Game over oder Hangover?

FC St. Pauli muss Hannover 96 putzen – sonst braun-weißes Kellerbibbern um Abstieg

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Woche der Wahrheit für den FC Sankt Pauli. Zwar hat der Kultverein von der Reeperbahn gegen Erzgebirge Aue gewonnen, doch ist der Kiezklub noch längst nicht gerettet. Ein Sieg im Nordduell bei Hannover 96 könnte dies ändern.

  • FC Sankt Pauli*: Wegweisendes Nordduell gegen Hannover 96.
  • Wiederentdeckte Torgefahr: Kiez-Stürmer lassen hoffen.
  • Vorsicht vor Ducksch: Ex-Paulianer als Spielverderber?

Hamburg/St. Pauli - Die Erleichterung war Trainer Jos Luhukay und seinen Spielern deutlich anzumerken. Mit 2:1 konnte der FC Sankt Pauli den tabellarisch nach wie vor besser dastehenden Gegner aus Aue am Sonntag, 14. Juni bezwingen. Damit ist der Abwärtstrend der vergangenen Wochen gestoppt. Vorerst zumindest. Denn nun gilt es nachzulegen und den 5-Punkte-Vorsprung auf Relegationsplatz 16 im Optimalfall weiter auszubauen. Doch die kommende Partie bei Hannover 96 wird alles andere als leicht. Ein brisantes Nordduell steht an.

Fußballclub:FC St. Pauli
Arena/Stadion:Millerntor-Stadion
Trainer:Jos Luhukay
Gründung:15. Mai 1910, Hamburg
Liga:2. Fußball-Bundesliga
Präsident:Oke Göttlich

FC Sankt Pauli: Klassenerhalt oder Weiterzittern? Kiezklub steht vor wegweisendem Nordduell mit Hannover 96

Es war mit Sicherheit keine Glanzleistung vom FC Sankt Pauli, die gegen Erzgebirge Aue dargeboten wurde. Nach vier sieglosen Spielen in Folge war die Nervosität der Hamburger* greifbar, Fehler und Unkonzentriertheiten bestimmten die Anfangsphase der Partie am 31. Spieltag von Liga 2. Doch nach rund 20 Minuten nahm der zuletzt arg kritisierte Dimitrios Diamantakos all seinen Mut zusammen und beförderte das runde Spielgerät mit einem satten Schuss ins linke Eck. Noch vor der Halbzeitpause legte Niederländer Henk Veermann, Landsmann von Coach Luhukay, nach und ließ die Kritiker, die das Offensivspiel der Paulianer bemängelt hatten, verstummen.

Zwei Stürmertore, die dem FC Sankt Pauli letztendlich den Sieg einbrachten. Daran konnte auch der Gegentreffer durch den Ex-Paulianer Sören Gonther nichts mehr ändern. Spieler des Spiels war aber der Schwede Sebastian Ohlsson, der vom Coach des Kiezvereins zur Überraschung vieler im defensiven Mittelfeld aufgeboten wurde. Der sonst in der Abwehr agierende 27-Jährige verteidigte resolut und gab die Vorlage zum Führungstreffer. In dieser Hinsicht kann Luhukay sich attestieren lassen, alles richtig gemacht zu haben.

Doch der 57-jährige Niederländer ist erfahren genug, um zu wissen, dass die nunmehr 38 Punkte aller Wahrscheinlichkeit nicht zum Klassenerhalt reichen werden. Deshalb geht es bereits am Mittwoch, 18:30 Uhr im Niedersachsenstadion von Hannover 96 darum, im besten Fall den nächsten Sieg einzufahren. Mit dann 41 Punkten und gleichzeitigen Patzern der Konkurrenten gegen den Abstieg in die Drittklassigkeit ist der Klassenerhalt gewiss. Immerhin: durch das direkte Duell zwischen dem SV Wehen Wiesbaden und dem 1. FC Nürnberg nehmen sich die Teams auf den Plätzen 16 und 17 gegenseitig wichtige Zähler weg.

Bei einer Niederlage könnte das Zittern jedoch weitergehen und der FC Sankt Pauli weiterhin zweigleisig planen müssen. Gibt es keine Punkte im Nordduell, könnte der VfL Osnabrück mit dem Kiezverein gleichziehen respektive ihn gar überholen. Voraussetzung ist allerdings ein Sieg im Volksparkstadion vom Hamburger SV*, der am 31. Spieltag seine Hausaufgaben gemacht hat und sich mit 1:0 gegen Dynamo Dresden durchsetzte. Der Traum vom direkten Aufstieg lebt bei den Mannen von Coach Dieter Hecking* nach wie vor.

Für den FC Sankt Pauli geht es in Hannover um Sein oder nicht Sein in der zweiten Bundesliga – den Hamburger Kiezkickern hilft nur sein Sieg. (24hamburg.de-Montage)

FC Sankt Pauli: Schießt ein Ex-Hamburger den Kiezverein ab? Tormaschine Ducksch und Hannover 96 warten

Kleinere Brötchen werden da im Millerntor-Stadion gebacken. Mit der Maximalausbeute von neun Punkten aus den verbleibenden drei Spielen würde der FC Sankt Pauli die Saison 2019/2020 mit insgesamt 47 Zählern abschließen und vermutlich auf einem respektablen Mittelfeldplatz landen. Und das nach einer Spielrunde, die einer Achterbahnfahrt gleicht. Der Grundstein für dies zugegebenermaßen kühnes Vorhaben soll nun also am Mittwoch in der niedersächsischen Hauptstadt gelegt werden.

Auf wen oder was gilt es für den FC Sankt Pauli aber im Nordduell zu achten? Nun, Hannover 96 hat zwar am 31. Spieltag mit 2:3 in Darmstadt verloren, muss sich zuletzt aber definitiv nicht verstecken. Das Team von Kenan Kocak, der seit Mitte November 2019 die Geschicke bei den Niedersachsen leitet, befindet sich aktuell auf dem 8. Tabellenplatz der 2. Fußball-Bundesliga. Aus den vergangenen zehn Spielen wurden 17 Punkte eingefahren, darunter ein Sieg gegen den Aufstiegsaspiranten Heidenheim und ein Remis gegen den Hamburger SV.

Top-Scorer und -Torschütze in einem ist Marvin Ducksch, der pikanterweise eine Sankt Pauli-Vergangenheit aufweist. In der Hinrunde der Saison 2016/2017 schnürrte der heute 26-Jährige seine Schuhe für den Kiezverein, netzte in zwölf Spielen jedoch lediglich zweimal ein. Seinen Torriecher stellte bzw. stellt der gebürtige Dortmunder aber sowohl in Kiel (18 Tore in 33 Zweitligaspielen 2017/2018) als auch in Hannover unter Beweis. Dort kommt er aktuell auf elf Saisontore und verzeichnet insgesamt 19 Scorerpunkte.

Tore schießen können sie also bei Hannover 96 und mit Ex-Nationalspieler Ron-Robert Zieler wissen die Niedersachsen trotz 47 Gegentoren einen stabilen Rückhalt in ihrer Hand. Mit der Durchschnittsnote 3,28 ist der erfahrene Schlussmann gar notenbester Spieler der Hannoveraner. Das wird auch der Trainer des Hamburger Kultklubs vermerkt haben, der sich stets akribisch auf den nächsten Gegner vorbereitet.

FC Sankt Pauli: Stress zwischen Luhukay und Veerman? „Vorbild“ Werder Bremen zeigt, wie es geht

Völlig unvorbereitet erwischte Luhukay jedoch der Disput mit Stürmer Henk Veermann, der vom Trainer gegen Erzgebirge Aue mal wieder in der Startelf aufgeboten wurde. Der Offensivmann jubelte nach seinem 2:0-Treffer nicht in klassischer Manier, sondern stand regungslos da und starrte sekundenlang mit zu Schlitzen verengten Augen in Richtung Trainerbank. Ein Verhalten, das vom FC Sankt Pauli-Coach entsprechend quittiert wurde. Beim Gang Richtung Kabine konnte sich Veermann eine gestenreiche Schimpf-Tirade seines Vorgesetzten anhören, der seinen Unmut deutlich hörbar freien Lauf ließ. Darüber weiß die „Mopo“ zu berichten.

Die Nerven sollte der Kiezverein definitiv behalten, um gegen Hannover 96 bestehen zu können. Wie dies gut gelingt, hat ein weiterer Nordklub am 31. Spieltag eine Spielklasse höher eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die Rede ist vom SV Werder Bremen*, der den SC Paderborn mit 5:1 bezwang* Das Festhalten an Trainer Florian Kohfeldt, entgegen landläufiger Meinungen aus Vereinskreisen und von Journalisten-Seite, könnte sich letztendlich bezahlt machen. Gewonnen ist jedoch noch nichts. Vor allem die dämpfende 0:1-Bremen-Niederlage gegen den FC Bayern*, lässt für die Grünen den Abstieg näher rücken. Weder bei Werder, noch beim FC Sankt Pauli. Die Hoffnung lebt aber definitiv weiter.

Am Dienstag, 16. Juni, hat der andere Hamburger Verein im Volkspark seinen Aufstieg vor den Füßen – dem Hamburger SV gelingt daheim jedoch nur ein 1:1-Unentschieden gegen den VfL-Osnabrück*. HSV-Trainer Dieter Hecking ist darüber nicht erfreut und „sch***t“ auf alle. // Quelle: 24hamburg.de-Sport

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