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Wolf angeblich bei Hamburg gesichtet – Experten bezweifeln Berichte

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Von: Kevin Goonewardena

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Ein Mädchen will in einem Waldstück bei Hamburg gleich ein ganzes Rudel Wölfe gesehen haben. Experten bezweifeln die Sichtung – und haben eine andere Idee.

Hamburg – Der Wolf galt in Deutschland 150 Jahre lang als ausgestorben, um 1850 konnte letztmals in Deutschland ein Wolf nachgewiesen werden. 1990 wurde der Wolf dann unter Schutz gestellt, woraufhin sich die Bestände hierzulande wieder erholten. Heute gibt es laut dem deutschen Naturschutzbund NABU 157 Rudel – bestehend aus zwei ausgewachsenen Tieren mit Nachwuchs - 27 Paare und 10 Einzeltiere.

Vor allem in den ostdeutschen Bundesländern konnte sich der Wolf wieder ansiedeln, aber auch in im nördlichen Niedersachsen – vor allem in der Lüneburger Heide, wie etwa in Verden – konnten größere Populationen nachgewiesen werden. Nicht nur im niedersächsischen Landkreis Verden, zeigten sich Schafsbesitzer nach den Wolfssichtungen besorgt., in Schleswig-Holstein wurde im Jahr 2007 der Wolf erstmals wieder nachgewiesen. Jetzt will ein Mädchen in Hohenlockstedt (Kreis Steinburg) gleich ein ganzes Rudel gesehen haben. Das berichtet shz.de.

Name:Wolf ( Canis lupus)
Letztmalige Sichtung in Deutschland im Jahr:1850
Erstmals wieder in Deutschland nachgewiesen im Jahr:2000
Aktuelle Bestandszahlen des NABU:157 Wolfsrudel, 27 Paare und 19 territoriale Einzeltiere

Wolfsichtungen Kreis Steinburg: Mindestens ein bestätigtes Tier im Kreis

Laut Landschaftsministerium in Kiel gibt es aktuell keine niedergelassenen Wölfe in Schleswig-Holstein. Als niedergelassen gelten Wölfe, wenn sie mindestens sechs Monate an einem Ort verbringen. Die Wölfe in Schleswig-Holstein sind laut Ministerium auf dem Weg in andere Bundesländer oder nach Dänemark.

Dass sich im Kreis Steinburg, in dem der vermeintliche Sichtungsort des Wolfes liegt, aktuell mindestens ein Wolf aufhält, ist hingegen belegt. Wie shz.de schreibt, wurden am 17. März und 26. März insgesamt drei gerissene Schafe gezählt, die mithilfe einer DNA-Analyse einem Wolf zugeordnet werden. Bereits am 14. und 16. Februar wurden an anderer Stelle des Kreises Steinburg Risse vermeldet, am 09. April ist sogar ein Wolf mitten in Elmshorn gesichtet worden.

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Wolfssichtung: Mädchen beschreibt Begegnung mit Wölfen – und ihre Angst

Gegenüber shz.de äußert sich das Mädchen zu der Wolfs-Sichtung, die sich laut den Angaben des Mädchens in einem Waldstück bei Hohenlockstedt zwischen Lohmühlenweg und Bückener Weg ereignet haben soll. Sie habe gegen 20:15 Uhr das Haus am Waldrand verlassen, um nachzuschauen, wo es brenne, so das Mädchen. Draußen habe sie dann aber festgestellt, dass es sich bei dem vermeintlichen Brand um ein Osterfeuer handelte. Auf dem Weg zu dem vermeintlichen Brandherd habe sie dann plötzlich ein merkwürdiges Geräusch gehört „und dann sind die Rehe, die ich vorher auf der Wiese gesehen habe, ganz schnell weggelaufen“, gab sie der Zeitung gegenüber zu Protokoll.

Symbolbild eines Wolfes
Ein Mädchen will am Osterwochenende ein Wolfsrudel im schleswig-holsteinischen Kreis Steinburg gesehen haben. Experten bezweifeln die Sichtung allerdings. (Symbolbild) © Ulmer/Imago Images

Sofort habe sie zum Telefon gegriffen und eine Freundin angerufen „weil ich solche Angst hatte und erkannt habe, dass es Wölfe sind“. Die Fotos und das Video, die das Mädchen angefertigt hat, lassen zwar Tiere erahnen, zu identifizieren sind allerdings weder die vermeintlichen Wölfe, noch andere Waldtiere.

Wolfssichtung in Schleswig-Holstein: Experten bezweifeln Sichtung durch Mädchen

Die Sichtung eines Rudels, wie sie das Mädchen gemacht haben will, wird von Experten fast gänzlich ausgeschlossen. Martin Schmidt, Sprecher des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) sagte gegenüber shz.de: „Ein Rudel ist nahezu ausgeschlossen, bisher gab es in dem Bereich nur eine Einzelsichtung“ und führt weiter aus, dass erwachsene Tiere längst aufgefallen wären. Auch der Förster, dessen Zuständigkeitsbereich des nahegelegenen Schienenwaldes ist, ist sich sicher, dass das Mädchen in diesem Bereich keinen Wolf gesehen haben kann. Schon alleine wegen der Dichte der in dem Bereich aufgestellten WIldkameras. Er könne sich aber vorstellen, dass es sich um eine Rotte Wildsauen gehandelt habe, die das Mädchen an dem besagten Abend im Wald gesehen hat. Es gebe dort „vier oder fünf Tiere, eine Überläufertruppe, das könnte gut passen“, so der Förster Björn Berling gegenüber der Mediengruppe.

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