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Sylt: Ordnungsamt drangsaliert Punks – „die terrorisieren uns richtig“

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Von: Kevin Goonewardena

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Die Punks auf Sylt sind immer noch da. Nun werden sie mehrfach täglich kontrolliert. Was das bringen soll, ist unklar. Klar hingegen: Es sorgt für Ärger.

Westerland / Sylt – Das erste Gültigkeitswochenende des 9-Euro-Tickets ist schon lange vorbei, auch Pfingsten 2022 liegt hinter Sylt. Demos und die Hochzeit von Bundesfinanzminister Christian Lindner und Franca Lehnfeldt sind Schnee von gestern. Mauern wurden gebaut, Brunnen gesperrt, Zäune aufgestellt und alles wieder rückgängig gemacht. Immer noch da ist eine Gruppe, die die meisten wohl vor Monaten nicht mal im Traum mit der Promi-Insel Sylt assoziiert hätten und die jetzt in einem Atemzug mit der Insel der Reichen & Schönen genannt wird – ein Umstand, der noch eine Weile bleiben wird.

Die Rede ist natürlich von den Punks von Westerland, die mit dem ersten Juni-Wochenende dank des 9-Euro-Tickets auf die Insel gekommen sind und seit nunmehr sieben Wochen, mal mehr mal weniger medial begleitet, die Schönheiten der Nordseeinsel auf ihre Art genießen. Doch die Anwesenheit der Nieten-besetzten Lederjacken-Träger gefällt den Sylter Behörden immer weniger. Was also tun?

Name:Sylt (dänisch Sild, friesisch Söl)
Kreis:Nordfriesland (NF), Schleswig-Holstein
Fläche:99,14 km²
Bevölkerung:rund 18.000 (2021)

Punks auf Sylt: Gekommen, um zu bleiben – gröhlen, wildpinkeln und saufen inklusive

Es ist ein bisschen so wie bei Partygästen, die sich selber einladen und die man gewähren lässt – in der Hoffnung, sie würden, nachdem sie ein bisschen Spaß gehabt haben, von selber gehen – um dann festzustellen, dass diese Hoffnung sich nicht erfüllen wird. Doch blöderweise bieten diese uneingeladenen Partygäste auch keinen Anlass für einen Rausschmiss. Loswerden will man sie trotzdem. Man mag sie einfach nicht. Was also tun, wenn, wie jetzt in Sylt, gar keine Steine fliegen, keine Schaufenster zu Bruch gehen, nicht geplündert oder gebrandschatzt wird?

Punks auf Sylt und Sicherheitsdienst
Sylt: Aufgrund der Punks in Westerland ist auch ein Sicherheitsdienst auf der Insel im Einsatz. Dazu kommt das Ordnungsamt und die Polizei. (24hamburg.de Montage) © Dagmar Schlenz/Paul Zinken/dpa

Offenbar gibt es keine Dame, deren Chanel-Täschchen geklaut, keinen Porsche, dessen Reifen zerstochen wurden. Das bisschen wildurinieren und rumgröhlen reicht nicht für ein Stadt-, respektive Insel-Verbot. Millionen Kölner Karnevalisten und sonnenbrand-gerötete Adiletten-Träger auf Malle wissen das nur zu gut aus eigener Erfahrung. Und auch eine Rossmann-Filiale belagern, ist kein strafbarer Akt.

Sylt und die Punks auf der Insel: Haste mal ‘ne Kurabgabe? – Ordnungsamt rückt mehrmals täglich an

Die Sylter Politik entdeckt ein Mittel, dass bei dem ein oder anderen den Gedankengang „Typisch deutsch!“ hervorrufen dürfte: Die Gemeinde schickt das Ordnungsamt und Beschäftigte anderer Institutionen zu verschärften Kontrollen los. Kontrolliert wird unter anderem die Einhaltung der Kurabgabe, wie der Bürgermeister der Gemeinde Sylt, Nikolas Häckel, gegenüber dem Hamburger Abendblatt bestätigt. „Das Ordnungsamt ist mehrfach täglich an den neuralgischen Punkten präsent, der Sicherheitsdienst von 13 Uhr bis 1 Uhr mit zwei Teams in der Innenstadt“, sagt Häckel.

Die Punks ihrerseits sprechen von im Schnitt fünf Kontrollen am Tag, bei denen auch Personalien aufgenommen und private Taschen durchsucht werden würden. Letzterem widerspricht der Sylter Bürgermeister ganz entschieden. Bei den Kontrollgängen, so führt Häckel im Abendblatt weiter aus, gehe es „insbesondere um Einhaltung der Satzungen und der Kurabgabenpflicht.“ Das bestätigt auch „Fuxxx“, einer der Punker, dem Abendblatt.

„Heute Morgen, gegen 7 Uhr, kam schon wieder das Ordnungsamt“

Der Punker Fuxxx gegenüber dem Abendblatt

Kurabgabe Sylt: Tagesgäste müssen sich selbst kümmern – Kontrollen bei Punks Zufall?

Während Hoteliers und Vermieter von Pensionszimmer, Ferienwohnungen und sonstigen Unterkünften die Kurabgabe über den Preis einziehen und die Kurkarte den Gästen aushändigen, müssen sich Tagesausflügler selbst um die Entrichtung der Abgabe kümmern. Ob die Sylter Ordnungsdienste auch bei Menschen, die nicht erkennbar dem Punk-Spektrum zuzuordnen sind, in gleicher Häufigkeit die Bezahlung der Kurabgabe oder anderes kontrollieren oder gezielt in weiser Vorahnung des Ergebnisses bei einer Punk-Kontrolle, auf selbige zusteuern, bleibt hier spekulativ.

Wir dürfen hier nicht einmal an den Strand gehen, nur weil wir kein Geld haben. Ich fühle mich wie in so einer Stadt im Mittelalter, wo man fürs Betreten irgendeine Maut zahlen muss.

Punk Fuxxx gegenüber dem Abendblatt

Dass allgemeine Kontrollen nicht alle Mitglieder der Gesellschaft gleichermaßen treffen und Kontrollen sowohl dem Demonstrieren von Machtverhältnissen dienen, als auch, wiederholt eingesetzt, Teil einer Zermürbungs-Strategie sein können, ist hingegen bekannt. In Einzelfällen ist anderweitiges Vorgehen gerichtlich untersagt worden. Eine nicht zufällige Auswahl der zu kontrollierenden Person wird durch Behörden regelmäßig bestritten.

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Punks auf Sylt: Auch diese eine Liebe wird mal zu Ende gehen

Am 27. August 2022 enden auch für die Schülerinnen und Schüler im letzten Bundesland Deutschlands die Sommerferien. Am 30. August 2022 läuft das 9-Euro-Ticket aus, eine Verlängerung oder Alternativen werden zurzeit diskutiert. Knapp eine Woche später, am 5. September 2022, beginnt die erste Sitzungswoche im Deutscher Bundestag nach der zwei Monaten parlamentarischen Sommerpause. Spätestens dann werden die Themen wieder andere sein. Die Punks auf Sylt kommen wieder – in den großen Jahresrückblicken mit Oliver Geißen, Markus Lanz, Günther Jauch und Co. So viel ist sicher.

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