1. 24hamburg
  2. Schleswig-Holstein

„Sylt ist kein Reichen-Ghetto“ – Bürgermeister lässt Dampf ab

Erstellt:

Von: Dagmar Schlenz

Kommentare

Die Nordseeinsel Sylt wird durch 9-Euro-Ticket und Lindner-Hochzeit zum Schauplatz für den Klassenkampf. Bürgermeister Nikolas Häckel reicht’s.

Sylt – Viele Augen richten sich in diesen Tagen auf die Nordseeinsel Sylt. Erst wegen der Punks, die mit dem 9-Euro-Ticket die Insel geentert haben. Dann wegen der Hochzeit von Christian Lindner und Franca Lehfeldt, die auf Sylt mit vielen prominenten Gästen gefeiert wurde. Als Nächstes haben linke Gruppierungen eine Demo auf Sylt angekündigt, um „den Reichen die Ferien zu versauen.“ Nikolas Häckel, Insulaner und Bürgermeister der Gemeinde Sylt, platzt der Kragen.

Name:Nikolas Häckel
Geburtstag:30. März 1974
Geburtsort:Sylt
Ausbildung:Diplom-Verwaltungswirt
Aktuelles Amt:Bürgermeister Gemeinde Sylt

Nikolas Häckel: Auf Sylt leben auch „Normalos“

„Sylt entern“ – unter diesem Motto rufen linke Gruppierungen am 16. Juli 2022 zu einer Demo auf der Nordseeinsel auf. In einer Pressemitteilung der Organisatoren heißt es, die Reichen würden sich nach Sylt zurückziehen, um dort die Früchte der Arbeit zu genießen, die andere für sie erbracht hätten.

Dagegen wehrt sich nun Nikolas Häckel, parteiloser Bürgermeister der Gemeinde Sylt. Auf seinem privaten Facebook-Account lässt der gebürtige Sylter ordentlich Dampf ab. Es sei ein „Schlag ins Gesicht“ für alle Sylter:innen, wenn nur von den Reichen auf Sylt geredet und übersehen würde, wie viele Sylter:innen „Normalos“ seien, die sich Tag für Tag durch den bundesweit üblichen Alltag kämpfen müssten.

In einem Kreis das Gesicht eines Mannes am Nordseestrand, dahinter linke Demonstranten mit einem Transparent „Schluss mit Kapitalismus“. Linke wollen auf Sylt gegen Reiche demonstrieren. Nikolas Häckel, Bürgermeister der Gemeinde Sylt, hält dagegen. „Hier leben auch Normalos.“
Linke wollen auf Sylt gegen Reiche demonstrieren. Nikolas Häckel, Bürgermeister der Gemeinde Sylt, hält dagegen. „Hier leben auch Normalos.“ (24hamburg-Montage) © Kay Nietfeld/Carsten Rehder/dpa/Montage

Punks und Linke: Warum sie nach Sylt kommen – und was Bürgermeister Häckel dazu sagt

Für viele ist Sylt immer noch die „Insel der Reichen und Schönen“. Hier leben viele Prominente und die Immobilienpreise liegen auf Rekordniveau. Im Sommer 2022 eröffnete mit dem Lanserhof in List auf Sylt das wohl teuerste Luxus-Resort in Deutschland. Und nach einer missverständlichen Äußerung von Moritz Luft, Geschäftsführer der Sylt Marketing Gesellschaft, zum 9-Euro-Ticket hatten viele das Gefühl, auf Sylt wolle man keine „Billig-Touristen“.

„Jetzt erst recht!“, sagten sich Party-Touristen und Punks und kamen mit dem 9-Euro-Ticket nach Sylt. Viele Punks sind geblieben, um bei den Reichen zu chillen und zu feiern. Ende Juni zeigte sich Nikolas Häckel noch gelassen und meinte, es sei „total normal“, dass es in allen Städten auch Punks gebe. Und nun eben auch in Westerland auf Sylt. Doch nach den jüngsten Statements linker Aktivisten platzt dem Bürgermeister der Gemeinde Sylt der Kragen.

Nikolas Häckel: Sylt ist kein Plakat für Ideologien

Bürgermeister Nikolas Häckel wirft den linken Gruppierungen vor, sie würden die Insel Sylt nur als Plakat für eigene Ideologien benutzen. Doch Sylt sei kein Ghetto der Reichen, sondern eine bunte Gesellschaft. „Auf Sylt gibt es Obdachlosigkeit und Altersarmut. Viele Sylter:innen erhalten Wohngeld oder andere Sozialleistungen. Viele Sylter:innen haben Zweit- oder sogar Drittjobs.“, so Häckel auf Facebook.

Sylt ist kein Ghetto der Reichen.

Nikolas Häckel, Bürgermeister der Gemeinde Sylt, auf seinem privaten Facebook-Account

Wie in jeder anderen Stadt hätten auch die Menschen auf Sylt Sorgen und Nöte und würden hart für ihren Lebensunterhalt arbeiten. Menschen, denen „eben nicht die gebratenen Tauben zufliegen oder der Kaviar kilogrammweise in den Mund fällt.“ Auch auf Sylt gäbe es Obdachlosigkeit und Altersarmut. Die Demonstranten sollten schauen, ob Sylt für ihre Parolen wirklich der richtig gewählte Ort ist.

Linke planen Demos und Protestcamp auf Sylt

Mitte Juli wollen linke Gruppierungen auf die Nordseeinsel Sylt kommen, um gegen die Wirtschafts- und Sozialpolitik zu protestieren. Am 16. Juli 2022 soll es eine Kundgebung mit Musik geben, außerdem einen Umzug von Westerland nach Kampen. Eine weitere Aktion der Linken ist für den 30. Juli 2022 geplant, wenn die als rechtsradikale eingestufte Kleinstpartei „Die Rechte“ zum Aufmarsch auf die Insel Sylt kommen will. Zahlreiche Gruppierungen haben bereits Gegen-Demonstrationen angekündigt.

Anfang August soll dann sogar ein Protestcamp in Westerland auf Sylt stattfinden. Zur sogenannten „Aktion Sylt“ erwarten die Veranstalter bis zu 1000 Teilnehmende, der genaue Ort ist noch nicht bekannt. Bis zum 14. April will der „Pöbel“, wie sich die Aktivistinnen und Aktivisten selbst bezeichnen, mit verschiedenen Aktionen gegen die Abschottung der Reichen protestieren.

Auch interessant

Kommentare