Niederländer entlassen

Jos Luhukay fliegt raus: FC St. Pauli setzt den Pleite-Trainer vors Millerntor

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Der FC Sankt Pauli hat Trainer Jos Luhukay gefeuert. Was sich bereits angebahnt hatte, wurde am Montag, 29. Juni 2020 per Pressemitteilung offiziell verkündet.

  • FC Sankt Pauli*: Fußball-Zweitligist feuert Trainer Jos Luhukay.
  • Trennung „im gegenseitigen Einvernehmen“.
  • Selbskritischer Niederländer gesteht Fehler ein.

Update vom Montag, 29. Juni 2020, 15:00 Uhr - Nun ist es amtlich. Der FC Sankt Pauli trennt sich von seinem Trainer Jos Luhukay. Ein Entschluss, der vom Fußball-Zweitligisten und dem Niederländer „im gegenseitigen Einvernehmen“ getroffen worden sei. Der 57-Jährige, noch ausgestattet mit einem Vertrag bis 2021, übernahm den Kiezverein im April 2019 und entpuppte sich zunehmend als Missverständnis.

Fußballer:Jos Luhukay
Geboren:13. Juni 1963 (Alter 57 Jahre), Venlo, Niederlande
Größe:1,68 m
Ehepartnerin:Ingrid Luhukay
Position:Mittelfeld
Bisherige Trainerstationen:FC St. Pauli (Fußballtrainer, seit 2019), u.v.m.

FC Sankt Pauli: Fußball-Zweitligist aus Hamburg trennt sich von Coach Jos Luhukay - Niederländer zeigt sich selbstkritisch

In seinem Abschluss-Statement zeigt sich Luhukay kritisch. „Als mir die damalige Geschäftsleitung und der Verein im Frühjahr letzten Jahres angeboten haben, die Mannschaft des FC St. Pauli zu übernehmen, wurde eine klare gemeinsame Erwartungshaltung entwickelt: Sportliche Ambitionen zu definieren und zu stärken, den sportlichen Erfolg in den Vordergrund der täglichen Arbeit mit dem Team zu stellen, neue Reize zu setzen und damit den Verein ein Stück weit wachzurütteln", heißt es zunächst einmal in der Pressemitteilung des Klubs.

„Sportlich sind wir diesem Ziel durch eine gute Heimbilanz und sehr gute Auftritte gegen die Topmannschaften der Liga nähergekommen, trotzdem können wir nicht zufrieden sein. Eine bessere Platzierung verhinderte ein immer wieder enttäuschendes Auftreten auswärts. Bei der öffentlichen Darstellung der intern gewünschten und notwendigen Kritik würde ich heute sicher einiges anders umsetzen“, gesteht der Trainer aus den Niederlanden Fehler ein. In seinem letzten Spiel mit dem FC Sankt Pauli verlor Luhukay 3:5 gegen den SV Wehen Wiesbaden.

FC Sankt Pauli gibt Trennung von Coach Jos Luhukay bekannt - Aus nach Saisonende

Update vom Montag, 22. Juni 2020, 16:45 Uhr - Nun ist es offiziell. Der FC Sankt Pauli und Coach Jos Luhukay gehen zukünftig getrennte Wege. Die Demission erfolgt nach Saisonende am 30. Juni. Bis dahin steht nur noch das Spiel gegen den SV Wehen Wiesbaden am Sonntag, 28. Juni für die Kiezkicker auf dem Programm. Dort wird der Niederländer die Braun-Weißen ein letztes Mal betreuen.

Die Trennung vom 57-Jährigen kommt keiner Überraschung gleich, waren die Gräben zwischen Luhukay und dem Vorstand des FC Sankt Paulis doch eklatant groß. Der erfahrene Trainer hat mittlerweile auch das Vertrauen seiner Vorgesetzten verloren und genoss im Verein von der Reeperbahn keinen Rückhalt mehr. Sein bis 2021 gültiger Vertrag kann ihn auch nicht mehr retten.

Der öffentliche Disput mit Luhukays Landsmann, Stürmer Henk Veerman, soll das sprichwörtliche Fass letztendlich zum Überlaufen gebracht haben. Sowohl Sportchef Andreas Bornemann als auch Präsident Oke Göttlich seien zu der Erkenntnis gekommen, dass die Ideen ihres Coachs nicht zielführend sind. Damit endet ein Missverständnis, das im April 2019 begonnen hat.

Angetreten mit der forschen Aussage, mit Sankt Pauli aufsteigen zu wollen, hatte Luhukay schnell das Vertrauen der Spieler verloren, die er in aller Öffentlichkeit demontierte. Am Ende kann der mitunter kauzig wirkende Niederländer lediglich vorweisen, den Kiezklub in der Klasse gehalten zu haben. Zu wenig für die Ansprüche des Hamburger Vereins und mit Sicherheit auch nicht das, was der Noch-Trainer sich zu Beginn seiner Amtszeit auf die Fahnen geschrieben hat.

FC Sankt Pauli: Coach Jos Luhukay vor dem Aus - Blamage gegen Hannover 96 deckt Schwächen schonungslos auf

Erstmeldung vom Donnerstag, 18. Juni 2020, 14:30 - Die gute Nachricht vorweg: der FC Sankt Pauli kann nicht mehr direkt absteigen. Jedoch ist weiterhin das Abrutschen auf Relegationsplatz 16 möglich, was zwei Entscheidungsspiele gegen den Drittplatzierten aus Liga 3 zur Folge hätte. Gegen Hannover 96 kam der Kiezverein gehörig unter die Räder und verlor am Ende mit 0:4. Damit wurde dem Klub von der Reeperbahn* der vorzeitige Klassenerhalt versaut. Der Trainer der Braun-Weißen, Jos Luhukay, ist mehr als angezählt und kämpft um seinen Job. Wie geht es mit Sankt Pauli und seinem Coach weiter?

Das Zweitligaspiel zwischen Hannover 96 und dem FC Sankt Pauli am Mittwoch, 17. Juni war eine recht einseitige Angelegenheit. Zu dominant treten die Niedersachsen auf, zu eklatant schwach präsentieren sich die Kicker vom Hamburger* Kiez. Zu keinem Zeitpunkt der Partie am 32. Spieltag kamen Zweifel über den Sieg des Ex-Teams von HSV-Coach Dieter Hecking* auf. Der ist jedoch schon länger Geschichte in der niedersächsischen Hauptstadt, die Trainer-Gegenwart heißt Kenan Kocak, der die 96er behutsam aus den Niederungen der Tabelle geführt hat.

Während Hannover nun den sechsten Tabellenplatz einnimmt, muss Sankt Pauli weiter nach unten schauen. Der eigentlich komfortable Vorsprung von fünf Punkten auf den Sechzehnten, dem Karlsruher SC, kann trügerisch sein. Weiß auch der Trainer des Kultklubs vom Kiez, Jos Luhukay. Der 57-Jährige wechselt in der Öffentlichkeit oft zwischen Engel und Teufel. Nach der Pleite bei den Niedersachsen holte der Niederländer zu einer Medienschelte par excellence aus.

Allein auf weiter Flur: Sankt Pauli-Coach Jos Luhukay ist angezählt und hat nach der 0:4-Niederlage in Hannover kaum noch Argumente, um seinen Job zu retten.

„Was ich hier erlebe, ist, dass immer die Mannschaft geschützt wird, jeder Spieler. Und, dass es immer um den Trainer geht. Ich glaube, dass ihr als Kollegen das schon fünf, sechs Jahre hinbekommen habt, um den Druck immer auf den Trainer zu legen. Und die Mannschaft kommt dabei immer gut weg", sprach der tobende Trainer die anwesenden Journalisten direkt an.

„Das ist die Situation bei St. Pauli. Aber ich weiß, wie das ist und das beeinflusst mich auch nicht. Ihr habt häufig zweierlei Maß, die ihr betreibt", warf Luhukay der Presse auf der virtuellen Pressekonferenz nach dem Hannover-Spiel vor. Doch muss sich der einstige Mittelfeldspieler vorwerfen lassen, nicht das Optimum aus seiner Mannschaft herausgeholt zu haben. Gegen Hannover zeigten seine Mannen sowohl offensiv als auch defensiv enorme Schwächen und bringen den Niederländer in die Bredouille. Die Trennung vom ihm bahnt sich an.

FC Sankt Pauli: Kiezverein in der Krise - Trainer Jos Luhukay demontiert Spieler und Journalisten

Noch ist dies natürlich Zukunftsmusik, fest im Sattel wird Luhukay aber nicht sitzen. Lediglich fünf Torschüsse brachte der FC Sankt Pauli gegen Hannover 96 zustande, die im Sturm aufgebotenen Luis Cordes und Viktor Gyökeres konnten keine Stiche setzen. Offensivkraft Henk Veerman, Landsmann des Trainers vom Kiezverein, durfte lediglich für 30 Minuten ran. Hatte er gegen Erzgebirge Aue noch eingenetzt*, musste er sich dieses Mal vorerst mit der Bank begnügen. Vielleicht auch, weil sein spezieller Jubel gegen die Sachsen auf keine positive Resonanz bei Luhukay gestoßen war? Henk Veerman stand nach seinem Treffer regungslos auf dem Feld und hatte mit zu Schlitzen verengten Augen zur Trainerbank gestarrt.

Doch sollte dieser kleine Disput nicht im Vordergrund stehen und eine Bagatelle nicht die Aufstellung eines Trainers beeinflussen. Unterm Strich bleibt festzuhalten, dass Luhukay sich im Nordduell verzockt hat und nun um seinen Job bangen muss. Die Liaison zwischen dem 57-Jährigen und Sankt Pauli, die de facto nie eine war, könnte ein jähes Ende finden. Wirklick glücklich hat diese Schein-Beziehung aber auch nie gewirkt.

Luhukay ist seit rund 14 Monaten im Amt und wollte in dieser Zeit bereits vieles bewirkt haben. Die Bilanz: Demontagen von fast jedem Führungsspieler, erschreckende Auftritte in der Fremde (nur neun Punkte aus 16 Spielen der Saison 2019/2020) und Ausraster auf Pressekonferenzen sowie dem Trainingsplatz. Überzeugen konnte Sankt Pauli in der laufenden Spielzeit nur selten, Glanzlichter wie gegen Bundesliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld (3:0 im Millerntor-Stadion) und die beiden 2:0-Derbysiege gegen den Hamburger SV* stellen die Ausnahme dar.

Es mangelt an Konstanz, die benötigt wird, um zumindest nicht in Abstiegsgefahr zu geraten und eine Saison im gesicherten Mittelfeld zu spielen. Natürlich ist es zu einfach und ungerecht Luhukay gegenüber, ihm spielerische Mängel noch und nöcher anzukreiden. Jedoch scheint der Niederländer seinem Team durch seine spezielle Art der Kommunikation jeden Funken an Selbstvertrauen zu rauben. Eigenwillige Auftritte des Trainers schaden der Mannschaft, dem Verein und nicht zuletzt auch seiner eigenen Person.

FC Sankt Pauli: Hauptsache, keine Relegation - Hamburger SV und Werder Bremen bangen

Ob mit oder ohne Luhukay: Sankt Pauli muss definitiv noch zwei Spiele bestreiten. Zunächst wartet das Heimspiel gegen Jahn Regensburg, bevor die Saison 2019/2020 in der 2. Fußball-Bundesliga mit dem Auswärtsspiel in Wiesbaden abgeschlossen wird. Dies ist zumindest die Hoffnung all derer, die es mit dem Kiezverein halten. Eine Relegation ist für den Kultklub aus Hamburg nach wie vor nicht spruchreif und kann definitiv aus eigener Kraft abgewendet werden.

Anders verhält es sich beim Stadtrivalen, dem Hamburger SV. Die Rothosen spielen zwar in derselben Liga wie Sankt Pauli, haben jedoch ganz andere Sorgen. Aktuell befindet sich der ehemalige Bundesliga-Dino nur auf Platz drei und müsste „Nachsitzen“, also zwei Relegationsspiele gegen den Drittletzten aus dem Fußball-Oberhaus bestreiten. Wird am Sonntag, 21. Juni gegen den ärgsten Verfolger, den 1. FC Heidenheim, verloren, hat es der HSV nicht mehr in der eigenen Hand und wäre nur noch Vierter. Und müsste, entgegen der Aussage von Coach Dieter Hecking, doch auf die anderen Teams schauen*. Pikanterweise sollen die Hamburger an Heidenheim-Shootingstar Niklas Dorsch interessiert* sein.

Spannung bei den Hamburger Fußballvereinen. Und auch ein weiterer Nordverein, der SV Werder Bremen*, bietet noch reichlich Nervenkitzel. Nach der 1:0-Niederlage gegen Bayern München*, die zum achten Mal in Folge Deutscher Meister wurden*, steckt der Klub von der Weser nach wie vor im Schlamassel. Da Mainz 05 Borussia Dortmund bezwingen konnte und Düsseldorf in buchstäblich letzter Sekunde gegen RB Leipzig gepunktet hat, ergibt sich für die Grün-Weißen bereits folgende Konstellation: Verliert Werder im direkten Abstiegsduell gegen die Mainzer und gewinnt zeitgleich Düsseldorf sein Spiel gegen Augsburg, ist der Double-Sieger von 2004 abgestiegen. // Quelle: 24hamburg.de-Sport * 24hamburg.de, deichstube.de, nordbuzz.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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