die neue Spielzeit. Ich freue mich auf meine neue Mannschaft und kann es kaum erwarten, mit den Jungs zusammen etwas zu entwickeln, was unsere Fans glücklich macht“, sagt der 42-Jährige.

Abgerundet wird das Stimmen-Trio durch Präsident Oke Göttlich, der auf den extremen Stallgeruch seines neuen Coachs verweist. „Timo hat in seinen 15 Jahren beim FC St. Pauli alle Bereiche durchlaufen und sich stetig weiterentwickelt. Der Verein hat sich auf die Fahne geschrieben, nicht nur Spieler, sondern auch seine Trainer auszubilden. Deswegen freue ich mich umso mehr über die Entscheidung von Andreas Bornemann, mit Timo Schultz einen Trainer zu verpflichten, der aus den eigenen Reihen stammt“.

FC Sankt Pauli: Macht es „Schulle“ wie „Stani“? Ex-Trainer Holger Stanislawski prägte Ära am Millerntor

In den sozialen Netzwerken, allen voran Facebook, wird die geklärte Trainer-Personalie sehr wohlwollend von den FC Sankt Pauli-Fans aufgenommen. „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah! Ich wünsche auf jeden Fall viel Erfolg mit der neuen Aufgabe! Das war bestimmt keine schlechte Wahl“, lautet der Top-Kommentar hinsichtlich der Ernennung von Timo Schultz zum neuen Cheftrainer. Zwar wird mitunter auch angemerkt, dass ein „gewisses Risiko“ besteht, jedoch sei dies besser „als einen alten Knochen zu nehmen, der die Sprache der Spieler nicht versteht“. Nun ist es an „Schulle“, wie der 42-Jährige von den Anhängern des Kiezvereins genannt und warm empfangen wird, das Vertrauen in ihn zu bestätigen.

Die Entscheidung der FC Sankt Pauli-Verantwortlichen, einen Ex-Spieler zum Cheftrainer zu machen, hat sich schon einmal bewährt. Gemeint ist hiermit die Amtszeit von Kult-Hamburger* Holger Stanislawski. „Stani“, wie der beliebte Fußballlehrer nur allzu gerne gerufen wurde, ist für die Fans der Braun-Weißen eine lebende Legende. Der ehemalige Libero lief insgesamt 260-mal für den Kiezverein auf und war Teil der „Weltpokalsiegerbesieger“, die Bayern München in der Saison 2001/2002 im heimischen Millerntor mit 2:1 niederringen konnten.

Im November 2006 wurde Stani zum Trainer des FC Sankt Pauli ernannt und stieg mit dem im Jahr 1910 gegründeten Klub zweimal auf. Stets mit dabei: Timo Schultz. Von einem möglichen Aufstieg redet dieser zwar nicht, jedoch sollte ein tabellarischer Aufstieg das angestrebte Ziel sein. Die zurückliegende Spielzeit beendeten die Braun-Weißen auf dem 14. Platz, der einen herben Enttäuschung gleichkam.

Von Enttäuschungen, die einem Desaster gleichkommen, kann auch der Hamburger SV*. Der Ex-Bundesliga-Dino hat erneut die Rückkehr in die 1. Liga verpasst und sich konsequenterweise vom bisherigen Trainer Dieter Hecking getrennt*. Neuer Coach ist Daniel Thioune*, der nunmehr dritte Übungsleiter für den dritten Anlauf, um aufzusteigen, wie 24hamburg.de-HSV berichtet. * 24hamburg.de, deichstube.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/dpa & Johannes A. Alsterburg

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