„Rückgrat“ fehlt

Hamburg Towers: Corona-Krise bei Hamburger Bundesligisten– 18 BBL-Klubs mit Sorgen

  • Lars Zimmermann
    vonLars Zimmermann
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Die Hamburg Towers sind auf dem Weg nach oben: Türme starten mit drei Siegen in die Saison. Doch Corona-Krise wirft Schatten auf den Erfolg.

  • Die Hamburg Towers starten mit einem historischem Sieg.
  • Die Corona-Krise zwingt zu reduziertem Etat.
  • Ein Spiel fiel aus, weil der Gegner in Corona-Quarantäne war.

Hamburg – Selbst die Wischkinder bleiben im ersten Heimspiel der Hamburg Towers in der Edel-optics.de-Arena draußen. Der Grund: Corona. Damit möglichst wenige Personen in der Halle sind, sorgten beim 78:75-Sieg der Towers gegen Brose Bamberg beim Auftakt der Basketball-Bundesliga (BBL) der verletzte Towers-Spieler Hans Brase und ein Bamberger Funktionär dafür, dass der Hallenboden nicht zu glatt war.

Basketballverein:Hamburg Towers
Trainer:Pedro Calles
Halle:Edel-optics.de-Arena
Gründung:2013
Geschäftsführer:Marvin Willoughby, Jan Fischer
Liga:Basketball-Bundesliga (BBL)

Towers-Star startet durch: Justus Hollatz spielt bald für Deutschland in der Nationalmannschaft

Der Hamburger Sieg im Geisterspiel vor leeren Rängen war zum Saisonauftakt ein historischer. Mit dem neuen Trainer Pedro Calles gelang der erste Heimsieg in der noch kurzen Bundesliga-Geschichte. Überragender Spieler war Neuzugang Terry Allen mit 20 Punkten. Im Blickpunkt stand auch Justus Hollatz. Der 19-jährige Aufbauspieler sollte der erste deutsche A-Nationalspieler der Towers werden. Bundestrainer Henrik Rödl berief Hollatz in den vorläufigen Kader für die EM-Qualifikationsspiele gegen Montenegro und Frankreich. Die Teilnahme musste Hollatz aus Verletzungsgründen absagen. Aber die nächste Berufung dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Sportlich ist bei den Towers also alles in Butter.

Towers-Chef Marvin Willoughby freut sich über drei Siege. Trotz allem belasten ihn Corona-Sorgen. Montage: 24hamburg.de

Doch die Stimmung ist beim Bundesligisten aus dem Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg trotz allem nicht ungetrübt. Bereits der erste Spieltag der Saison 2020/2021 zeigte: Es geht in Corona-Zeiten nur darum, diese Spielzeit irgendwie über die Runden zu bekommen. Das gelang schon zum Auftakt mehr schlecht als recht. Die Partien zwischen Medi Bayreuth und den Telekom Baskets Bonn, Jobstairs Gießen 46ers gegen den Mitteldeutschen BC sowie Hakro Merlins Crailsheim gegen die Niners Chemnitz mussten aufgrund von positiven Corona-Tests abgesagt werden. Die Towers hatten wegen der Corona-Krise am zweiten Wochenende spielfrei. Gegner Gießen war noch in Corona-Quarantäne. Der Klub von der Elbe blieb bisher von positiven Tests verschont und tut alles dafür, damit sich das nicht ändert. So berichtete Neu-Nationalspieler Hollatz, dass er meistens zu Hause bleibt und lediglich ab und an Spaziergänge mit Freunden unternimmt.

Keine Fans in der Edel-optics.de-Arena: Hohe Verluste für die Hamburg Towers

„Die Corona-Pandemie ist ökonomisch und emotional ein großes Problem“, sagte Towers-Geschäftsführer Marvin Willoughby. Die leeren Ränge treffen den Verein hart. Schließlich war vor der Pandemie zwei Jahre lang jedes Heimspiel ausverkauft. „Spiele ohne Zuschauer sind für alle Sportarten außerhalb des Fußballs ein riesiger Kraftakt“, betonte Willoughby. Der Basketball in Hamburg sei vor allem durch die Events in der Edel-optics.de-Arena zu einer Marke geworden. „Die Fans sind unser Rückgrat“, so der Towers-Chef. Auch im großen 24hamburg.de-Interview schildert Marvin Willoughby detailliert die Coronavirus-Herausforderung für die Hamburg Towers.

Pandemie ist ökonomisch und emotional ein großes Problem

Towers-Chef Marvin Willoughby

Wegen fehlender Einnahmen musste der Etat gesenkt werden, laut Bild von 5 auf 3,5 Millionen Euro. Nicht nur die Hamburger müssen sparen. Stefan Holz, Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga, berichtete während einer virtuellen Pressekonferenz, dass die 18 Klubs der BBL mit einem Gesamtbudget von 100 Millionen Euro planen. Im Vorjahr waren es bei 17 Vereinen 130 Millionen Euro.

Towers zahlen sechsstellige Summe für das Corona-Hygiene-Konzept

Towers-Chef Willoughby ist froh, dass kein totaler Stillstand herrscht. „Es ist ein Privileg, dass wir überhaupt spielen dürfen. Damit müssen wir verantwortungsbewusst umgehen“, sagte er. Das Privileg lassen sich die Towers einiges kosten. So investierten sie in das für den Spielbetrieb erforderliche Corona-Hygienekonzept eine sechsstellige Summe. Auch regelmäßige Corona-Tests müssen bezahlt werden. Es sei für alle Vereine ein riesiger Aufwand erforderlich gewesen, um überhaupt eine BBL-Saison zu starten, erklärte der Towers-Geschäftsführer

Basketball-Bundesliga: Geschäftsführer Stefan Holz kritisiert Geisterspiele

Ursprünglich sollten zumindest ein paar Zuschauer in die Halle dürfen, bei den Towers immerhin 680. Aufgrund der beständig hohen Corona-Infektionszahlen hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer aber beschlossen, vorerst in sämtlichen Profiligen nur noch Geisterspiele ohne Fans zuzulassen. Er hätte sich Ausnahmen für die Bereiche gewünscht, in denen Corona-Hygiene-Konzepte funktionieren würden, sagte BBL-Geschäftsführer Holz der dpa.

Stadt Hamburg will Hamburger Profiklubs unterstützen

Unterstützung könnten die Towers und auch andere Profivereine aus der Elbmetropole von der Stadt Hamburg bekommen. Christoph Holstein, Staatsrat der Behörde Inneres und Sport, lobte den Basketball-Bundesligisten bei der Presserunde vor dem ersten Spiel „als relevante Größe auch abseits des Spielfeldes“. Mit seinem Engagement für den Stadtteil Wilhelmsburg zeige der Verein, wie Sport in einer Großstadt funktioniere. Ein solches Aushängeschild will die Stadt Hamburg nicht im Stich lassen und stellt die Schaffung eines Fonds für Hygiene- und Schutzmaßnahmen in Aussicht.

Coronahilfen: Bund gibt 200 Millionen Euro

Auch Bundesmittel könnten den Towers und anderen Profiklubs aus der Hansestadt, zum Beispiel dem Handball Sport Verein Hamburg oder den in der Eishockey-Oberliga beheimateten Hamburg Crocodiles zu Gute kommen. Der Bund stellt Geld zur Verfügung, um den Profivereinen durch die Coronazeit mit größtenteils leeren Hallen und Stadien zu helfen. Die Politik hat daher den Topf „Coronahilfen Profisport“ mit 200 Millionen Euro gefüllt, aus dem die Mindereinnahmen abgefedert werden sollen. Jeder Verein aus dem professionellen und semi-professionellen Bereich kann beim Bundesverwaltungsamt (BVA) einen Antrag auf Zuschüsse stellen. Ausgenommen sind die 36 Klubs aus der Fußball-Bundesliga und der zweiten Liga. Der HSV und der FC St. Pauli gehen also leer aus. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Georg Wendt/dpa/picture-alliance

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