„Rassistischer Ortsname“

Wegen N-Wort: Grüne wollen Dorf Negernbötel umbenennen

  • Christian Einfeldt
    vonChristian Einfeldt
    schließen

Der Dorfname Negernbötel sorgt aktuell für große Aufregung im schleswig-holsteinischen Landkreis Segeberg. Jetzt fordern die Grünen seine Umbenennung.

Bad Segeberg – Dass die Dörfer rund um Bad Segeberg in die Schlagzeilen geraten, ist schon eher selten. Selbst ein Wolf-Drama im Wildpark Eekholt* konnte nicht einmal für einen solchen Medienrummel sorgen wie aktuell die schleswig-holsteinischen Gemeinde Negernbötel.

Gemeinde:Negernbötel
Fläche:16,97 km²
Bevölkerung:989 (Stand: 2021)
Kreis:Segeberg

Die Grüne Jugend aus dem Kreis Segeberg fordert eine Umbenennung ihres beschaulichen Dorfes, das nicht einmal 1000 Einwohner beheimatet. Vor allem für Menschen, die des plattdeutschen Dialektes nicht mächtig sind, hinterlässt der Ortsname einen faden Beigeschmack. Doch können die Grünen tatsächlich ein Umdenken in der Politik bewirken?

Grünen Jugend in Segeberg: „Der Ortsname enthält das sehr verletzende und rassistische N-Wort“

In einem Instagram-Post verschafft sich die Grünen, die kürzlich eine Gender-Polizei forderte*, Luft: „Der Ortsname N***rnbötel enthält das sehr verletzende und rassistische N-Wort“. Der Gemeinde und ihren Einwohnern wollen die Jung-Politiker keineswegs Rassismus vorwerfen. Dass sich der Ortsname von der plattdeutschen Sprache, die in Oldenburg durch eine Bilderreise am Leben erhalten bleiben soll* ableitet, kann ihr Entsetzen nicht schmälern. Doch eine Umbenennung scheint keine Option zu sein – zumindest nicht für den Landeschef der Grünen: „Der Kampf gegen Rassismus ist enorm wichtig und auch die Betrachtung von Sprache kann dabei relevant sein“, so Steffen Regis.

Müssen sich die knapp 1000 Dorf-Einwohner bald an einen neuen Ortsnamen gewöhnen?

Durch die plattdeutsche Bedeutung gebe es für Regis aber keinen Anlass, „diesem Namen oder gar seinen Einwohner*innen rassistische Motive zu unterstellen“. Auch eine Umbenennung des Ortes schließt der Politiker der Grünen kategorisch aus. Ähnlich sieht es Marco Timme, der andere Aufgaben in der schleswig-holsteinischen Gemeinde als wichtiger erachtet. „Wir bauen eine neue Feuerwehr und bei der Kita an. Da ist die Diskussion über eine Namensgebung von 1306 nachrangig“, so der Bürgermeister der kleinen Gemeinde.

In einem Tweet positionierte sich auch die Grüne Schleswig-Holstein noch einmal eindeutig mit den Worten: „Klarstellung: Der Kampf gegen Rassismus ist dringend notwendig! Eine Umbenennung des Ortes #Negernbötel steht für uns aber nicht zur Debatte.“*

Wolfgang Kubicki und Melanie Bernstein sind empört über Forderung der Grünen

Die Debatte um die Namensänderung des 700 Jahre alten Dorfes ruft nun auch weitere Politiker aus Schleswig-Holstein auf den Plan. So hagelte es von der CDU-Bundestagsabgeordneten Melanie Bernstein, die im Nachbarort Wahlstedt wohnt, deutliche Kritik an dem Vorhaben der Grünen Jugend.

Deren Forderung offenbare, „wie wenig Verständnis die Grünen für Ihre Heimat haben“, so die Politikerin. Ohnehin würden die Grünen, die sich vor Kurzem mit einer Troll-Kampagne rund um Kanzlerkandidatin Baerbock* auseinandersetzen musste, dazu neigen, „absurdeste Zusammenhänge zu konstruieren, um ihre ideologischen Botschaften zu transportieren“.

Ähnlich empört zeigt sich Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki und nutzt die Gelegenheit, um zum Rundumschlag gegen die Partei auszuholen: „Die Grünen beginnen den Bundestagswahlkampf mit kulturimperialistischen Forderungen. Wer Menschen, die an einem bestimmten Ort wohnen, zumindest unterschwellig in die rassistische Ecke stellt, der hat alle Maßstäbe verloren“.

Die Forderungen Negernbötel umzubenennen sei seiner Meinung nach ein Sinnbild dafür, dass „der grüne Pragmatismus, den Baerbock und Habeck in den vergangenen Jahren demonstrieren wollten, nur vorgespielt war“, sagte Kubicki.

Ortsname leitet sich aus dem Plattdeutschen ab – erste Erwähnung im Jahre 1306

Den ersten Eintrag in den Geschichtsbüchern machte das Dorf im Jahre 1306, als in der Nähe des Klosters Segeberg zwei Siedlungen entstanden. Das eine Dorf kennt man heute unter den Namen Fehrenbötel, das andere nannte sich Negernbötel. Doch rassistische Hintergründe hatte die Ortsnennung keineswegs.

Der Name Negernbötel setzt sich zusammen aus dem plattdeutschen Begriff für Siedlung („Botele“) und kurzen Distanz („Neger“) zum Kloster. Während das eine Dorf weiter in der Ferne war, befand sich Negernbötel direkt in der Nähe.

(Transparenzhinweis: Die Reaktion der Grünen Schleswig-Holstein auf Twitter wurde im Nachgang ergänzt) *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Screenshot BILD

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare