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European League of Football: Interview mit Liga-Chef zur nagelneuen Liga

Zeljko Karajica posiert im Hamburger Hafen im Hintergrund sind die Kräne zu sehen
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Zeljko Karajica ist der CEO der European League of Football
  • Thanh Nguyen
    VonThanh Nguyen
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American Football ist zurück in Deutschland und Europa! Am 19. Juni 2021 startet die European League of Football in ihre allererste Saison. Liga-CEO Zeljko Karajica im Interview.

Hamburg – Ganze 14 Jahre ist es her, als die Hamburg Sea Devils den Titel in der NFL Europe holten. Im Anschluss wurde die Liga eingestellt und American Football* in der Hansestadt verschwand weitgehend in der Versenkung. Doch das wird sich ändern! Mit klangvollen Namen und einem neuen Konzept startet die European League of Football am 19. Juni 2021 in ihre erste Saison. Liga-Boss Zeljko Karajica spricht über die Teams, die Player und die Spiele der nagelneue Liga.

Mit dabei sind die Hamburger Sea Devils, die mit Headcoach Ted Daisher und Quarterback Jadrian Clark den Titel ins Visier nehmen. Superstar Kasim Edebali kehrt darüber hinaus nach sieben Jahren in der US-Eliteliga NFL in seine Heimatstadt Hamburg zurück.

Alle Mannschaften der European League of Football auf einen Blick:
Cologne Centurions (Deutschland)Hamburg Sea Devils (Deutschland)
Berlin Thunder (Deutschland)Stuttgart Surge (Deutschland)
Frankfurt Galaxy (Deutschland)Leipzig Kings (Deutschland)
Wrocław Panthers (Polen)Barcelona Dragons (Spanien)

European League of Football startet in 6 Wochen: American Football ist zurück in Hamburg, Deutschland und Europa – Liga-Boss im Interview

24hamburg.de sprach mit Liga-CEO Zeljko Karajica, der gemeinsam mit Commissioner Patrick Esume das Projekt geplant hat, über die bevorstehende Premierensaison.

Zeljko, in 6 Wochen geht es los. Schon aufgeregt?
Es ist viel zu viel zu tun, um aufgeregt zu sein. Unabhängig von Corona ist so ein Start einer solchen Liga sehr komplex. Wir haben daher alle Hände voll zu tun. Die eigentliche Aufregung kommt aber sicherlich ein, zwei Wochen vorher.
Zwischen 1991 und 2007 sorgte die Mannschaft der Frankfurt Galaxy bei den Fans für Furore. (Archivbild)

Local Heroes und Instagram sollen European League of Football zum Erfolg führen

Was macht die European League of Football besser als die NFL Europe oder die European Football League?
Besser ist schwierig zu sagen. Man kann Beckenbauer und Schweinsteiger auch nicht vergleichen. Es ist einfach eine andere Zeit. Die NFL Europe liegt fast 15 Jahre zurück. Die Jungs haben super Football gespielt, aber das Konzept und das Markenumfeld war ein anderes. Damals wurde beispielsweise wenig bis nichts live übertragen, sondern es gab nur Zusammenfassungen. Es hat viel in den Stadien stattgefunden mit bis zu 50.000 Zuschauern. Es war ein Happening. Aber das Konzept hat die breite Masse im Fernsehen nicht abgeholt.
Wir haben mit ProSieben MAXX einen Free-TV Partner von Anfang an dabei. Dazu kommt die ganze digitale Welt, die es damals in der aktuellen Form noch nicht gab. Wir haben bei Instagram schon über 50.000 Follower, ohne einen Ball geworfen zu haben. Die Fans sind über digitale Kanäle leichter zu mobilisieren.
Außerdem setzen wir viel mehr auf Local Heroes, also auf Spieler, die aus den jeweiligen Ländern kommen wie Spanien, Polen und Deutschland. Damals kam die Mehrzahl aus Amerika.
Es gibt relevante Unterschiede zu früher, die hoffentlich dazu beitragen, dass die European League of Football längerfristiger und substanzieller am Start bleibt.
Unerwartet deutlich entthronen die Tampa Bay Buccaneers den chancenlosen Titelverteidiger Kansas City Chiefs und gewinnen den Super Bowl 2021.

Alle 44 Spiele der European League of Football werden live auf ProSieben MAXX oder ran.de übertragen

Was sind die Erwartungen im ersten Jahr?
Es gibt zwei Säulen. Zum einen finden wir in Stadien statt. Angesichts von Corona* ist dies schwierig zu prognostizieren, aber ich bin optimistisch, dass wir vor Fans spielen können – wenn auch mit reduzierter Zahl. Wenn wir im September beim Finale mit 50 Prozent Kapazität spielen dürfen, wären das 30.000 Zuschauer in der Merkur Spiel-Arena in Düsseldorf.
Zum anderen wollen wir das Produkt European League of Football im Fernsehen und uns auf dem Niveau von College-Football etablieren. Ziel muss es sein, bis zu 300.000 Zuschauer pro Spiel vor den Bildschirm zu bekommen und bei Instagram in die sechsstelligen Follower-Zahlen vorzustoßen. Wir haben insgesamt 44 Spiele, alle werden live produziert. Das bedeutet, dass ein Fan, der ein Abo abschließt, sich alle Spiele live ansehen kann.
Football ist eine der am schnellsten wachsenden Sportarten. Es ist ein Familien-Event über vier, fünf Stunden. Anders als beim Fußball, wo man fünf Minuten vorher ins Stadion reingeht und vor Abpfiff geht, um die S-Bahn zu bekommen. Das ist beim Football komplett anders.
Zwischen 1991 und 2007 konnte Frankfurt Galaxy vier Mal den World-Bowl-Titel gewinnen.

European League of Football in drei Jahren mit bis 24 Teams

Seid Ihr mit der NFL in Kontakt?
Mit den Hamburg Sea Devils, Berlin Thunder, Frankfurt Galaxy und den Barcelona Dragons dürfen wir die alten Namen der NFL Europe nutzen. Das ist schon mal ein schöner Erfolg. Wir sind im konstruktiven Austausch.
Die European League of Football startet mit acht Teams. Werdet ihr noch aufstocken?
Wir haben die erste Saison mit acht Mannschaften geplant. Unser ursprünglicher Plan war es, in fünf Jahren bei 24 Teams aus 10 bis 13 europäischen Ländern zu sein. Inzwischen muss ich sagen, dass wir dieses Ziel auf jeden Fall früher erreichen, vielleicht sogar schon in drei Jahren. Es ist mehr Interesse im Ausland vorhanden, als wir es erhofft hatten.
Langsam entwickelt sich Hamburg wieder zu einer Sportstadt (24hamburg.de-Montage)
Kommen wir zu den Hamburg Sea Devils. Zum Auftakt wartet Frankfurt Galaxy – gegen das Team, gegen das die Devils 2007 den letzten NFL Europe Titel holte. Sind die Hamburger ein Titelkandidat?
Das ist schwierig zu sagen. Das Schöne ist, dass man mehr Würfel nicht mischen kann. Es wird ganz viel Überraschung dabei sein. Die Sea Devils haben mit Kasim Edebali einen Spieler geholt, der schon auf ganz großem Level gespielt hat. Das haben wir aber auch in Köln und Barcelona, die ordentlich aufrüsten. Ich würde mir nicht zutrauen, einen Favoriten auszumachen, wobei ich schon glaube, dass die Sea Devils ein heißer Kandidat auf die Playoffs, also das Halbfinale, sind.
Max Paatz (General Manager), Head Coach Ted Daisher und Quarterback Jadrian Clark haben mit dem Sea Devils Großes vor

European League of Football: Hamburg Sea Devils wollen ins Volksparkstadion

Elbdome für Handballer und Basketballer, Millerntor oder HSV-Stadion für Euch? Habt Ihr die Hoffnung, dass man dort spielen kann?
Wir tragen das Finale in der Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena, die ähnliche Kapazitäten hat wie das Volksparkstadion. Das ist also nicht so weit weg. Im ersten Jahr hat es zwar nicht geklappt, aber unser Anspruch ist es, wenn der Fanzuspruch da ist, auch in die großen Arenen zu gehen. Vor 15 Jahren hat es ja schon im Volksparkstadion stattgefunden, das heißt wir erfinden nichts Neues, sondern es ist eher eine Rückkehr zu den Wurzeln.
HSV Handball, Sea Devils, Towers – wird Hamburg zur Sportstadt abseits vom Fußball?
Beim Fußball ist noch nichts entschieden. Es wird ein Herzschlagfinale. Ich würde es mir wünschen, dass der HSV in die erste Liga zurückkehrt. Hamburg als Stadt verträgt in den großen Sportarten auf jeden Fall mehr als nur einen Erstligisten mit den Towers. Das befruchtet sich gegenseitig und ist keine Konkurrenz. Es wäre schön, wenn der HSV aufsteigt und wir alle zusammen eine Art Fan-Hype entstehen lassen.

Die European League of Football (ELF) ist der insgesamt dritte Anlauf eine Liga für die Sportart American Football in Europa aufzubauen. Sitz der Liga ist in Hamburg. Daher fand das Interview mit dem CEO der ELF Zeljko Karajica in Hamburg statt. Einzelne Nationalligen gibt es bereits, beispielsweise die German Football League (GFL) in Deutschland oder die Liga Nacional de Fútbol Americano (LNFA) in Spanien. * 24hamburg.de und 24auto.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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