Forschung

WHO schlägt Alarm – Neue multiresistente Keime in Deutschland entdeckt

Die WHO alarmiert: In Deutschland wurden neue multiresistente Keime entdeckt, welche sogar ein Antibiotikum außer Gefecht setzen sollen, das bisher als Hoffnungsträger galt. (Symbolbild)
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Die WHO alarmiert: In Deutschland wurden neue multiresistente Keime entdeckt, welche sogar ein Antibiotikum außer Gefecht setzen sollen, das bisher als Hoffnungsträger galt. (Symbolbild)
  • VonHelena Gries
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Die WHO ist besorgt: In Deutschland wurden neue multiresistente Keime entdeckt. Sie sollen ein Antibiotikum außer Gefecht setzen, das als Hoffnungsträger galt. 

Kassel - Krankenhauskeime wie beispielsweise Enterobakterien sind gefürchtet, denn sie können schwere Infektionen verursachen. Da die Keime zunehmend resistent gegen die Antibiotika-Wirkstoffe (Carbapeneme) werden, die eigentlich die entscheidende Reserve für den Notfall darstellten, wächst die Infektionsgefahr.

Eine neue Kombination von zwei antimikrobiellen Substanzen galt als Hoffnungsträger – doch eine Studie an der Justus-Liebig-Universität (JLU) und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) machte diese Hoffnung nun zunichte: Schon vor dem Einsatz der Medikamente in Deutschland konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Bakterien finden, denen diese neue Kombination nichts mehr anhaben kann.

Multiresistente Keime in Deutschland als Gefahr: Forschende sehen bedrohlichen Umstand

Bereits im Jahr 2017 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Liste der weltweit zwölf gefährlichsten, multiresistenten Keime, für die dringend neue Wirkstoffe benötigt werden. In der obersten Prioritätsklasse finden sich bereits genannte Erreger, die als hohes Risiko eingestuft werden und die in ähnlicher Form jetzt auch in Deutschland nachgewiesen werden konnten. Für Forschende ist dies ein bedrohlicher Umstand.

Als besonders gefährlich und daher dringend zu bekämpfende multiresistente Keime gelten:

  • Acinetobacter baumannii
  • Pseudomonas aeruginosa
  • Enterobacteriaceae

Sie alle sind gegen Carbapenem-Antibiotika resistent, wie auch der neue multiresistente Keim, der von Forschenden in Deutschland entdeckt wurde. Besonders alarmierend ist für Forschende die Tatsache, dass die neuen multiresitenten Keime ein gerade erst entwickeltes und noch in klinischen Studien getestetes Medikament bereits außer Kraft setzen können.

Video: Keime, Bakterien und Viren - Das ist der Unterschied

WHO besorgt: Bakterien weisen bereits Resistenz gegen neues Medikament auf

„Aztreonam-Avibactam ist eine Kombination aus einem älteren Antibiotikum, Aztreonam, mit einem neueren Hemmstoff, Avibactam, der die Wirksamkeit der Resistenz gegen Carbapeneme aufheben kann und so die Bakterien wieder angreifbar macht“, erklärt Can Imirzalioglu vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). Bakterien, die bereits jetzt schon eine Resistenz dagegen aufweisen, konnten in Proben nachgewiesen werden, die von deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersucht wurden.

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Breiten sich diese Resistenzen unter den Erregern aus, noch bevor das hoffnungsvolle Antibiotikum in Deutschland frei verfügbar gemacht werden kann, wären bakterielle Infektionen dann nicht mehr mit diesem Mittel zu bekämpfen, teilen die Forschenden ihre Studienergebnisse mit.

In Europa sterben jährlich 33.000 Menschen durch multiresistente Keime. Viele Bakterien entwickeln Resistenzen gegen Antibiotika. Eine Göttinger Uni-Klinik-Professorin ist der Meinung, die Lösung gegen multiresistente Keime* ist ein Puzzle aus vielen ständig zunehmenden Teilen. (Helena Gries) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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