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„Aus dem Ruder gelaufen“: Sylter Politiker zieht bitteres Fazit zu Sylt-Punks

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Von: Kevin Goonewardena

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Sie kamen, um zu bleiben: Die Punks, die Anfang Juni Sylt mit dem 9-Euro-Ticket enterten. Nun sind sie weg. Politiker hoffen, dass sie nicht wieder kommen.

Sylt – Mit dem 9-Euro-Ticket aus dem Entlastungspaket der Bundesregierung, auf dessen Nachfolger auch in Hamburg noch immer gewartet wird, hielt Anfang Juni eine Gruppe Gäste auf der Promi-Insel Sylt Einzug, die, das Nordseeeiland, seit den 1980er Jahren in der Masse nicht mehr gesehen hatte: Punks. Sie griffen die Befürchtung einer Punk-Invasion, die sich in den Wochen vor Einführung des Aktionstickets im Internet zu einem regelrechten Hype entwickelt hatte, auf, und enterten die Insel der Schönen und Reichen.

Vor allem aber verließ das bunte Grüppchen Sylt nicht mehr. Weder nachdem das bundesweite Interesse an den Punks auf Sylt abgeflacht war, noch mit dem Auslaufen des „9-Euro-Ticket“ am 31. August 2022. Bis zur vergangenen Woche. Frank Zahel, Bürgervorsteher der Gemeinde Sylt, zieht Bilanz – und die fällt nicht positiv aus.

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Name:Sylt (dänisch Sild, friesisch Söl)
Fläche:99 km²
Bevölkerung:etwa 18.000 (2021)
Punks nach dem 15. September 2022:0

Sylt litt unter Punk-Invasion – „Hoffe Thema Punkercamp hat sich erledigt“

Dem Hamburger Abendblatt gegenüber äußerte Zahel, dass er zwar nach wie vor keinerlei Vorurteile habe und jeder auf Sylt willkommen sei, „aber wer hier zu Gast ist, der muss sich auch entsprechend benehmen.“ Die Message, die in dieser Aussage unüberhörbar mitschwingt, dürfte mittlerweile von vielen Syltern und Sylterinnen geteilt werden: Die Punks haben sich nicht benommen – wegen ihnen gab‘s auf Sylt sogar einen Sicherheitsdienst. „Ich hoffe, dass das Thema Punkercamp jetzt endgültig erledigt ist“, sagt Zahel. Die Insel hatte, zumindest laut einiger Insulaner, unter dem monatelangen Besuch der Punks zu leiden und hat auch keinen Bock auf eine neuerliche Punk-Invasion auf Sylt.

Pfingsten 2022: Punks aus ganz Deutschland entern Sylt
Von Pfingsten 2022 an enterten Punks aus ganz Deutschland Sylt. Im Jahr 2023 sollen sich diese Szenen auf keinen Fall wiederholen – sind sich Sylter Politiker einig. © Dagmar Schlenz

Einige Gewerbetreibende der Insel sahen sogar ihre Existenz bedroht. Afangs hatte sich die Insel gegen die da noch wild campierenden Punks noch mit der verstärkten Präsenz des Sicherheitsdienstes in Westerland oder einem Zaun gegen Wildpinkler gewehrt, der nach heftigen Protesten wieder abgebaut werden musste. Später ließen sich die Punks das von ihnen errichte Camp in Westerland als Protestcamp gerichtlich genehmigen.

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Sylt bereitet sich vor: „Darf nächstes Jahr nicht noch mal entstehen“

Auch Zahels Politiker-Kollege Carsten Kerkamm (CDU), stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Sylt, teilt die Meinung des Bürgervorstehers. „Eine Situation, wie wir sie jetzt haben, darf nächstes Jahr nicht noch mal entstehen“, sagte Kerkamm in einem Interview mit dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z). Um nicht kalt erwischt zu werden, plant die Gemeinde Sylt nun bereits das Vorgehen für 2023, verriet Kerkamm in einem weiteren Interview dem Hamburger Abendblatt.

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Punk-Protestcamp Sylt 2022: Erst wollten die Punks nicht, dann fuhren sie – weiter nach Hamburg

Nachdem es zuerst geheißen hatte, dass, das Protestcamp der Punks auf Sylt, vorerst nicht geräumt werde, ging alles ganz schnell. Jüngst entschied das Oberverwaltungsgericht Schleswig, dass das Camp doch geräumt werden müsse. Zur Begründung hieß es, dass vom Weiterbestehen eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Ordnung auf Sylt ausgehen würde. Zum anderen habe das Protestcamp seinen Zweck bereits erfüllt.

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Die Punks hatten sich zuerst noch geweigert, die Insel zu verlassen, obwohl die Genehmigung für das Protestcamp mit dem letzten Augusttag ausgelaufen war. 80 Polizisten und Polizistinnen begleiteten dann die Auflösung des Camps, das von den Punks freiwillig und ohne weitere Vorkommnisse abgebaut wurde. Einige Punks machten sich dann sogleich weiter auf den Weg nach Hamburg. Dort, so das Vorhaben, wolle man am Hafengeburtstag 2022 teilnehmen.

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