Offensiv-Misere macht Angst

FC Sankt Pauli vor Aus: Gibt es Haue von Aue, ist Kiezklub im Keller

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Die Stimmung beim FC Sankt Pauli ist bereits im Keller. Fragt sich nur, ob der Kiezklub auch tabellarisch weiter abrutscht. Am 31. Spieltag heißt es: Haue gegen Aue und ein Abstieg rückt näher.

  • FC Sankt Pauli*: Schlüsselspiel gegen Erzgebirge Aue.
  • FCSP-Trainer Jos Luhukay angezählt: Bilanz des Grauens.
  • Das macht Mut, das macht Angst.

Hamburg/St. Pauli – Der FC Sankt Pauli steckt in der Misere. Der Hamburger Kult-Kiezklub konnte nach der Coronavirus-Sars-Cov-2*-bedingten Pause erst eins von fünf Spielen gewinnen. Nur fünf von möglichen 15 Punkten nahm der Hamburger* Verein dabei mit. Dementsprechend wird die Kritik an Trainer Jos Luhukay zunehmend schärfer und auch das Polster auf Relegationsplatz 16 beträgt nur noch fünf Punkte. Am Sonntag, 14. Juni 2020 geht es um 13:30 Uhr im heimischen Millerntor-Stadion gegen Erzgebirge Aue. Der sprichwörtliche Bock muss hier dringend umgestoßen werden.

Fußballclub:FC St. Pauli
Arena/Stadion:Millerntor-Stadion
Trainer:Jos Luhukay
Gründung:15. Mai 1910, Hamburg
Liga:2. Fußball-Bundesliga
Präsident:Oke Göttlich

FC Sankt Pauli: Kiezklub in Abstiegsgefahr – Endspiel für Coach Luhukay gegen Aue?

Der FC Sankt Pauli hat es momentan alles andere als leicht. Die Krise ist nicht von der Hand zu weisen, die Ergebnisse sprechen für sich – und klar gegen den Kiezklub: 0:4-Niederlage in Darmstadt, 0:0-Unentschieden gegen Heidenheim, 1:1-Unentschieden in Karlsruhe, 0:2-Niederlage in Bochum – deutlich wird, dass es den Sankt Paulianer*innen vor allem in der Offensive an Qualität und Durchschlagskraft mangelt. Das hat auch FCSP-Trainer Jos Luhukay erkannt.

„Vor Corona waren wir in der Offensive sehr stark, jetzt müssen wir feststellen, dass unsere Offensivspieler diese Form nicht haben“, konsterniert der Niederländer ernüchternd. Stürmer Henk Veerman ist hierfür ein Paradebeispiel. Noch im Frühjahr war der Landsmann Luhukays in bestechender Form. Nach der Zwangspause und einer Schulterverletzung ist der 29-Jährige nicht nur torlos, sondern zuletzt nicht einmal mehr in der Startelf gewesen.

Der Schwede Viktor Gyökeres traf zumindest beim Re-Start gegen den 1. FC Nürnberg, ist mittlerweile jedoch vom Leistungsträger auf Linksaußen zum entbehrlichen und ersetzbaren Spieler „mutiert". Ebenso mangelt es derzeit an Vorlagengebern, um die Sturmreihe vom FC Sankt Pauli zumindest aussichtsreich zu bedienen. Waldemar Sobota steckt im Tief, Ryo Miyaichi ist seit dem Wiederbeginn noch ohne Scorerpunkt.

„Wir sind abhängig von der Form Einzelner und wir müssen hart daran arbeiten, sie wieder in diese Verfassung zu bringen“, fordert Luhukay seine Spieler, sein Trainerteam und nicht zulezt sich selbst heraus, an die Leistungsgrenze zu gehen. Sollte gegen Erzgebirge Aue nicht gewonnen werden und gar kein Punkt zu Buche stehen, könnte es eng um den Trainer-Veteranen werden. Der Niederländer ist seit ziemlich genau 14 Monaten in Amt und Würden beim FC Sankt Pauli, scheint seine Visionen aber noch nicht umgesetzt zu bekommen.

Der Blick geht nach unten. FC Sankt Pauli-Spieler Waldemar Sobota (Mitte) ist wie viele seiner Kollegen außer Form. Die Drittklassigkeit droht, wird nicht gegen Aue gewonnen. (Archivbild)

FC Sankt Pauli: Durchwachsene Bilanz von Trainer Luhukay – Angstgegner Erzgebirge Aue wartet

Der 56-jährige Luhukay kommt in seinen bisher 38 Spielen an der Seitenlinie für den Kiezklub auf eine durchwachsene Bilanz. Zehn Siegen stehen derer 15 Niederlagen entgegen, 13-mal wurden die Punkte geteilt. Das Torverhältnis in diesem Zeitraum fällt mit 50:58 Toren negativ aus, die Ausbeute von insgesamt 43 Punkten ist stark verbesserungswürdig. Den Statistiken zum Trotz geht es für den einstigen Mittelfeldspieler nun darum, eine Strategie zu finden, um zumindest die verbleibenen vier Spiele der 2. Fußball-Bundesliga-Saison erfolgreich zu bestreiten.

Da kommt ein Heimspiel gerade zur rechten Zeit. Auch wenn die Partie gegen Erzgebirge Aue wie auch alle anderen Spiele im deutschen Profi-Fußball ohne Publikumsbeteiligung stattfindet, gibt die Statistik in diesem Fall Grund zur Hoffnung. Sind die Paulianer in der Saison 2019/2020 in der Fremde konstant harmlos, liest sich die Heimbilanz mehr als respektabel. Denn 26 der insgesamt 35 Punkte wurden im heimischen Millerntor-Stadion eingefahren. Kurios: Siege gelangen dem Kiezklub in der laufenden Runde tatsächlich nur innerhalb der eigenen Stadtmauern. Dazu zählt dementsprechend auch der 2:0-Sieg im Volksparkstadion vom Erzrivalen, dem Hamburger SV*.

Der Optimismus könnte jedoch durch die bisherige Ausbeute gegen Erzgebirge Aue getrübt werden. Die Sachsen stellen für den FC Sankt Pauli eine Art Angstgegner dar. In 17 Aufeinandertreffen konnte der Kiezklub die „Veilchen“ erst zweimal bezwingen. Seit nunmehr zehn Spielen wartet der 1910 gegründete Verein auf einen Sieg gegen das Ost-Team, zuletzt gab es vier Niederlagen. Beim einzigen Heimsieg gegen Aue am 2. Mai 2008, einem 4:2-Erfolg, gab es die drohende 3. Liga noch nicht einmal.

FC Sankt Pauli: Ex-Werder-Spieler Zander optimistisch - „Ich habe keine Angst“

Um einen Absturz in eben diese Drittklassigkeit zu vermeiden, sind drei Punkte gegen die siebtplatzierten Sachsen Pflicht. Damit könnte Coach Luhukay seine Kritiker, die sich aus Medien und Fans zusammensetzen, vorerst verstummen lassen. Kämpferisch und motiviert zeigen sich die Mannen des Niederländers bereits. „Wir haben es definitiv in der eigenen Hand, uns da unten rauszukämpfen, und damit sollten wir am Sonntag anfangen. Ich habe absolut keine Angst davor, gegen Aue zu spielen“, sagt Verteidiger Luca Zander.

Seines Zeichens ehemaliger Spieler von Werder Bremen*, dem ebenfalls vom Abstieg bedrohten Verein aus dem Norden. Natürlich eine Liga höher, jedoch nicht in einer minder prekären Lage. Es wartet das „Schicksalsdrama in Ostwestfalen“, wie „nordbuzz“ schreibt*. Ex-Werderaner Zander hat da einen anderen Fokus. „Auch wenn wir 37 Jahre nicht gegen die gewonnen hätten, wäre es egal. Ich bin überzeugt, dass wir es Sonntag tun werden“, kündigt der FC Sankt Pauli-Spieler einen Sieg gegen Erzgebirge Aue an.

Ein Erfolg, der für Moral, Fans, Trainer, Mannschaft und Tabellenkonstellation immens wichtig ist. Und vielleicht auch vergessen lässt, dass der Verein von der Reeperbahn seine Ticketpreise zum Teil drastisch erhöht*. Da hat der Stadtrivale ganz andere Sorgen. Der Hamburger SV tritt bereits am Freitag, 12. Juni um 18:30 Uhr in Dresden an und benötigt dringend drei Punkte gegen Dynamo.

Das Duell zwischen den drittplatzierten Hamburgern und dem Schlusslicht aus dem Osten gilt schon als Dieter Heckings letzte Chance*, sich seinen Job zu bewahren. Gegen Holstein Kiel hatte sich der erfahrene Coach verzockt* und der HSV einen Rückschlag im spannenden Aufstiegskampf erlitten. Probleme, die der FC Sankt Pauli mit Sicherheit gerne hätte.

Quelle: 24hamburg.de-Sport

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