Kritische Töne

Ewald Lienen: FC St. Pauli-Ikone verspottet HSV

  • Jan Knötzsch
    VonJan Knötzsch
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Sie ist weltweit bekannt, die Rivalität zwischen dem HSV und FC St. Pauli. Sankt Pauli-Ikone Ewald Lienen teilt nun gegen die Rothosen aus. Was hat er zu sagen?

Hamburg – Den Mund halten, wenn es doch eigentlich etwas zu sagen gibt? Das liegt Ewald Lienen nicht*. Weder in der Gegenwart, noch in der Vergangenheit. Der 67-Jährige sagt, was zu sagen ist. Sagt seine Meinung. Ungefiltert. Auch wenn sie nicht dem Mainstream entspricht. Schon in seiner Karriere galt Lienen als Revoluzzer. Das hat sich nicht geändert. Und auch anno 2021 haut Lienen das raus, was rausmuss. Dabei nimmt der Marken- und Wertebotschafter des FC St. Pauli auch schon mal den ungeliebten Rivalen Hamburger SV vor die verbale Flinte.

Ehemaliger Fußballspieler und -trainer:Ewald Lienen
Geboren:28. November 1953 (Alter 67 Jahre) in Liemke
Größe:1, 77 Meter
Ehepartnerin:Rosi Lienen
Kinder:Sarah Lienen
Aktuelle Tätigkeit:Marken- und Wertebotschafter des FC St. Pauli

FC St. Pauli: Ewald Lienen spricht in NDR-Podcast über Rassismus, DFB und HSV – Trainerwechsel beim HSV keine Überraschung

So geschehen unlängst im Bundesligashow-Podcast des Norddeutschen Rundfunk (NDR). Thema bei den Moderatoren Martin Roschitz und Moritz Cassalette im Gespräch mit FC St.Pauli-Ikone Ewald Lienen: nicht nur der Rassismus-Skandal um Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann*, der Ex-HSV-Spieler Dennis Aogo als „Quotenschwarzen“ von TV-Sender Sky bezeichnete. Sondern auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB). Und eben der HSV. Und gegen den Klub aus dem Volksparkstadion, den der FC St. Pauli im Stadtderby zuletzt besiegte, stichelt Ewald Lienen. So richtig fies.

FC St. Pauli-Ikone Ewald Lienen: Ein bisschen Rivalität mit dem HSV mus sein – den einen oder anderen Spruch inklusive. (24hamburg.de-Montage)

Zunächst in Bezug auf die Amtsübernahme von Horst Hrubesch als Nachfolger von Daniel Thioune. Die Frage der beiden Moderatoren, wie überrascht er über diesen Trainerwechsel sei, kontert Lienen: „Im Zusammenhang mit dem HSV wäre etwas anderes als der 23. Trainerwechsel seit 2007 eine Überraschung.“ Das, so Lienen, sei „sehr schade, weil der HSV ein ganz großer Klub in einer Weltstadt ist. Eines unserer Tore nach draußen in die Welt. Der HSV hat über Jahre unglaubliche Leistungen erbracht, Meisterschaften und Pokale gewonnen.“

FC St. Pauli-Ikone Ewald Lienen traut HSV Aufstieg zu – und wünscht „HSV und der Stadt, dass wir wieder einen Ersligisten haben

Richtig. Aber all das ist längst Vergangenheit. Weiß auch Ewald Lienen. „Jetzt sind sie im dritten Jahr in der zweiten Liga. Die Entwicklung empfinde ich nicht sehr schön – nicht für die Stadt und nicht für den Verein“, hat die 67-jährige Ikone des FC St. Pauli fast schon Mitleid mit dem Hamburger SV und antwortet auf die Frage, ob der Aufstieg aus der Zweiten Bundesliga in die Erste Bundesliga unter Interimstrainer Horst Hrubesch möglich sei, mit einer Gegenfrage: „Warum nicht? Alles ist möglich.“

Der HSV arbeitet gerade daran, Teil der Super League zu sein. So wie Schalke 04.

St. Pauli-Botschafter Ewald Lienen über den HSV und die starke Zweite Bundesliga der kommenden Saison

Eigentlich, so Ewald Lienen weiter, „glaube ich, dass eine Stadt wie Hamburg mindestens einen Erstligisten braucht. Das war meistens der HSV. Aber ich würde mich auch freuen, wenn wir das als FC St. Pauli schaffen. Aber dann muss es auch langfristig sein.“ Er wünsche, so der Marken- und Wertebotschafter des Vereins vom Kiez, „dem HSV und der Stadt Hamburg, dass wir wieder einen Erstligisten haben.“ Nette, versöhnliche Töne von Ewald Lienen in Richtung des Rivalen. Doch dann tritt der 67-Jährige nochmal ein bisschen nach.

FC St. Pauli: Böser Seitenhieb von Ewald Lienen gegen den HSV – deutliche Kritik an Vorstandsarbeit bei Traditionsverein

Als die Sprache auf das Thema Super League kommt, kann sich Ewald Lienen einen Seitenhieb auf den HSV nicht verkneifen. Die St. Pauli-Ikone lacht. Und stellt, da der Aufstieg des HSV in die Erste Bundesliga längst nicht sicher ist, fest: „Der HSV arbeitet gerade daran, Teil der Super League zu sein. So wie Schalke 04.“ Eine Anspielung darauf, dass die Zweite Bundesliga in der kommenden Saison sehr stark besetzt sein wird. „Vielleicht“, sagt Lienen, „kommt ja auch noch Herta BSC Berlin dazu. Oder der 1. FC Köln.“

Im Zusammenhang mit dem HSV wäre etwas anderes als der 23. Trainerwechsel seit 2007 eine Überraschung.

St. Pauli-Ikone Ewald Lienen über den HSV-Trainerwechsel

Und noch eine weitere Breitseite von Ewald Lienen muss sich der HSV gefallen lassen. Diesmal geht‘s um die Besetzung von Vorständen in Traditionsvereinen. So, wie der HSV einer ist. „Es gibt Leute, die sagen: Ich gehe an die Spitze eines Bundesligisten – und die verstehen von der Materie nichts, haben nie selbst gespielt, können keine Trainer oder Spieler beurteilen. Das passiert nicht in Sandhausen oder Heidenheim. Aber in Berlin, Köln oder Hamburg. Wenn du da Vorstand bist, dann kennt dich die ganze Welt“, konstatiert Lienen. Das sei wie gemacht für Menschen, „die in der Öffentlichkeit akzeptiert werden wollen. Und die, wenn es nicht läuft, einfach jemanden entlassen.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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