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Sylt: Jetzt kommen auch die Nazis auf die Insel – Linksradikale planen Gegenprotest

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Von: Kevin Goonewardena, Dagmar Schlenz

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Nach der Punk-Invasion droht Sylt nun ein Nazi-Aufmarsch. Eine rechtsextreme Partei ruft zur Insel-Kundgebung mit 9-Euro-Ticket auf.

Westerland (Sylt)/Hamburg – Müssen sich die Einwohner und Touristen, die sich im Sommer auf der Promi-Insel Sylt aufhalten, nun auf die nächsten, einem extremen Spektrum zuzurechnenden Besucher einstellen? Wenn es nach der Neonazi-Partei „Die Rechte“ geht, droht Sylt nach der Punk-Invasion zu Pfingsten 2022 jetzt der braune Mob. Denn via Telegram rief die extremistische Kleinstpartei nun zur Kundgebung auf die Insel. Und das mitten im Sommer – dank 9-Euro-Ticket. Die Ankündigung sorgte bereits für eine Gegen-Mobilisierung der radikalen Linken aus Hamburg.

Name:Sylt (dänisch Sild, friesisch Söl)
Bundesland & Landkreis:Schleswig-Holstein / Nordfriesland (NF)
Fläche:99,14 km²
Bevölkerung:rund 18.000 (2020)

Sylt mit 9-Euro-Ticket: Jetzt kommen auch die Nazis auf die Insel

Gewohnt grammatikalisch fehlerhaft ruft die Neonazi-Partei zur „nationalen Demonstration“ auf die „Touristeninsel der Reichen“ auf. „Ja ihr lest richtig und das ist kein verspäteter Aprilscherz!“, heißt es in dem Aufruf der vor allem in NRW tätigen Nazi-Partei.

Unter dem Motto „Sylt für alle – Gemeinschaft statt sozialer Spaltung“ sollen die Anhänger und Sympathisanten der Partei Ende Juli auf Sylt auf die Straße gehen. Der Protest richtet sich gegen das 9-Euro-Ticket, den vermeintlichen Niedergang des Bahnnetzes durch die Privatisierung, das „Verschachern von Staatseigentum“ und den „völlig fehlende Gemeinschaftsgeist“, der „im Zuge der Liberalisierung installiert“ [sic!] wurde – so die krude Begründung.

Nazis auf Sylt mit 9-Euro-Ticket: Polizei bereitet sich auf Demo im Juli 2022 vor

Auch die Behörden, Medien und das Netz haben auf den Aufruf der „Die Rechte, Ortsgruppe Braunschweig“ bereits reagiert. Laut SHZ-Bericht ist die für den angekündigten 30. Juli 2022 Versammlung bereits bei den Behörden angemeldet.

Wir behalten das im Blick und werden uns entsprechend vorbereiten.

Eine Sprecherin der für Sylt zuständigen Polizeidirektion Flensburg gegenüber t-online

Kommen die Nazis auf Sylt mit 9-Euro-Ticket wirklich? Verfassungsschutzbericht sorgt für Zweifel

Auf Twitter spekulieren Nutzer, dass die Partei „Die Rechte“ lediglich auf den Sylt-Zug aufspringen wolle. In den vergangenen Wochen nämlich ist Sylt das bestimmende Thema in deutschen Medien und dem Netz. Zahlreiche Memes und Tweets greifen die vermeintliche Angst der Sylter und Sylterinnen vor dem Pöbel, der Dank des 9-Euro-Ticket die Insel heimsucht, auf. Durch ein von ihm gegebenes Interview hatte ausgerechnet der Chef des Sylt Marketing den Sylt-Hype ausgelöst.

Springerstiefel und die Insel Sylt von oben.
Nach den Punks wollen nun auch Neonazis auf die Insel Sylt. (24hamburg.de-Montage) © Rüdiger Wölk / blickwinkel / Imago

Dafür, dass der Aufruf zur Kundgebung am Bahnhof in Westerland lediglich wichtigtuerische Provokation ist, spricht der aktuelle Verfassungsschutzbericht. Dort heißt es unter anderem über die extremistische Splitterpartei, die kaum mehr als 500 Mitglieder hat, dass „zahlreiche Propagandaaktionen“ „offensichtlich nur der Provokation des politischen Gegners und der Polizei dienen würden.

Sylt: Nazis offenbar schon auf der Insel – Schwarzer Block aus Hamburg will anreisen

Oder doch nicht? Wie 24Hamburg.de erfuhr, wissen auch die Punks auf der Insel bereits über die Nazi-Demo Bescheid. Angeblich, so die Punks, die sich auch nach Pfingsten dank 9-Euro-Ticket auf der Nordsee-Insel aufhalten, habe der Schwarze Block aus Hamburg bereits angekündigt, zur Gegendemonstration anreisen zu wollen. In Bezug auf die Teilnehmerzahl der Gegendemonstration sei die Zahl „4300“ gefallen. Verifizierbar ist diese Anzahl aber nicht. Fest steht schon jetzt: Sylt ächzt unter den Punks auf der Insel – „Wir halten das nicht durch“, heißt es.

Partei „Die Rechte“: Auffangbecken für Neonazis verbotener rechtsextremistischer Gruppen

Die zahlenmäßig überschaubare Ansammlung völkischen Denkens gepaart mit Gewaltbereitschaft und Grammatikschwäche macht die Neonazipartei jedoch keineswegs weniger gefährlich. In dem im Juni vorgestellten VS-Bericht wird Die Rechte als „ein Auffangbecken für Neonazis, unter anderem aus zuvor verbotenen rechtsextremistischen Gruppierungen“ bezeichnet.

„Die Grenzen zwischen Parteianhängern und lokalen Neonazi-Strukturen verwischen regelmäßig. Der Parteistatus wird in erster Linie als Schutz gegen sicherheitsbehördliche und vereinsrechtliche Maßnahmen missbraucht.“

Auch jetzt seien laut Punker-Informationen bereits viele Nazis auf der Insel. Aus diesem Grund würden die Punker immer in Gruppen zusammen bleiben und aufeinander aufpassen, so die Punks, die vor kurzem Sylt dank 9-Euro-Ticket enterten, gegenüber 24Hamburg.de.

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