Erschreckend ehrlich

Doku „Schwarze Adler“ schockt mit Wahrheit über Rassismus im Fußball

  • Natalie-Margaux Rahimi
    vonNatalie-Margaux Rahimi
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Die Dokumentation „Schwarze Adler“ auf Amazon zeigt die ungeschönte Wahrheit über Rassismus im Fußball – auch in der deutschen Nationalmannschaft.

Hamburg – Rassismus im Fußball? Das gibt es doch gar nicht. Das jedenfalls wird oft nach Außen hin kommuniziert. Die Vereine und der DFB werben mit Anti-Rassismus-Kampagnen lautstark für Vielfalt und stemmen sich gegen Diskriminierung. So auch die Hamburger Vereine HSV und FC St. Pauli. „Raute ist Vielfalt“ lautet der Spruch des Hamburger SV, der in jedem Spiel über die Banner zu sehen ist. Die Kiezkicker vom Millerntor schrieben kürzlich sogar „Kein Platz für Rassismus“ auf die Trikots. Doch die Dokumentation „Schwarze Adler“ von Torsten Körner zeigt eine andere Wahrheit – die ungeschönte Wahrheit über Rassismus im Fußball und der deutschen Nationalmannschaft.

Dokumentation:Schwarze Adler
Regisseur:Torsten Körner
Hauptdarsteller:Gerald Asamoah, Otto Addo, Anthony Baffoe und viele mehr
Verfügbar:Amazon Prime, ZDF (ab Juni), ZDF-Mediathek (ab Juni)

Schwarze Adler: Amazon-Doku erzählt echte Geschichten von Rassismus im deutschen Fußball – ungeschönt

Fußball – ein Sport für Jedermann. Die Stadien – ein Ort, an dem Hautfarbe und Herkunft keine Rollen spielen. Was zählt, ist nur die Gemeinschaft – alle zusammen. Es sind Worte, die jeder von uns kennt. Aber es sind auch Worte, die nicht jeder von uns fühlt. Das zeigt die Dokumentation „Schwarze Adler“ von Torsten Körner auf eindrucksvolle und zugleich erschreckende Art und Weise. Denn anders als in der Vergangenheit lässt Körner nicht weiße Menschen über Rassismus und Diskriminierung debattieren. Nein, er fragt die Menschen, die es erlebt haben. Menschen, denen der Rassismus in Deutschland wehgetan hat.

Die Dokumentation Schwarze Adler zeigt schockierende Wahrheit über Rassismus im deutschen Fußball. (24hamburg.de-Montage)

In dem Film sprechen Gerald Asamoah, Shary Reeves, Erwin Kostedde, Steffi Jones, Patrick Owomoyela, Beverly Ranger, Rigobert Gruber, Guy Actolatse, Otto Addo und viele weitere über ihre schockierenden Erfahrungen mit Rassismus beim DFB und in der Nationalmannschaft*. Darüber berichtet auch fr.de. Denn der Rassismus in Deutschland ist noch lange nicht besiegt. Er lauert über all – auch im Alltag. Und immer noch müssen tagtäglich Millionen Menschen damit zurechtkommen.

„Schwarze Adler“ schockt mit Rassismus-Geschichten aus Fußball und deutscher Nationalmannschaft

„Mama, wenn ich mich ganz doll wasche, werd ich dann auch so weiß wie du?“. Das fragte Steffi Jones, Fußball-Weltmeisterin und Bundestrainerin, vor vielen Jahren als kleines Mädchen ihre Mutter. Und sie war wahrlich nicht die einzige Schwarze in Deutschland, die vor etlichen Jahren den Wunsch hatte, weiß zu sein. Auch Erwin Kostedde berichtet in „Schwarze Adler“ davon, wie er stundenlang mit Kernseife versucht habe, weißer zu werden. Ein Wunsch der aus Rassismus, Anfeindungen und Hass im Alltag wuchs.

Mama, wenn ich mich ganz doll wasche, werd ich dann auch so weiß wie du?

Steffi Jones in „Schwarze Adler“

„Wie das ist, mit so einer Hautfarbe durch Deutschland zu laufen, können Sie sich gar nicht vorstellen“, erklärt Erwin Kostedde. Er erinnert sich noch gut an die Sprüche, die er sich als Fußballer hatte anhören müssen. Er war der erste von vielen „People of Color“ (PoC) in der deutschen Fußballnationalmannschaft. „Guck mal, der Schwatte – das hätte es bei Hitler nicht gegeben“, ist nur einer der schockierenden Sätze, die sich Kostedde im Laufe seines Lebens gefallen lassen musste. Damals, als er noch ein Junge war, habe er immer den Adler auf der Brust tragen wollen. „Im Nachhinein bedauere ich das. Ich bin nie damit warm geworden“, sagt er heute. Wen wundert’s.

Schwarze Adler: Dokumentation zeigt wie viel Rassismus es wirklich gibt – im ZDF und bei Amazon Prime

Das waren nun mal andere Zeiten damals, wird ein gutgläubiger Mensch heute vielleicht sagen. Doch so stimmt das nicht. Das zeigen auch die fast täglichen Skandale, die weltweit öffentlich werden. So auch die Geschichte von HSV-Trainer Daniel Thioune, der erst kürzlich in einem Podcast über seine schlimmen Erfahrungen mit Rassismus berichtete. Anders ist heute nur, dass sich viele Menschen dagegen aufbäumen. „Schwarze Adler“ trägt mit einer Sammlung aus echten Rassismus-Geschichten ein Stück dazu bei, Aufklärungsarbeit in Deutschland zu leisten.

Die Dokumentation „Schwarze Adler“ über Rassismus im deutschen Fußball und der Nationalmannschaft von damals bis heute ist seit dem 15. April 2021 bei Amazon Prime abrufbar. Am 18. Juni 2021 zeigt das ZDF die Dokumentation außerdem im TV. * 24hamburg.de und fr.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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