1. 24hamburg
  2. Schleswig-Holstein

Westerland auf Sylt: Ein Ort mit Kultstatus

Erstellt:

Von: Dagmar Schlenz

Kommentare

Westerland auf Sylt – kaum eine Stadt in Deutschland hat einen ähnlichen Bekanntheitsgrad. Was macht den Ort an der Nordsee so besonders?

Westerland – Zentrum und Verkehrs-Knotenpunkt der Nordseeinsel Sylt ganz im Norden von Schleswig-Holstein ist Westerland. Personen- und Autozüge, die Besucher und Einheimische über den Hindenburgdamm auf die Nordseeinsel Sylt befördern, treffen am Bahnhof Westerland ein. Auch einen Flughafen gibt es in Westerland, der die Insel mit verschiedenen Zielen im In- und Ausland verbindet.

Name:Westerland (Friesisch: Weesterlön)
Einwohner:9032 (Stand 2007)
Höhe:5 Meter
Gemeinde:Sylt / Ortsteil Westerland
Postleitzahl:25980
Bürgermeister:Nikolas Häckel (parteilos)

Offiziell gilt Westerland auf Sylt als Hauptstadt der Nordseeinsel Sylt, doch das Stadtrecht besitzt der Ort seit 2008 nicht mehr. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Zusammenschluss mit Sylt-Ost und Rantum zur Gemeinde Sylt beschlossen. Westerland ist seitdem Verwaltungssitz und einer der insgesamt sechs Ortsteile der Gemeinde Sylt.

Die Geschichte von Westerland auf Sylt: Vom Dorf zur Tourismus-Hochburg

Westerland ist neben Hörnum einer der jüngsten Orte auf der Nordseeinsel. Sylt war schon immer vom Untergang bedroht. Besonders hart getroffen wurde die Insel am 01. November 1436, als eine Sturmflut den Ort Eidum auf Sylt komplett ausgelöscht hat. Die Überlebenden dieser Naturkatastrophe gründeten nordöstlich von ihrer zerstörten Heimat einen neuen Ort. Sie nannten ihn Westerland – vermutlich, weil er auf dem Land westlich des Dorfes Tinnum lag.

Das Leben der Menschen in Westerland war entbehrungsreich. Im Jahr 1778 waren die Bewohner des Dorfes mit 124 Häusern bettelarm. Kein Vergleich zu den reichen Seefahrern, die im Ort Keitum auf der Wattseite der Nordseeinsel ein relativ gutes Auskommen hatten. Und so ist es kein Wunder, dass auch die Einwohner von Westerland vermehrt von der Landwirtschaft auf Seefahrt und Walfang umsattelten.

Um Zeugnisse aus dieser Zeit zu entdecken, lässt man den Bahnhof und das jetzige Zentrum von Westerland hinter sich. Rund um die Straßen Kirchenweg, Zwischen den Hedigen und Bastianstraße liegt in Bahnhofsnähe Alt-Westerland. Auf dem Friedhof der „Dorfkirche“ St. Niels im alten Ortskern findet man noch die teilweise reich verzierten Grabsteine der Kapitänsgräber aus dem 18. Jahrhundert.

Eine weiß getünchte Kirche, im Vordergrund ein alter Grabstein mit einem Segelschiff. Auf dem Friedhof der Dorfkirche St. Niels in Alt-Westerland auf Sylt finden sich noch Kapitänsgräber aus dem 18. Jahrhundert.
Auf dem Friedhof der Dorfkirche St. Niels in Alt-Westerland auf Sylt finden sich noch Kapitänsgräber aus dem 18. Jahrhundert. © Dagmar Schlenz

Eine neue Ära auf Sylt begann mit dem Tourismus. Erste Kurgäste kamen Mitte des 19. Jahrhunderts nach Westerland und im Jahr 1855 wurde der Ort offiziell zum „Seebad“. Schnell hatte Westerland einen Ruf als moderner und fortschrittlicher Badeort. Fast überall im Land gab es noch getrennte Strandbereiche für Männer und Frauen, doch im Familienbad in Westerland konnten beide Geschlechter gemeinsam das Strandleben genießen.

Anreise nach Westerland: Warum der Hindenburgdamm gebaut wurde

Die Anreise der Badegäste zum mondänen Badeort Westerland erfolgte mit dem Raddampfer von der Hoyerschleuse bei Tondern nach Munkmarsch auf Sylt. Dort gibt es noch heute einen kleinen Hafen und das Fährhaus, das mittlerweile ein Hotel ist und als Drehort für den Hollywood-Blockbuster „Der Ghostwriter“ genutzt wurde. Die Überfahrt nach Sylt konnte je nach Wetter und Gezeiten schon mal bis zu sechs Stunden dauern. Daher begann man bereits im Jahr 1875 mit Untersuchungen für den Bau eines Dammes vom Festland nach Sylt.

Die Planung für die feste Verbindung mit dem Festland zogen sich in die Länge und wurden durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Nach dem Krieg fielen die Hoyerschleuse und Tondern 1920 an Dänemark, die Bewohner der Insel Sylt entschieden sich in einer Volksabstimmung für den Verbleib bei Deutschland. Nun musste für die Anreise nach Sylt die Deutsch-Dänische-Grenze passiert werden, der Bau eines Dammes wurde somit noch dringlicher.

1923 konnte mit den Bauarbeiten für den Eisenbahndamm begonnen werden und vier Jahre später war es dann endlich so weit: Der erste Zug rollte über den Damm auf die Insel Sylt. An Bord war der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg, nach dem der Damm bei einem anschließenden Frühstück im Kursaal von Westerland dann auch benannt wurde.

Bausünden in Westerland: Kurzentrum, Appartements und das Projekt „Atlantis“

Am Hauptstrand von Westerland fallen sofort drei große Apartmentblöcke ins Auge, die alle umliegenden Gebäude überragen. Während das Stadtbild zuvor noch von kleineren Hotels in Bäderarchitektur geprägt wurde, führte der Tourismus-Boom in den 1960er Jahren zu einigen Bausünden in Westerland. Viele alte Gebäude wurden abgerissen und neue, größere Apartmenthäuser gebaut. So auch das Kurzentrum Westerland und zwei weitere Apartmentblöcke in unmittelbarer Nähe zum Strand.

Ein großer Appartmentblock, davor einige Strandkörbe. Das in den 1960er Jahren erbaute Kurzentrum in Westerland auf Sylt gehört zu den Bausünden auf der Nordseeinsel.
Das in den 1960er Jahren erbaute Kurzentrum in Westerland auf Sylt gehört zu den Bausünden auf der Nordseeinsel. © Dagmar Schlenz

Geplant war noch ein weiteres, weitaus größeres Gebäude. Unter dem Namen „Atlantis“ sollte ein Apartmentblock mit 25 Stockwerken und einer Höhe von etwa 100 Metern entstehen. Nach massiven Protesten der Insulaner wurde das Projekt Anfang der 1970er Jahre von der Landesregierung Schleswig-Holstein unter dem damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Stoltenberg (CDU) gestoppt.

Sehenswertes in Westerland auf Sylt: Skulpturen, Kirchen und ein besonderer Friedhof

Geprägt durch den Bau-Boom der 1960er und 1970er Jahre, gehört Westerland sicherlich nicht zu den schönsten Orten auf der Nordseeinsel Sylt. Trotzdem kann man in Westerland einiges entdecken. Schon bei der Ankunft am Bahnhof Westerland wird man von den „Reisenden Riesen im Wind“ empfangen. Die vier über-mannsgroßen knallgrünen Figuren des Kieler Künstlers Martin Wolke zieren seit 2001 den Bahnhofsvorplatz.

Vier grüne Skulpturen, die einen Mann, eine Frau und zwei Kinder mit übergroßen Füßen darstellen. Die „Reisenden Riesen im Wind“ des Künstlers Martin Wolke empfangen Besucher am Bahnhof von Westerland auf Sylt.
Die „Reisenden Riesen im Wind“ des Künstlers Martin Wolke empfangen Besucher am Bahnhof von Westerland auf Sylt. © Dagmar Schlenz

Und noch eine Skulptur ist ein beliebtes Fotomotiv in Westerland: Die „Dicke Wilhelmine“ sitzt seit 1980 in einem Brunnen am Anfang der Fußgängerzone und soll das Leben lockerer und fröhlicher erscheinen lassen. Das 175 Kilogramm schwere Sylter Wahrzeichen der Künstlerin Ursula Hensel-Krüger bringt nichts aus der Ruhe. Dabei hat die „Dicke Wilhelmine“ schon viel gesehen. Bereits in den achtziger Jahren fanden um sie herum die ersten Punker-Treffen auf Sylt statt – doch dazu später mehr.

In Westerland auf Sylt gibt es gleich drei Kirchen – mit ganz unterschiedlicher Architektur und Geschichte:

Das älteste Gotteshaus in Westerland ist die auch als „Dorfkirche“ bezeichnet Kirche St. Niels im alten Ortskern. Gebaut wurde sie 1634 und ist damit das älteste Gebäude in Westerland. Die größte Kirche der Nordseeinsel Sylt ist St. Nicolai, die von 1906 bis 1908 errichtet wurde und in der Nähe des Bahnhofs von Westerland liegt. In der dreischiffigen Backsteinkirche kann man unter anderem einen romanischen Taufstein aus der Kirche des versunkenen Ortes Eidum bewundern.

Die jüngste Kirche in Westerland, St. Christophorus, fasziniert durch eine ganz besondere Architektur. Bullaugenfenster und ein elliptischer Innenraum kennzeichnen den Bau des Architekten Dieter Georg Baumewerd. Gegenüber der erst im Jahr 2000 eingeweihten Kirche St. Christophorus in der Elisabethstraße befindet sich ein weiterer besonderer Ort in Westerland auf Sylt: der Friedhof der Heimatlosen. Hier hat man bis zum Jahr 1907 ertrunkene Seeleute bestattet, die am Westerländer Strand angespült wurden. Auf den 53 Kreuzen sind Datum und Fundort der Seefahrer vermerkt.

Promenade, Strand und Sonnenuntergang in Westerland auf Sylt

Westerland hat eine lange Tradition als Bade- und Kurort. Aus dieser Zeit stammt auch das durchaus sehenswerte Rathaus in Westerland. Das Gebäude, das bis 2021 auch das Casino Westerland beherbergte, wurde Ende des 19. Jahrhunderts im nordisch-friesischen Stil als Kurhaus erbaut. Auf eine ähnlich lange Geschichte blickt auch die Muskimuschel an der Promenade in Westerland zurück. Hier finden bis heute Musikveranstaltungen statt, die mit einer Gästekarte kostenlos besucht werden können.

Ebenfalls eine Gästekarte benötigt, wer an den Hauptstrand von Westerland möchte. Hier kann man sich für das Sonnenbad einen Strandkorb mieten, am Wasser spazieren oder einfach nur im Sand liegen und entspannen. Insgesamt 40 Kilometer ist der Strand an der Westseite der Insel lang. Und auch die Promenade lädt zum Flanieren ein. Wenn die Sonne sich dem Horizont nähert, dann wird es dort besonders voll. Denn die schönste Sehenswürdigkeit in Westerland ist wohl der Sonnenuntergang über der Nordsee.

Ist Westerland besonders? Sagen Sie uns Ihre Meinung

Die Ärzte, Punks und Westerland auf Sylt: Diese eine Liebe wird nie zu Ende geh’n

„Ich will zurück nach Westerland“ tönt es seit Ende der achtziger Jahre aus dem Radio sowie auf zahlreichen Feiern, und (fast) alle singen mit. Es war das Jahr 1988, als die Punk-Rock-Band „Die Ärzte“ ihren Song „Westerland“ veröffentlichte. Das Lied ist eine leicht ironische Hommage an die Stadt auf der Nordseeinsel Sylt, die schon damals für viele Menschen Sehnsuchtsort war. Bis heute hat das Lied Kultstatus. Der Refrain „Ich will zurück nach Westerland“ schmückt T-Shirts und Hoodies, die auf der Ferieninsel Sylt als Souvenirs verkauft werden.

„Diese eine Liebe wird nie zu Ende geh’n“ – auch Journalistin und Autorin Susanne Matthiessen wählte eine Zeile aus dem Song der Ärzte als Titel für ihren Roman über ihre Jugend in den achtziger Jahren auf Sylt. Ein legendäres Ereignis war damals das vermeintliche Abschiedskonzert der Ärzte am 9. Juli 1988 in Westerland. Dort spielte die Punk-Rock-Band im Neuen Kurhaus vor etwa 1500 Fans.

Abgestiegen sind die Ärzte 1988 auf Sylt im Hotel Miramar direkt an der Promenade von Westerland – Zimmer und Mobiliar blieben nach Aussage des Hotelinhabers gegenüber der Sylter Rundschau aber unversehrt. Auch in den neunziger Jahren und im Jahr 2022 – nach der Einführung des 9-Euro-Tickets im Rahmens des Entlastungspakets der Bundesregierung – zieht es die Punks auf die Promi-Insel Sylt nach Westerland. Und jedes Mal treffen sie sich am Brunnen bei der „Dicken Wilhelmine“, um mit lauter Musik und reichlich Bier zu feiern.

Eine Gruppe Punks sitzt neben einem Brunnen, in dessen Mitte sich die Bronzefigur einer korpulenten nackten Frau befindet. Pfingsten 2022 hat sich eine Gruppe Punks, die mit dem 9-Euro-Ticket angereist ist, an der „Dicken Wilhelmine“, einem der Wahrzeichen von Westerland auf Sylt, getroffen.
Punks treffen sich Pfingsten 2022 an der „Dicken Wilhelmine“, einem der Wahrzeichen von Westerland auf Sylt. Sie waren mit dem 9-Euro-Ticket auf die Insel gekommen. © Dagmar Schlenz

Westerland auf Sylt: Freizeitangebot von Sylter Welle und Aquarium bis Kinowelt

In Westerland finden Besucher und Einheimische ein umfangreiches Freizeitangebot. Gleich drei Wasserrutschen erwarten die kleinen und großen Besucher der Badelandschaft im Freizeitbad Sylter Welle in Westerland auf Sylt. Bei jedem Wetter laden Sprudelbecken, Wellenbad, Kinderbecken und Sportbecken zum Schwimmen und Plantschen ein. Um Wasser und seine Bewohner dreht es sich auch im Süden von Westerland. Im Aquarium Sylt lässt sich die Unterwasserwelt der Nordsee und der Tropen erkunden.

Freizeitangebote in Westerland auf Sylt

Freizeitbad Sylter Welle, Strandstraße 32

Aquarium Sylt, Gaadt 33

Kinowelt Westerland, Strandstr. 9

Auch ein Kino gibt es in Westerland. Zwar mussten die legendären „Kurlichtspiele“ in der Bismarckstraße im Jahr 2004 einem Neubau weichen, doch vier Jahre zuvor hatte in der Strandstraße die „Kinowelt Sylt“ eröffnet. In den insgesamt vier Sälen, die über moderne Technik für das optimale Kino-Erlebnis in 2D und 3D verfügen, werden aktuelle Kinofilme gezeigt.

Auch interessant

Kommentare