„Ultrà Sankt Pauli“ mit klarer Ansage

Coronavirus: FC Sankt Pauli erhöht Ticketpreise drastisch – Fans protestieren gegen Vereinsführung

Die Ultras des FC Sankt Paulis, stehen zu ihrem Klub - und sorgen sich um die Zukunft des Hamburger Fußballvereins von der Reeperbahn. Hier sind sie in der Südkurve mit einer Choreografie zu sehen.
+
Die Ultras des FC Sankt Paulis stehen zu ihrem Klub - und sorgen sich um die Zukunft des Hamburger Fußballvereins von der Reeperbahn.
  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
    schließen

Großer Wirbel um den FC Sankt Pauli: Trotz Geisterspielen hat der Hamburger Fußballverein angekündigt, die Preise für Dauerkarten zu erhöhen. Dies stößt auf Unmut bei der Südkurve, den Ultràs des Kiezvereins. Diese wenden sich gar mit einem offenen Brief an Fans und Club.

  • FC Sankt Pauli: Preiserhöhung für Dauerkartenbesitzer.
  • Hamburger Fußballverein: Erhöhung ist „fair und angemessen“.
  • „Ultrá Sankt Pauli“: Forderung nach Reformen.

Hambug/Sankt Pauli - Nachdem vonseiten der Politik grünes Licht für eine Weiterführung der laufenden Saison gegeben wurde, sind auch die konkreten Spielansetzungen in 1. und 2. Fußball-Bundesliga festgelegt worden. Die restlichen neun Spieltage der Saison 2019/2020 werden allesamt als Geisterspiele ausgetragen. Trotz ausbleibenden Fans hat der FC Sankt Pauli nun verkündet, dass die Preise für Dauerkarten des Kiezklubs erhöht werden.

FC St. Pauli: Ticket-Preiserhöhung um acht Prozent

Ein zumindest mutiger Zeitpunkt, ist doch aktuell kein Ende der Coronavirus-Sars-Cov-2-Krise in Sicht. Damit verbundene wirtschaftliche Konsequenzen für die treuen Fans des FC Sankt Pauli scheint der Verein nicht berücksichtigt zu haben. Im Gegenteil: Die Dauerkartenpreise werden um bis zu acht Prozent erhöht.

Auf seiner Homepage lässt der Fußball-Zweitligist verlauten: Trotz der noch laufenden Saison und vielen Unklarheiten, wie es weitergeht, haben wir uns dazu entschieden, nach vorne zu blicken. Wir möchten festhalten, dass wir mit unserem Vorhaben weder aktuelle Entscheidungen von Regierung, Behörden, der DFL [Deutsche Fußball Liga; Anmerkung des Verfassers] oder anderen beurteilen wollen, noch zukünftige Entscheidungen beeinflussen möchten. Wir haben lediglich auf Basis der  für uns aktuell gegebenen Rahmenbedingungen geplant".

Hamburger Fußballverein vom Kiez: Erhöhung ist „fair und angemessen“

Auch Bernd von Geldern, Geschäftsleiter für den Bereich Ticketing beim FC Sankt Pauli, äußert sich zu dieser Thematik: „Natürlich hatten wir bei uns die Diskussion, was das in diesen Zeiten für ein Zeichen ist, wenn wir die Dauerkartenpreise nach den Jahren ohne Erhöhung nun anpassen. Doch wir haben Preiserhöhung so schmal gehalten, wie wir sie auch in normalen Zeiten durchgeführt hätten“, erklärt der 54-Jährige. Auch Oke Göttlich und Joachim Pawlik sprachen Klartext.

„Wir orientieren uns hier an der Inflationsrate und an Preissteigerungen am Markt. Gleichzeitig achten wir darauf, dass wir im Vergleich zur Bundesliga für moderate und sozialverträgliche Eintrittspreise stehen. Wir halten eine Erhöhung von acht Prozent für fair und angemessen“, erläutert Bernd von Geldern das konkrete Vorgehen bei der Preiserhöhung.

FC Sankt Pauli: Transparenz, kein Betteln

Die Dauerkartenbesitzer des Hamburger Fußballvereins mussten sich fünf Jahre lang nicht mit einem Preisanstieg auseinandersetzen. Nun erfolgt eine Rolle rückwärts von dieser Preispolitik. „Die neuen Preise gelten sowohl für die 2. Bundesliga wie auch im Falle eines Abstiegs in die 3. Liga“, heißt es in der Pressemitteilung des FC Sankt Paulis. Immerhin: „Bei letzterem Szenario enthält die Dauerkarte in der Regel das Recht, bei gleichem Preis zwei Spiele mehr zu besuchen".

Von Geldern zufolge bestanden auch „Denkmodelle, dass man die Erstattungsansprüche kompensiert. Darauf haben wir verzichtet. Wir wollen transparent agieren und nicht betteln“. Dieser Schritt sei auch mit den Fans des Vereins, dessen Millerntor-Stadion sich unweit der Reeperbahn befindet, abgestimmt. Auch nach Gesprächen mit Fans haben wir das Gefühl bekommen, dass das die richtige Vorgehensweise ist“, berichtet der Geschäftsleiter Ticketing von Zuspruch.

„Ultrá Sankt Pauli“: Offener Brief fordert Reformen

Doch diesen gibt es nicht uneingeschränkt. Gegenwind kommt aus Richtung der „Ultrá Sankt Pauli“. Diese sprechen in einem offenen Brief von „Reformen, die sowohl die Geschäftsmodelle der einzelnen Vereine regulieren als auch die Vergabe der TV-Gelder neu strukturiert und solidarischer gegenüber Vereinen mit Standortnachteilen macht".

Konkret wird gefordert, dass „[d]iese Reformen [...] jetzt auf den Weg gebracht werden [müssen], nicht nur, dass aktuell alle Vereine offen sind für solche Reformen, laufen nach der Saison 2020/21 die laufenden Verträge mit den TV-Anbietern und Streamingdiensten aus und werden somit neu verhandelt".

Reeperbahn-Verein: Aufruf zum stillen Protest

Auch äußern sich die „Ultrà Sankt Pauli“ (USP) zu etwaigen „optischen Aktionen“ im Kontext der anstehenden Geisterspiele. Choreografien oder dergleichen seien nicht geplant, jedoch ist die Rede von einer „zentrale[n] kritische[n] Äußerung“. Die Ultrà-Gruppierung verweist darauf, „dass es ohne Fans in den Stadien trist und grau ist – auch am Millerntor. Damit dieser Eindruck auch entsteht, bitten wir euch keine Banner, Fahnen oder ähnliches aufzuhängen“. Dies ist als Aufruf zum stillen Protest zu verstehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare