Anti-Sexismus-Plan

Zu viel Macho-Gehabe: Richterin führt Sexismus-Kontrolle bei der Jungen Union ein

  • Christian Einfeldt
    VonChristian Einfeldt
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CDU-Politikerin Birte Glißmann musste sich mit sexistischen Kommentaren aus der eigenen Partei auseinandersetzen. Nun führt sie Sexismus-Kontrollen ein.

Elmshorn – Seit zwei Jahren ist sie Richterin, jetzt Staatsanwältin. Das nächste Ziel der selbstbewussten Frau: 2022 in den schleswig-holsteinischen Landtag ziehen. Die 28-jährige Birte Glißmann ist bestens qualifiziert, doch auch sie ist nicht vor sexistischen Sprüchen gefeit.

Politische Partei:CDU
Gründer:Konrad Adenauer
Gründung:26. Juni 1945, Berlin
Hauptsitz:Berlin

Dass Sexismus in der Gesellschaft nach wie vor tief verankert ist, zeigte vor Kurzem erst die Beach-Handball-EM, bei der Frauen gezwungen waren in knappen Hosen zu spielen*. Um zu sensibilisieren und um Macho-Gehabe vorzubeugen, führt Birte Glißmann nun einen Anti-Sexismus-Plan ein. Auf CDU-Veranstaltungen finden jetzt Sexismus-Kontrollen statt.

Anti-Sexismus-Plan der Jungen Union: Birte Glißmann möchte auf Missstände aufmerksam machen

„Fühlt sich jemand unangemessen bedrängt, behandelt, oder angemacht, kann er oder sie sich direkt an diese Vertrauensperson wenden“, wird Birte Glißmann in der „Bild“ zitiert. Die CDU möchte auf ihren Veranstaltungen gezielt gegen Sexismus vorgehen. Die Verabschiedung eines Drei-Stufen-Plans soll nun ein erster Schritt sein.

Dass sie „Sexismus-Detektive“ einführt, hat auch einen persönlichen Hintergrund: Birte Glißmann ist bereits selbst Opfer von sexistischen Übergriffen geworden. Die 28-jährige Staatsanwältin spielt gegenüber „Bild“ auf eine Videokonferenz an. Sie war zu dem Zeitpunkt mit dem Auto unterwegs und nahm daher ohne Video teil.

„Das nahm ein männliches Parteimitglied zum Anlass für einen unangemessenen Spruch: Ob ich mich nicht doch per Video zuschalten könne, um mal auf der Motorhaube meines Autos zu posieren“, berichtet Glißmann. Eine Szene, die für die 28-jährige das Fass zum Überlaufen ließ.

JU-Politikerin Birte Glißmann führt einen Anti-Sexismus-Plan ein.

„Da war ich wirklich kurz sprachlos“: Staatsanwältin berichtet von Sexismus in der eigenen Partei

Zwar wiesen Parteikollegen den Sprücheklopfer zurecht, dennoch sollte der Richterin die Situation noch lange beschäftigen. „Da war ich wirklich kurz sprachlos“, beklagte die gebürtige Elmshornerin, die mittlerweile als Staatsanwältin in Itzehoe arbeitet. Die CDU solle kein „Spießerverein“ werden. Flirten sei zum Beispiel erlaubt. Wie sie gegenüber der „Bild“ erklärte allerdings nur dann, „wenn beide Seiten Lust darauf haben“. Sexismus und Macho-Gehabe sei nicht zu tolerieren.

Der Drei-Stufen-Plan ist nun eine erste Maßnahme, um Sexismus in der eigenen Partei auszumerzen. In Anbetracht der Tatsache, dass viele Frauen nach wie vor sexistischen Kommentaren ausgesetzt sind, scheint es ein weiter Weg zu sein. Erst vor Kurzem mussten sich im Zuge der EM2021 Fußball-Kommentatorinnen bei ZDF und ARD mit Hass-Kommentare* beschäftigen.

Der Anti-Sexismus-Plan der Jungen Union Schleswig-Holstein setzt nun ein unmissverständliches Zeichen. Neben der Aktivierung von Vertrauenspersonen soll es darüber hinaus auf Landes- und Kreisebene Gesprächsrunden geben, um weiter auf das gesellschaftlich-relevante Thema aufmerksam zu machen. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/dpa

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