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Bus-Chaos auf Sylt: Zusätzliche Busse sollen Lage entschärfen

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Von: Christian Einfeldt, Dagmar Schlenz

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Das 9-Euro-Ticket sorgt auf Sylt für überfüllte Busse. Während der Sommerferien will der Verkehrsbetrieb durch zusätzliche Fahrten Entlastung schaffen.

Update vom 18. Juli 2022: Mit dem Beginn der Sommerferien hat sich die Situation in den Linienbussen auf der Nordseeinsel Sylt noch einmal verschärft. Viele Urlauber sind angereist und nutzen das 9-Euro-Ticket, um die Insel zu erkunden. Lange Schlangen bilden sich beispielsweise an den Bushaltestellen in Westerland und List auf Sylt. Fahrgäste werden stehen gelassen, weil die Busse komplett überfüllt sind.

Um die Lage zu entschärfen, werden nach Auskunft der Sylter Verkehrsgesellschaft (SVG) seit dem 12. Juli 2022 zusätzliche Busse auf den Linien 1 und 2 zwischen ZOB/Westerland und List sowie Hörnum eingesetzt. Die Busse mit der Kennzeichnung „Einsatzwagen“ verkehren am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und am Wochenende und halten an Haupt-Bushaltestellen entlang der Strecke. Da ein Ticketkauf in diesen Bussen nicht möglich ist, können nur Fahrgäste mitfahren, die bereits einen gültigen Fahrschein besitzen.

Bus-Chaos auf Sylt: Nahverkehr „an der Kapazitätsgrenze“

Ursprungsartikel vom 25. Juni 2022: Sylt – Auf Sylt jagt seit Einführung des 9-Euro-Tickets ein Ansturm den nächsten. Dass das Leben auf der Nordseeinsel zurzeit auf den Kopf gestellt wird, zeigen die mitunter kuriosen Bilder, die etwa dann entstehen, wenn Anarchos und Aussteiger mit den Superreichen auf Sylt feiern. Aus Kreisen der Politik macht sich schon Unmut über den aktuellen Zustand breit. „Wir halten das nicht durch“, mahnt bereits ein CDU-Politiker und meint damit die Situation rund um die Punks, die derzeit auf Sylt verweilen.

Doch noch ein weiterer Faktor sorgt für Unruhe und Chaos: Die vielen überfüllten Busse! Einheimische sind genervt.

Insel in Schleswig-Holstein:Sylt
Fläche:99,14 km²
Bevölkerung:15.169 (2012)
Inselgruppe:Nordfriesische Inseln

Bus-Chaos auf Sylt: Durch 9-Euro-Ticket kann Mitnahme aller Fahrgäste nicht garantiert werden

Nach Informationen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (shz) verhilft das 9-Euro-Ticket Sylt und der Sylter Verkehrsgesellschaft (SVG) zu einem erhöhten Fahrgastaufkommen von rund 20 bis 30 Prozent: Stress und Chaos sind vorprogrammiert. Eine Mitnahme aller Fahrgäste sei laut Berichten des shz längst nicht mehr garantiert. Sie müssen zur Schule oder zur Arbeit, doch werden an Haltestellen einfach zurückgelassen. Seit Einführung des 9-Euro-Tickets wurde dieses Szenario schon oft Wirklichkeit.

Menschen stehen Schlange, um in einen blauen Bus einzusteigen. Auf der Nordseeinsel Sylt sind die Linienbusse durch das 9-Euro-Ticket oft überfüllt. Zusätzliche Fahrten sollen die Lage entschärfen.
Auf der Nordseeinsel Sylt sind die Linienbusse durch das 9-Euro-Ticket oft überfüllt. Zusätzliche Fahrten sollen die Lage entschärfen. © Dagmar Schlenz

Laut SVG-Geschäftsführer Sven Paulsen sei es „dringend erforderlich“, neue Angebote zu schaffen. Aktuell fahren die Busse auf Sylt in Richtung List noch alle 30 Minuten. Richtung Hörnum fährt die SVG derweil in einem 15- bis 20-Minuten-Takt. Auf Sylt, wo im Sommer zahlreiche Konzerte anstehen, möchte man auf das aktuelle Chaos reagieren und hofft darauf, schon bald jeweils einen zusätzlichen Bus pro Stunde anbieten zu können.

Etwaige Gespräche mit Kommunen, dem Kreis und dem Land Schleswig-Holstein laufen nach Angaben des shz bereits. Das Problem: „Bisher zeichnet sich jedoch noch keine Lösung für die Zusatzkosten ab.“

Nach Einführung des 9-Euro-Tickets: Sylt „an der Kapazitätsgrenze“ – Insel braucht finanzielle Unterstützung

Mit zusätzlichen Fahrten will Sylt es schaffen, dem Bus-Chaos des 9-Euro-Tickets, das in manchen Fällen auch im ICE gültig sein kann, gerecht zu werden. Eine Busfahrt mehr pro Stunde – für die Sylter Verkehrsgesellschaft würde das tägliche Mehrkosten in Höhe von 3.100 Euro bedeuten. Aus Kreisen der SVG heißt es, dass sich bis Ende August 2022 eine Kostensumme von 305.164 Euro ergeben würde. Die SVG gerät in Nöte: Durch das 9-Euro-Ticket bekommt sie nämlich keine weiten Tickets verkauft. Medienberichten zufolge gebe es auch keine Möglichkeit, dass der Bund für die Kosten aufkommt.

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Ihre letzte Hoffnung sieht die SVG aktuell im Landschaftszweckverband (LZV). Von ihm erhofft sich die Sylter Verkehrsgesellschaft finanzielle Unterstützung. Rückendeckung seitens des LZV gibt es bereits. Das bestätigte LZV-Verbandsvorsteher Manfred Uekerman gegenüber des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags. Die Nordseeinsel befinde sich demnach „an der Kapazitätsgrenze“. Insbesondere aus Rücksicht mit den Einheimischen sieht der LZV, „Handlungsbedarf, zusätzliche Fahrten anzubieten“.

Dahingehend wurde auch bereits ein erster Beschluss gefasst. Gibt es abschließend für den Kreis Nordfriesland keine rechtlichen Einwände, unterstützt der Landschaftszweckverband die Insel – jedoch nur bei einer maximalen Beteiligung von 150.000 Euro.

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