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Punks fallen auf Sylt ein – die Bilanz am Pfingstmontag

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Von: Jakob Koch

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Das Pfingstwochenende wird in die Sylter Geschichte eingehen: Tausende Feierwütige haben dank 9-Euro-Ticket die Insel angesteuert. Die Gastronomen ächzen unter den Chaostagen 2022.

Westerland – Schampus bei den Reichen, Dosenbier für die Punks: Was in der Zusammenfassung der Bild-Zeitung nach einer Reihe kurioser Ereignissen auf der Nordseeinsel Sylt klingt, wurde durchaus ernst. In Westerland kam es zu einem Angriff auf einen Restaurant-Mitarbeiter, zudem sind Sylter Gastronomen zunehmen genervt vom Treiben der bunten Besucher. Sogar ein Versammlungsverbot wird gefordert.

Punks auf Sylt mit 9-Euro-Ticket: die Bilanz am Pfingstmontag

Die Worte sind mittlerweile drastisch gewählt. Ein Restaurant-Chef klagte gegenüber dem Hamburger Abendblatt über die Folgen der Sylter Invasion: „Das Pfingst-Geschäft ist komplett im Eimer. Dabei hätten wir das nach der harten Zeit in der Pandemie gut gebrauchen können. Da hilft nur noch eine Flasche Korn.“ Die Bilanz der Chaostage 2022 auf Sylt am Pfingstmontag fällt durchwachsen aus.

Insel:Sylt
Fläche:99,14 km²
Einwohnerzahl:13.818
Landkreis:Nordfriesland

Ansturm auf Sylt: 9-Euro-Ticket lockt Punks an – Bahn meldet „außergewöhnlich hohes Reisendenaufkommen“

Die Verantwortlichen aus Politik und Tourismus-Branche hatten im Vorfeld des Pfingstwochenendes beteuert, dass man sich auf die vielen neuen Sylt-Besucher freue, die dank des günstigen 9-Euro-Tickets mit dem Zug nach Sylt kommen würden. Doch die Realität hatte schnell gezeigt, dass vor allem die Verkehrs-Infrastuktur der Bahn dem Andrang kaum gewachsen ist. „Außergewöhnlich hohes Reisendenaufkommen, eine Mitfahrt kann nicht garantiert werden“, meldete die Deutsche Bahn am Pfingst-Samstag. Tatsächlich waren viele Züge, die am Samstag auf der Insel eintrafen, brechend voll. Viele Bahnreisende seien auch in Partystimmung angekommen. Auch eine besondere Gruppe hatte es da schon längst nach Sylt geschafft: feiernde Punks.

Punks in Westerland und Strandkörbe auf Sylt
Chaostage auf Sylt – das gab es lange nicht mehr. (24hamburg.de-Montage) © Bodo Marks/dpa und Dagmar Schlenz

Die Bilder der bunten Punks in der Westerländer Fußgängerzone gingen sofort durch die Republik. Knapp 150 von ihnen waren auf die Insel gekommen, um sich zunächst an der „dicken Wilhelmine“, einem Brunnen in der Innenstadt, breitzumachen. Zunächst hieß es, alles sei friedlich – die Polizei betonte: Mit den Gruppen von Punks, die teilweise seit Tagen auf Sylt sind, habe es Gespräche gegeben, und sie würden sich im Rahmen benehmen, sagte der Sprecher. Doch schnell wurde klar: so friedlich sollte es nicht bleiben.

Ansturm auf Sylt dank 9-Euro-Ticket: Angriff auf Restaurant-Mitarbeiter, mehrere Polizeieinsätze

Beschmierte Scheiben, betrunkene und grölende Jugendliche in den Dünen – knapp 25 Mal musste die Polizei auf der Promi-Insel in der Nacht auf Pfingstsonntag ausrücken, in der Nacht zu Pfingstmontag gab es sieben Einsätze der Polizei. Sonntags tagsüber habe es neun Einsätze gegeben, sagte ein Polizeisprecher am Montagmorgen.

Videos und Fotos auf Social Media zeigen vermüllte Plätze in Westerland. Sylts Bürgermeister Nikolas Häckel (parteilos) hatte am Samstagnachmittag noch gesagt, es sei auf der Insel nur punktuell voller, die Situation sei entspannt. Doch ein Vorfall sorgt für Fassungslosigkeit: An einem Westerländer Restaurant kommt es zu einem körperlichen Angriff auf einen Mitarbeiter. Wie das Hamburger Abendblatt schreibt, habe der Mann zuvor versucht, auf die Punks einzureden. Er wurde daraufhin von einem Unbekannten gewürgt – blieb aber unverletzt.

Punks auf Sylt dank 9-Euro-Ticket: Warum sie gekommen sind – „gleiches Recht für alle“

Ein Punker erklärte im NDR Schleswig-Holstein Magazin, sie seien gekommen, „weil uns gesagt wurde, dass wir hier nicht erwünscht sind, und wir das halt so sehen, dass wir genau das gleiche Recht haben wie alle anderen Menschen hier zu sein und deswegen sind wir hier.“ Ein anderer Reisender mit Bierdose und Trainingsjacke erklärte: „Wir wären niemals auf die Idee gekommen nach Sylt zu fahren, wenn Sylt nicht so geschrien hätte, wir wollen Euch hier nicht haben.“

Abseits des Trubels dann eine schreckliche Nachricht: In der Nacht zu Samstag kam ein 27-jähriger Urlauber in Keitum von der Fahrbahn ab und überschlug sich mit seinem Kleinwagen. „Dabei stieß das Fahrzeug mit einem Verkehrszeichen zusammen. Der junge Mann befand sich allein im Fahrzeug und verstarb noch an der Unfallstelle“, teilte die Polizei mit.

Hunderte Punks tummeln sich um den Brunnen Wilhelmine in Westerland auf Sylt.
Mit dem 9-Euro-Ticket nach Sylt: Punks in der Westerländer Innenstadt. © Dagmar Schlenz

Ansturm auf Sylt dank 9-Euro-Ticket: Gastronom fordert Versammlungsverbote – „einfach eine Katastrophe“

Der Punker-Ansturm bringt Einzelhändler und Gastronomen in Westerland in eine verheerende Lage. „Täglich werden es mehr. Man weiß nicht, was passiert. Die sind aggressiv, stellen sich an die Straße, zeigen Stinkefinger. Wir haben viele Kunden, die Angst haben. Das ist nicht geschäftsfördernd, sagte Nadja Leibscher, Inhaberin eines Geschäfts für teure Sportmode dem NDR. Ein Restaurant-Chef, der mit seinem Betrieb erst kurz vor der Corona-Pandamie 2020 gestartet war, sagte dem Abendblatt: „Eigentlich könnte ich sofort zumachen. Wir gehen hier komplett unter. Heute saßen gerade einmal zehn Leute hier.“

Er fordert Versammlungsverbote wie in Hamburg. „Die Polizei, die hier mit drei Wagen auf und ab fährt, kann auch nichts machen. Ich habe häufig mit denen am Tag gesprochen. Es ist einfach eine Katastrophe.“ Es bleibt abzuwarten, wie sich die kommenden Tage entwickeln.

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